"Wassermusik" reißt einfach nur vom Hocker - welch eine gewagte und unglaublich gelungene Tour de Force! Kaum eine Inhaltsangabe kann dem Buch gerecht werden, und doch ist die Komplexität von "Wassermusik" alles andere als verwirrend, sondern super fesselnd und unfassbar furios.
Im wesentlichen gibt es drei Schauplätze der Handlung: Westafrika, London und die schottischen Highlands Ende des 18. Jh. Ebenso gibt es drei wesentliche Protagonisten: den (historischen) Entdecker des Niger, Mungo Park, den Gauner aus der Londoner Gosse, Ned Rise, sowie Parks Verlobte, Ailie. Besonders die Handlungsstränge in Afrika und in London suchen ihresgleichen:
Afrika wird eindringlich als zutiefst fremder und feindseliger Kontinent geschildert, durch den Mungo Park mit viel Glück und kaum mit Verstand stolpert und dessen komplexe Regeln und überaus hohe Gefährlichkeit er als Europäer nicht begreift. Dass er nur aufgrund der überragenden Cleverness seines einheimischen Führers, des hochgebildeten Ex-Sklaven Johnson, seine erste Niger-Expedition überlebt, wird Mungo Park nie klar.
Boyles zweiter großer Handlungsstrang ist mindestens genauso gelungen: London ist Ende des 18. Jh. auf seine Weise fast genauso gefährlich wie das unerforschte Afrika, und der Leser begleitet Ned Rise auf der atemberaubenden Achterbahnfahrt seines Überlebenskampfes in der knallharten Unterwelt Londons. In schier unglaublichen Wendungen des Schicksals treffen Mungo Park und Ned Rise in Afrika aufeinander, und am Ende des Romans schließt sich verblüffend und virtuos der Kreis aller Schicksale.
Der beste Roman, den ich je gelesen hab, und ich hab wirklich schon viele gelesen. 10 Sterne.