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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vom anderen Stern, 18. Juni 2008
Nur noch wenige Jahre sind wir entfernt vom 300. Jahrestag der Wassermusik, die Händel 1717 der Überlieferung nach komponiert hatte, um sich mit seinem Hannoveraner Kurfürsten und späteren König Georg I von England mit schlagartiger Wirkung zu versöhnen: Sie wurde zur Popmusik des Barock und spricht in ihrem Tanzcharakter und Melodienreichtum bis heute ungebrochen auch alle Hörer spontan an, die sich nicht unbedingt als Freunde orchestraler Musik der Hochkultur bezeichnen.
Zum zehnjährigen Bestehen seines Labels AliaVox hat Jordi Savall nun endlich die Aufnahme mit seinem Orchester Le Concert Des Nations aus dem Jahre 1993 wiederveröffentlicht. Um es vorwegzunehmen: Das Warten hat sich gelohnt - über alle Maßen!
Warum nur klingt bei ihm alles anders als je zuvor gehört? Da sind doch auch nur Streicher, Cembalo, Hörner, Trompeten, Fagotte, Oboen, Flöten und Pauken am Werk. Und doch - was da abgebildet wird, überwältigt einfach ab dem ersten Takt, der die Musik in Fluss bringt. Sicher fasziniert die sensationelle Klangtechnik, die durch ihre genaueste Ortung bis zu ihrem letzten Platz alle Spieler geradezu sichtbar macht und von daher spektakulär wirkt. Musiker auf Begleitbooten als Dekor für eine königliche Schifffahrt die Themse herauf und hinunter, diese Vorstellung wollte mir bei diesen Stücken nie passen, weil doch eher alle Züge einer Ballettmusik ohne Thema im Vordergrund stehen. Savall fasst die ursprünglich drei Suiten auf zwei zusammen und lässt sein Orchester in einer unmittelbar belebenden Art tanzen, die über die Ohren ins Blut übergeht: zupackend, schwebend, betörend, einschmeichelnd.
Die Aufmerksamkeit ist aber keineswegs einem Dirigat zu danken, das sich durch ungewohnte Phrasierungen der abzubildenden Literatur bemerkbar machte. Im Gegenteil steht hier absolute Notentreue im Vordergrund. Allein die spielerische Freude am Einsatz und Klang der Originalinstrumente nimmt hier gefangen. Die Darmsaiten federn, die Hörner bringen sich erhaben ein oder keck, die Trompeten mischen seidig mit, die Oboen und Fagotte singen oder gackern - und den geschmeidigen Einsatz von Pauken (Pedro Estevan) wünscht man sich endlos. Dieses Orchester funkelt sich weich und überaus wohlklingend durch die möglichen Farben seiner Instrumente freiluftig hinein in eine Darstellung für die einsame Insel.
Ich kenne viele, viele Aufnahmen der Wassermusik. An diese reicht klanglich überhaupt keine weitere heran. Die von Zefiro, die wegen ihrer ungewohnten Artikulation so erfrischend wirkt, folgt auf Rang zwei.
Die Uraufführung der Feuerwerksmusik brachte auch immerhin 12000 Londoner in den Hyde Park. Das war die vom König erwünschte, von Händel ungeliebte Fassung für Bläser und Schlagwerk. Hier hören wir die tradierte Fassung mit zusätzlichen Streichern. Die Musik kommt ihrem Charakter nach um ein Vielfaches pompöser und weniger wohnzimmertauglich zu Ohren. Aber Savall verleiht ihr in vielem lautmalerische Akzente, die ein Barockfeuerwerk nachvollziehen lassen, wie ich es 1988 einmal zur 600-Jahrfeier der Kölner Albertus-Magnus-Universität erlebt habe: Ob sich zu Beginn von Track 24 mit den Verzierungen der Trompeten leuchtende Girlanden in den nächtlichen Himmel schrauben oder in Track 28 feine Farbkugeln jonglieren, bleibt nur noch der Fantasie überlassen.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ohrwurm, 12. Dezember 2008
Beide Stücke sind demjenigen, der Klassik schätzt, seit Ewigkeiten bekannt. Echte Ohrwürmer. Unter den ersten drei Aufnahmen, die ich 1959 kennenlernte, war die Wassermusik, mit van Beinum und dem Concertgebouworkest.
Dieses Stück habe ich dann über die Jahrzehnte in immer neuen Variationen kennengelernt und, wie bei Ohrwürmern nicht ungewöhnlich, dann beiseite gelegt. Nachtmusik, fünfte Sinfonie,vier Jahreszeiten oder eben die Wassermusik können das Ohr verdriessen wegen zu häufigem Hören. Sie gehen so ohne weiteres ins Ohr,so ohne jeden Widerstand, dass man ihrer überdrüssig werden könnte, hörte man sie zu oft.
Neuaufnahmen haben es dann immer besonders schwer. Viele Aufnahme, und es gibt ja Dutzende über Dutzende, klingen dann einfach wie, bereits bekannt und gehört.
Einzig die sensationelle Aufnahme von Harnoncourt aus dem Jahre 1977 bleibt als Maßstab im Kopf.
Nun also die Aufnahme von Savall, wieder neu aufgelegt.
Inhaltlich ist sie bereits sehr schön beschrieben worden. Dazu will ich mich nicht in Gegensatz bringen. Savall- ein Musiker, den ich ausserordentlich schätze, steht immer für spannendes Musizieren.
Er geht nicht so radikal mit den Stücken um, wie es seinerzeit Harnoncourt tat. Klanglich ist die Aufnahme besser ( kein Wunder),interpretatorisch habe ich mich bei der Wassermusik immer gefragt,ob die historische Spielweise die angemessene ist? Vielleicht ist es die Prägung durch die mächtige Aufnahme von van Beinum ? Das Stück als pompöses. Höre ich die Aufnahme von Harnoncourt,gefällt mir dies musikalisch ausserordentlich, aber,wenn die Musiker seinerzeit so gespielt hätten, wären sie vielleicht im Tower gelandet.Sie sollten ihren König nicht erschrecken, sondern unterhalten. Savall spielt dies nicht so grenzwertig wie Harnoncourt,und bei der Feuerwerksmusik entfaltet er ordentlich Zunder.
Man kann diese Aufnahme,trotz lebhafter Konkurrenz, auch aus England,Norrington, Gardiner,Pinnock,derzeit als Referenz bezeichnen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vom anderen Stern, 7. Dezember 2008
Nur noch wenige Jahre sind wir entfernt vom 300. Jahrestag der Wassermusik, die Händel 1717 der Überlieferung nach komponiert hatte, um sich mit seinem Hannoveraner Kurfürsten und späteren König Georg I von England mit schlagartiger Wirkung zu versöhnen: Sie wurde zur Popmusik des Barock und spricht in ihrem Tanzcharakter und Melodienreichtum bis heute ungebrochen auch alle Hörer spontan an, die sich nicht unbedingt als Freunde orchestraler Musik der Hochkultur bezeichnen.
Zum zehnjährigen Bestehen seines Labels AliaVox hat Jordi Savall nun endlich die Aufnahme mit seinem Orchester Le Concert Des Nations aus dem Jahre 1993 wiederveröffentlicht. Um es vorwegzunehmen: Das Warten hat sich gelohnt - über alle Maßen!
Warum nur klingt bei ihm alles anders als je zuvor gehört? Da sind doch auch nur Streicher, Cembalo, Hörner, Trompeten, Fagotte, Oboen, Flöten und Pauken am Werk. Und doch - was da abgebildet wird, überwältigt einfach ab dem ersten Takt, der die Musik in Fluss bringt. Sicher fasziniert die sensationelle Klangtechnik, die durch ihre genaueste Ortung bis zu ihrem letzten Platz alle Spieler geradezu sichtbar macht und von daher spektakulär wirkt. Musiker auf Begleitbooten als Dekor für eine königliche Schifffahrt die Themse herauf und hinunter, diese Vorstellung wollte mir bei diesen Stücken nie passen, weil doch eher alle Züge einer Ballettmusik ohne Thema im Vordergrund stehen. Savall fasst die ursprünglich drei Suiten auf zwei zusammen und lässt sein Orchester in einer unmittelbar belebenden Art tanzen, die über die Ohren ins Blut übergeht: zupackend, schwebend, betörend, einschmeichelnd.
Die Aufmerksamkeit ist aber keineswegs einem Dirigat zu danken, das sich durch ungewohnte Phrasierungen der abzubildenden Literatur bemerkbar machte. Im Gegenteil steht hier absolute Notentreue im Vordergrund. Allein die spielerische Freude am Einsatz und Klang der Originalinstrumente nimmt hier gefangen. Die Darmsaiten federn, die Hörner bringen sich erhaben ein oder keck, die Trompeten mischen seidig mit, die Oboen und Fagotte singen oder gackern - und den geschmeidigen Einsatz von Pauken (Pedro Estevan) wünscht man sich endlos. Dieses Orchester funkelt sich weich und überaus wohlklingend durch die möglichen Farben seiner Instrumente freiluftig hinein in eine Darstellung für die einsame Insel.
Ich kenne viele, viele Aufnahmen der Wassermusik. An diese reicht klanglich überhaupt keine weitere heran. Die von Zefiro, die wegen ihrer ungewohnten Artikulation so erfrischend wirkt, folgt auf Rang zwei.
Die Uraufführung der Feuerwerksmusik brachte auch immerhin 12000 Londoner in den Hyde Park. Das war die vom König erwünschte, von Händel ungeliebte Fassung für Bläser und Schlagwerk. Hier hören wir die tradierte Fassung mit zusätzlichen Streichern. Die Musik kommt ihrem Charakter nach um ein Vielfaches pompöser und weniger wohnzimmertauglich zu Ohren. Aber Savall verleiht ihr in vielem lautmalerische Akzente, die ein Barockfeuerwerk nachvollziehen lassen, wie ich es 1988 einmal zur 600-Jahrfeier der Kölner Albertus-Magnus-Universität erlebt habe: Ob sich zu Beginn von Track 24 mit den Verzierungen der Trompeten leuchtende Girlanden in den nächtlichen Himmel schrauben oder in Track 28 feine Farbkugeln jonglieren, bleibt nur noch der Fantasie überlassen.
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