Als ich von einer Freundin zu dem Auftritt einer "norwegischen Sängerin, die Gospels vorträgt" eingeladen wurde, nahm ich die Einladung mit sehr gemischten Gefühlen und ohne große Erwartungen an und nahm mir vor, dass ich mich in nächster Zeit mit Äußerungen über Toleranz und Neugier in Bezug auf Musik zurückhalten würde...
Doch als Frau Asbjörnsen, eine winzige, schmächtige Person mit roten Wusellocken, die Bühne betrat und zu Singen anfing, zog sie das Publikum, das zu meiner Überraschung nicht aus Pfarrerssöhnen und -töchtern bestand, sofort in ihren Bann. In Sekunden räumte sie mit sämtlichen Vorurteilen auf: nein - man muss nicht farbig und von voluminösem Körperbau sein, um eine wundervoll rauchig-kraftvolle Stimme zu haben; nein - auch europäische Frauen des 21. Jahrhunderts können sich wundervoll in den Kontext des Gospel einfühlen und nein - man muss kein gläubiger Christ sein, um von der Stimmung eines Gospel berührt zu werden!
Obwohl es sich ausschließlich um Gospels handelt, werden die Songs absolut abwechslungsreich mit verschiedener Instrumentierung vorgetragen, wobei man immer wieder über die Bandbreite der Variationen überrascht ist. So wird man bei mehreren Stücken durch den Einsatz der Lap-Steel-Gitarre in angenehmer Weise an Country-Musik erinnert, einige mit akkustischer Gitarre begleitete Stücke stehen in bester Singer-Songwriter-Tradition und besonders die Stücke "Going Up", bei dem Asbjörnsen nur von Rythmusinstrumenten begleitet wird, und das fast schon funkige "Wayfaring Stranger" sorgen für Abwechslung.
Alles in Allem eine CD, die mich neugierig auf ein Genre gemacht hat, mit dem ich mich noch nie beschäftigt habe.
Wie sagt man das an dieser Stelle immer: uneingeschränkte Kaufempfehlung!