So nachlässig können Sie schreiben, wenn Sie berühmt geworden sind. Jetzt müssen Sie sich noch Mühe geben, soll Voltaire einem Anfänger gesagt haben.
Wenn man Hot Water Music liest, bestätigt sich dieser Spruch ein weiteres Mal. Das Buch erschien Ende der 70er Jahre, als sich Bukowskis Ruf auf dem literarischen Markt langsam festigte. Und von seinen besten Geschichten, die meiner Meinung nach in den Fünfzigern und Sechzigern entstanden, ist es weit entfernt.
Die Erzählstücke in diesem Band lesen sich, als wollte der Autor eher seine Schubladen leer machen, und mit einem Ausverkauf der üblichen Motiven schnelles Geld verdienen. Ein Großteil der sehr knappen Geschichten lesen sich wie Notizen, die lediglich verschiedene Einfälle und Motive festhalten sollten. Ohne Humor, ohne Spannungsbogen, ohne tiefere Charaktere und ohne Auflösung:
- Ein Mann lernt eine Frau kennen, die ihm davon erzählt, dass die Gottesanbeterin nach dem Paarungsakt das Männchen tötet. Beim anschließenden Geschlechtsakt, beisst sie ihm den Penis ab (Gottesanbeterin).
- Ein Ehepaar streitet sich. Der Mann fährt zur Arbeit (Ein Job in einem drittklassigen Bordell).
- Der Wirt einer Kneipe beschwert sich bei seinem Gast darüber, dass die Welt immer schlechter wird. Der Gast entpuppt sich als Räuber und erschießt ihn. (Die Verrohung der Sitten)
-Ein Mann, der auf eine Zimmerannounce antwortet, flirtet am Telefon mit einer Zimmerwirtin. Als Sie sich treffen, sind beide vom anderen enttäuscht, schlafen aber trotzdem miteinander. (Kennen Sie Pirandello?)
Selbst die vielversprechende zweiteilige Geschichte Tod des Vaters, die ein Motiv behandelt, dass sich durch Bukowskis Gesamtwerk zieht, erweist sich als enttäuschend.
Im ersten Teil schleppt Chinaski auf der Beerdigung seines Vaters die hinterbliebene Freundin ab und verbringt die Nacht mit ihr. Im zweiten Teil geht er in das Haus seiner Eltern zurück, öffnet die Türen und lässt es von den Nachbarn ausplündern.
Obwohl Bukowski seine gewohnten Themen behandelt, ist keine der Geschichten befriedigend, oder auch nur originell. Auch seine Bemühungen, an die alten schmuddeligen Zeiten anzuknüpfen (Dicht neben seiner Nase entdeckte er einen Mitesser. Er drückte ihn aus, und das reizende schwarze Ding quoll heraus, gefolgt von einem Schwanz aus gelbem Schmant.), wirken eher befremdlich.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal einem Buch von Bukowski eine schlechte Bewertung geben würde; eine kleine Handvoll lustiger Episoden rettet das Buch wenigstens vor der schlechtesten Note. Aber Bukowskis Output ist groß genug- kaufen Sie einfach einen anderen Kurzgeschichtenband.