Zwei sehr gute Gründe gibt es für den Erwerb dieser CD, auch wenn Sie kein besonderes Faible für indische Musik haben sollten. Der eine heißt Mychael Danna. Der andere A. R. Rahman. Der Score: Halbgekonntes Crossover ist Dannas Sache nicht. Dass er eine starke Affinität zur indischen Musik hat (nebenbei auch mit einer Inderin verheiratet ist) und nicht nur so tut, als würde er sich auskennen, hört man auch in seinen anderen filmmusikalischen Beiträgen sehr schnell heraus. Weder wirkt sein Amalgam aus indischem Instrumentarium mit Streichorchester wie ein suppiger Kulturclash, noch stehen beide Klangwelten unbeteiligt nebeneinander. Vielmehr gelingt ihm, dass auch der wenig bewanderte Hörer Indien als Land mit einer reichen Musiktradition wahr nimmt, denn dass dies so ist, lässt sich auch am Klangreichtum der wichtigsten Instrumente (wie der Sitar) fest machen. Eine einzelne Sitar wiegt mehr als eine Koto oder eine Shakuhachi. Danna bringt uns also Themen, die nicht nur indisch duften, sondern indisch schmecken, und geht dabei weiter als George Fenton, Thomas Newman und erst recht Hans Zimmer, die in ihren Ethno-Scores doch nur Klischeeanhäufung betreiben - mangels Research und Wissen. Das Kernthema in "Water" ist schön, aber nicht die Hauptsache. Großartig, einfach großartig.
Zweifach großartig wird die CD durch die Songs von Junggenie A. R. Rahman, der diese kleine Lied-Sammlung für seine bislang beste hält. "Shyam rang bhar do" ist, das ist keine Übertreibung und in aller Nüchternheit vorgebracht, einer der besten zehn Songs, die ich jemals gehört habe. Dass ich den Text nicht verstehe, ist wohl eher mein Glück. Soviel Verve, Glanz und Schönheit in fünf Minuten, ein Power-Riegel in ähnlicher Instrumentierung wie der Score, natürlich rhythmusbetont, voller Sonnenschein, mit einer für westliche Ohren sehr originellen und effektiven Percussion (vornehmlich Tabla): So müsste ein Sommerhit klingen! Die wechselnden Stimmen, in Indien nahezu alle bekannte Stars, tragen dieses wunderbare Lied, das praktisch nur aus Hooklines besteht, immer weiter - die Repeat-Taste muss häufiger betätigt werden. Auch die anderen Songs haben Klasse, sind mitunter etwas ruhiger, aber vorzüglich orchestriert. Sehr schön, dass hier auf Disco-Gestampfe und reguläres Drum-Kit verzichtet wurde. Trotzdem wirken die Songs nicht wie "Volksmusik", sondern sehr modern. Wenn das der Sound von Bollywood ist, dann bin ich ihm hiermit erlegen. Also hat Max Goldt doch recht: Indien hat vorzügliche Pop-Musik.