oekosmos.de, 26.06.2005
Der Klimawandel ist heute kein abstraktes Schreckgespenst mehr, sondern traurige Realität. Auch ist es kein Geheimnis, dass die fossilen Rohstoffe wie Erdöl nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. Trotzdem hat man das Gefühl, dass die Industrie kaum Alternativen erforscht. Das viel gepriesene 3-Liter-Auto beispielsweise sucht man immer noch vergeblich in den Autohäusern. Eine umweltschonende Alternative zu fossilen Brennstoffen ist der Einsatz von Wasserstoff. Alf-Sibrand Rühle, Betriebswirtschafts-Wissenschaftler und Fachmann in Sachen Aktienmarkt, stellt in diesem Buch den Stand der Forschung und die Anwendbarkeit dieser sauberen Energiequelle vor und zeigt die wirtschaftlichen Auswirkungen. Den Begriff Brennstoffzelle hat vermutlich schon jeder einmal gehört. Aber was genau steckt dahinter? Rühle gibt in seinem Buch zunächst die chemischen Grundlagen wider und beschreibt die geschichtliche Entwicklung dieser Technik. Da er selber kein Naturwissenschaftler ist, sind seine Erklärungen gut verständlich und verlangen nur ein geringes Maß an chemischem Wissen. Schwieriger wird es dann bei der Vorstellung der unterschiedlichen Brennstoffzellen-Typen. Es ist erstaunlich, wie zahlreich diese Technik heutzutage bereits eingesetzt wird. So fahren beispielsweise in Hamburg und Stuttgart bereits mit Wasserstoff angetriebene Linienbusse herum. Auch in der Luft- und Seefahrt ist der Einsatz von Brennstoffzellen möglich und geplant. Im Folgenden wendet sich Rühle verstärkt den wirtschaftlichen Fragen dieser Technologie zu. Bisher ist sie noch nicht für die Massenanwendung geeignet, und bisher liegen die Kosten auch noch deutlich über herkömmlichen Strompreisen. Doch viele Firmen, auch aus dem Bereich der Erdölindustrie, haben das Potential dieser Technik erkannt und engagieren sich, um sie alltagstauglich zu machen. Am Ende seines Buches stellt Rühle in einem kurzen Steckbrief eine ganze Reihe von Aktiengesellschaften vor, die im Bereich der Brennstoffzellen-Technik aktiv sind. Obwohl das Buch im Großen und Ganzen recht verständlich geschrieben ist und nicht all zu viel Hintergrundwissen voraussetzt, ist es nicht unbedingt als Einsteigerbuch geeignet für jemanden, der sich allgemein über die Verwendung von Wasserstoff als Energiequelle informieren möchte. Es bietet jedoch einen interessanten Überblich über den derzeitigen Stand der Anwendungsmöglichkeiten und einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Solarserver, Buchtipp Mai 2005
Deutschland braucht Innovationen und Wachstum. Die moderne Welt benötigt immer mehr Energie, verläßlich, bezahlbar und klimaschonend - rund um die Uhr. Fossile Energieträger heizen das Treibhaus Erde auf, sie werden zudem knapp und teuer. Auch die Atomkraft scheint keine Lösung, denn der Brennstoff Uran ist ebenfalls endlich. Deshalb ist moderne Technik zur effektiven Nutzung von Sonnenenergie, Windkraft, Erdwärme und Wasserkraft gefragt. Außerdem sind Technologien nötig, um die saubere Energie zu speichern: Wasserstoff und Brennstoffzellen sind der Energieträger beziehungsweise die Energiewandler der Zukunft - mit Potenzialen, die auch an der Börse interessant werden.
Wasserstoffwirtschaft in den Startlöchern Der Autor erklärt zunächst was Wasserstoffwirtschaft bedeutet, welche Perspektiven sie bietet und wie sie unser tägliches Leben verändern kann. Vom Brennstoffzellen-Heizgerät im Keller über saubere Fahrzeuge und die autarke Stromversorgung im kleinen wie im großen Maßstab, bis hin zu einer Ökonomie, in der Wasserstoff mehr und mehr die Rohstoffe Öl und Gas ersetzt. Anschaulich werden die technischen Grundlagen für den Kraftstoff von morgen vermittelt sowie die Funktion von Brennstoffzellen. Doch Rühles Buch wendet sich nicht nur an Technikbegeisterte, sondern an alle, die Zukunftsvisionen suchen, die eine Energiewende wollen. Er fragt, welchen Einfluss die Wasserstofftechnik auf die globale Wirtschaft hat, welche Rohstoffe verstärkt benötigt werden und welche Regionen davon profitieren werden: "Wird es statt Ölscheichs in Zukunft Hydrogenscheichs geben? Werden aus Petrodollar nun Hydrogendollar?"
Einsatz in allen Gebieten: Wasserstoff für Strom und Wärme - und auf dem "HyWay" Zahlreiche Beispiele zeigen, dass eine Wasserstoffwirtschaft keine Vision mehr ist. Da ist zunächst das Interesse großer multinationaler Konzerne, die in diesem Bereich aktiv werden. Und es gibt fast marktreife Produkte, beispielsweise die Brennstoffzellen-Heizgeräte von Buderus, Vaillant, Sulzer-Hexis und RWE, die Bennstoffzellenautos von BMW, DaimlerChrysler, Ford, Honda, PSA Peugeot Citroyen oder Toyota - und nicht zuletzt die Wasserstoff-Busflotte des europaweiten Projekts CUTE (Clean Urban Transportation for Europe).
Das Ziel: Wasserstoff aus erneuerbaren Energien Dass Brennstoffzellen und erneuerbare Energien eine enge Verbindung eingehen müssen, ist klar. Schließlich soll der Sekundärenergieträger Wasserstoff nicht aus fossilen Quellen erzeugt werden (Öl, Gas). Denn dies würde den Ausstoß der gefährlichen Klimagase nur vom Energieverbraucher zum Erzeuger verlagern. Stattdessen stehen nahezu unbegrenzte Ressourcen zur Verfügung, um beispielsweise mit Ökostrom Wasser per Elektrolyse in seine Bestandteile zu zerlegen: Wasserstoff und Sauerstoff. Oder um Wasserstoff aus Bioenergie zu gewinnen: aus Biomasse, Biogas oder Holz. Erforderlich sind dazu neue, wettbewerbsfähige Techniken, an denen bereits gearbeitet wird.
Die Zukunft der "Blue-Techs" Forschung und Entwicklung haben Lösungen gefunden, die vor wenigen Jahren noch utopisch schienen. Weltweit arbeiten High-tech-Unternehmen an den Elementen der Wasserstoffwirtschaft: der Energieproduktion aus erneuerbaren Energien, der Weiterentwicklung und Massenfertigung der Brennstoffzelle, an Anwendungen zur Strom- und Wärmeversorgung und im Verkehr sowie an der Infrastruktur. Auf diese Unternehmen setzt Rühle. Rühles "H2AM-Strategie" (Hydrogen Asset Management) verbindet Blue Chips (etablierte börsennotierte Standardwerte) und junge High-tech-Produzenten. Der Autor beleuchtet, wer im neuen Energiezeitalter die Nase vorn haben kann und wo es sich lohnen könnte, in die saubere Zukunft zu investieren. Sowohl die technischen Aspekte als auch die Informationen über die Ökonomie und den Handel an der Börse sind ohne Vorkenntnisse verständlich. Zahlreiche Unternehmensprofile und ein umfangreiches Glossar ermöglichen einen schnellen Einstieg in das Thema.