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Einerseits knüpft Scholl an klassische Traditionen an, wenn er sich bei der Auswahl der Stücke etwa am Repertoire des Countertenors Alfred Deller orientiert, oder wenn er mit dem in der ersten Strophe unbegleitet vorgetragenen "Blow the wind southerly" Bezug auf die lang verstorbene englische Altistin Kathleen Ferrier nimmt (auch sie sang dieses Lied so, allerdings unvergleichlich viel schwermütiger und tiefgründiger). Andererseits lässt er sich von dem Produzenten der Popgruppe Blondie Arrangements komponieren, die sich bei erklärter Absicht, nicht "im altmodisch klassischen Stil" daherzukommen, streckenweise im stilistischen Niemandsland bewegen: Traditionell klassische Satztechnik wird bewusst ausgehöhlt, indem logische Vorhaltsbildungen vermieden und Farbe gebende Terzen oder Septimen ausgespart werden. Stattdessen kommen im klassischen Satz verpönte Elemente wie offene Parallelen unter den Stimmen ganz gezielt zum Einsatz. Das Ergebnis ist oftmals ein recht strohiger, leerer Klang. Wie man einfach und unprätentiös, aber nicht simpel komponiert, demonstrierte etwa Benjamin Britten mit seinem Satz von "Down by the salley gardens" -- ob Craig Leon den kennt?
Andreas Scholl, daran besteht kein Zweifel, singt sehr schön und ausdrucksvoll, und er vermag die oftmals dornigen Arrangements zu veredeln -- aus der Sicht des klassischen Hörers jedenfalls. Auf eine andere Idee brachte mich allerdings ein Freund, der im Pop zu Hause ist: Eine raue, "unreine" Stimme wie etwa diejenige von Tom Waits hätte diesen Arrangements deutlich besser getan. Andreas Scholls unvermittelte Verwendung seiner "normalen" Bruststimme in einem der Lieder ist ein viel versprechender Schritt in diese Richtung des bewussten Verfremdens und Aufrauens der allzu glatten Oberfläche, zu welcher übrigens auch die klassischen Instrumente -- ein weiterer Crossover-Aspekt -- beitragen.
Aber bei so vielen Änderungsvorschlägen hätte man vielleicht gleich eine ganz andere CD machen müssen, ohne Scholl, ohne das Orpheus Chamber Orchestra. Zumindest sei eine frühere CD von Andreas Scholl zum viel sagenden Vergleich empfohlen: 1996 nahm er Englische Folksongs und Lautenlieder in "konventioneller" Art und Weise nur mit Lautenbegleitung auf. Eine Produktion, bei der mir persönlich wohler ist. --Michael Wersin
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Eine erwärmende CD für kalte Winterabende - ein Muss für alle Scholl-Fans und auch ein schönes Geschenk für alle, die ihn noch nicht gehört haben.
p.s.:
Herr Werin unterliegt übrigens einem Missverständnis, wenn er auf das Thema der geplanten "Pop-CD" eingeht. Dieses Projekt liegt nach Auskunft des Managements von Andreas Scholl derzeit noch auf Eis und hat nichts mit den gerade veröffentlichten Folksongs zu tun. Solche Fehlinterpretationen wären durch eine Rückfrage bei Decca sicher zu vermeiden.
Der tadellos intonierende und "erzählende" Andreas Scholl bleibt immer der einzige Protagonist und verhindert mit seinem unaufdringlichen, entspannten Engagement jeden Eindruck von Süßlichkeit. Ich mag auch die sehr freie Begleitung durch den Lautenisten, die für mich erst die Verbindung schafft zwischen den "English Folksongs" und den neuen, Filmmusik und Pop angenäherten Arrangements.
Kurz gesagt: Manchem mag das Ganze nicht tiefschürfend genug sein oder zu wenig neue Impulse geben, aber seicht und kitschig ist das Album deshalb noch lange nicht.
Wer für gute bis sehr gute Crossover-Produktionen ein Ohr offen hat, sollte unbedingt zugreifen.
Wartete also gespannt auf diese Aufnahme.
Ein neuer Scholl. Und was für einer!
Nichts mehr von der gewohnten tiefen Musikalität, der stets geschmackvollen Gestaltung.
Da trifft die Oberflächlichkeit des Gesanges auf teilweise entsetzlich süßliche Arrangements. Unerträglich!
Auch die Stimme hat m.E. deutlich etwas von ihrem bisherigen Zauber eingebüßt.
Hier ist wohl ein ganz neues Publikum anvisiert.
Ein sehr unschöner Schlußpunkt unter eine bisher so beglückende Diskographie.
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