Nach dem dreissig-jährigen Krieg erstarkte das kulturelle " Deutschland" in einer Art, wie ein Land nach grossem Feuer sich aus der Asche zu grosser Blüte erhebt. Eine dieser "Blüten" war Telemann. In seinen Eigenschaft sehr " deutsch", in seinen Kompositionen eher ein Europäer.
"Als Georg Philipp Telemann 1767 starb, galt er längst zusammen mit Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach als der wichtigste deutsche Komponist von Instrumentalmusik seiner Generation. Mit Werksammlungen wie "Musique de Table" (1733), der "Quadri" (1730) oder auch den "Nouveaux Quatuors" (1733) hatte er die französische höfische Kunstmusik umgedeutet und mit verschiedenen Gestaltungstradition des Barocks produktiv verschmolzen. Seit seinem achtmonatigen Aufenthalt in Paris anno 1737 eilte ihm europaweit der Ruf des großen Stilsynkretisten voraus, der nicht nur französische, italienische und polnisch folkloristische Klangideen souverän verbinden konnte, sondern darüber hinaus in beinahe erschreckendem Tempo neue Meisterwerke erdachte."
Die "Wassermusik" schrieb Telemann für die Hamburgische Admiralität.
"Die Wassermusik Georg Philipp Telemanns ' der genaue Titel heißt Hamburger Ebb' und Flut ' wurde im Jahr 1723 aus Anlass der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Hamburger Admiralität aufgeführt (Telemann schrieb ebenfalls zu diesem Anlass die Hamburger Admiralitätsmusik). Das Admiralitäts-Kollegium sorgte u. a. für die militärische Organisation zur Sicherstellung der Schifffahrt in Hamburg und auf der Unterelbe und für das Hafen- und Lotsenwesen"
Ein äusserst munteres und vielfältiges Stück
" 1. Satz: Ouvertüre (Grave ' Allegro)
2. Satz: Sarabande. Die schlaffende Thetis
3. Satz: Bourrée. Die erwachende Thetis
4. Satz: Loure. Der verliebte Neptun
5. Satz: Gavotte. Spielende Najaden
6. Satz: Harlequinade. Der Schertzende Tritonus
7. Satz: Der stürmende Aeolus
8. Satz: Menuett. Der angenehme Zephir
9. Satz: Gigue. Ebbe und Fluth
10. Satz: Canarie. Die lustigen Boots Leute "
Unterhaltung war für Telemann kein Schimpfwort. Ere betrieb dieses Geschäft mit grösstem Vergnügen und grösster Kunst-Fertigkeit.
Reinhard Goebel hat eine Zeit in seinem Jahrzehnte dauernden Künstlerleben Telemann gewidmet.
"Vor 35 Jahren etwa gründete Reinhard Goebel die Musica Antiqua Köln, um ein Ensemble zur Verfügung zu haben, das den Bedürfnissen der historischen Aufführungspraxis entgegen kommt. Damals war der Violinist aus Siegen einer der jungen Idealisten einer Bewegung, die sich der Musikpflege auf Originalinstrumenten nach musikgeschichtlich möglichst korrekten Vorlagen widmete. Inzwischen ist Goebels Kammerorchester weltweit eines der führenden Ensembles seines Fachs und hat mit zahlreichen Aufnahmen bewiesen, dass die Grundsätze des geschichtlichen Arbeitens mit den Notenvorlagen zu faszinierenden und innovativen Interpretationen bekannter Werke führt und darüber hinaus den Blick auf die vergessenen Meister vergangener Epochen richten kann."
Sein Telemann ist oftmals sehr geschwind. Er heizt den Musikern ordentlich ein. Ob das im ehrwürdigen Hamburg Gefallen gefunden hätte, mag man bezweifeln- so gegen den Strich bürstete Goebel gerne Musik für die hohe Herrschaft. Nicht nur bei Telemann, auch die Brandenburgischen von Bach sind in dieser Art.
Heute hört sich das natürlich sehr " schneidig" an. Ich räume ein, auf eine so flotte Art lasse ich mich gerne unterhalten.