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Wenn es ein Element gibt, bei dem der große deutsche Erzähler Siegfried Lenz Zeit seines Lebens buchstäblich in seinem Element war, so ist es wohl – das Wasser. Schwimmen lernte der Schriftsteller in Ostpreußen, bevor er in der Schule zur Schrift kam. Später ging er zur Marine, und das Meer und die See, Ebbe und Flut, Fjorde und Küsten durchziehen sein gesamtes, nicht gerade schmales Werk. „Ich sah mich als Boot, durchschnitt mit meinem Bug die Wellen, und die einzige Spur, die ich zurückließ, war die schaumige, sacht sterbende Linie des Kielwassers“, heißt es in „Ich zum Beispiel“, dem einzig bekannten autobiografischen Text des Autors: „In trüber Voraussicht erkannte ich, dass ich meine Höchstleistung auf dem Wasser vollbringen würde.“
Eigentlich ist es da kein Wunder, dass Hanjo Kesting bei seiner ersten Begegnung mit dem Schriftsteller Mitte der sechziger Jahre beim Anblick der Augen des Autors sofort ans Wasser denken musste: Augen, „in denen etwas Weiches, Verschwimmendes, Flutendes war“, schreibt Kesting im Vorwort zu dem von ihm herausgegebenen Sammelband Wasserwelten, „fast möchte ich sagen, etwas von der Farbe und Bewegung des Meeres“. Jetzt hat der Journalist Passagen und Erzählungen aus dem Werk des Autors gefischt, die von dessen (und seiner eigenen) Liebe fürs Wasser handeln. „Meer und Küste“ oder „Fluss und Hafen“ sind die sieben Kapitel überschrieben, „Die Wracks und die Taucher“ oder „Aquariums-Kultur“.
Herausgekommen ist ein Buch, die nicht nur die Faszination fürs nasse Element verständlich macht, sondern auch noch einmal aufzeigt, wie meisterlich der große alte Mann der deutschen Literatur zu erzählen weiß. Wasserwelten ist ein ideales Buch für den Strandkorb, das zudem illustriert, wie sehr Lenz mit Blick aufs Wasser literarische Höchstleistungen vollbrachte.
- Stefan Kellerer
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Über den Autor
SIEGFRIED LENZ, 1926 im ostpreußischen Lyck geboren, zählt zu den bedeutendsten und meistgelesenen Schriftstellern der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Seine Werke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main und der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Zuletzt erschien zu seinem 80. Geburtstag die autobiographische Essaysammlung Selbstversetzung. Siegfried Lenz lebt in Hamburg.
Herausgegeben von HANJO KESTING.