Keine Schwerter schwingenden Reiter, keine Dämonen, unrechtmäßigen Herrscher und böse Mächte spielen hier eine Rolle. Jonas Torsten Krüger hat eine ganz neue Fantasywelt geschaffen. Ein unglaublich farbenprächtige Welt, die er bis ins kleinste Detail durchdacht hat und auch durchhält. Beispiele: "Zehn Schwimmzüge" sind eine Entfernungsbezeichnung, "Das Atoll der Tausend" heißt eine Insellandschaft, in der die Lichtatmer leben, und gezaubert wird mit "Wassermagie". Herr Krüger, der sich eingehend mit Meeresbiologie beschäftigt hat, bringt sein Wissen hier ein, um die Welt und die Wesen noch authentischer zu gestalten. Der steigende Salzgehalt des Meeres, die anatomischen Besonderheiten an den Nasen und Oberlippen der Wasserbewohner, um das Salz aus dem Wasser zu filtern, die Beschreibung der Meeresströmungen und Gesetze, die thermische Schichtung des Wassers und viele andere Details sind unglaublich authentisch dargestellt. Schön ist auch, wie differenziert er den Hauptcharakter darstellt, halb Mensch, halb Wasserwesen. Er ist kein Held, sondern empfindet Neid und Unglück, Eifersucht und ist brennend ehrgeizig. Und gerade das macht ihn als Charakter rund und lebendig. Kein erhobener Zeigefinger, aber doch eine schöne Botschaft. Beziehungsweise sind es gleich mehrere, denn in diesem Roman geht es vor allem auch darum, wie mit dem "Anderen", dem "Fremden" umgegangen wird. Krüger zeigt hier scheinbar ganz beiläufig, wie es allein durch Unwissenheit, Vorurteile und vorschnelle Verurteilungen zu verheerenden Entwicklungen kommen kann.