Dieses Buch hat unbedingt 5 Sterne verdient! Trotzdem wirkt es auf jeden von uns anders. Auch auf die Gefahr, daß ich hier "ausgebuht" werde, möchte ich hier ganz offen meine persönlichen Empfindungen darlegen, die mich beim Lesen bewegten.
Also ein Buch über das Leben mit Tieren, mit Elefanten, im Zirkus, und eine Liebesgeschichte. Dachte ich und freute mich auf genüßlich unterhaltsames lesevergnügen.
Es kam aber ganz anders.
Die ergreifend geschilderten, schlimmen Zustände im Umgang mit den Tieren in diesem Zirkus, und z.T. auch gegenüber den hier arbeitenden Menschen, waren für mich sehr schmerzhaft und überlagerten die eigentliche Beziehungsgeschichte, die sich vor allem in der zweiten Hälfte des Buches auf eine wunderschön feinfühlige Art entfaltet.
Die Autorin räumt dem weigehend gefühllosen und grausamen Umgang mit den Tieren emotional und inhaltlich einen solchen Stellenwert ein, daß man zu recht vermuten darf, daß sie dies beabsichtigt und daß es dafür einen authentischen Grund gibt.
Dies riß mich schmerzhaft aus meiner romantisch naiven Illusion vom Zirkusleben, die wohl jeder Leser meiner Altersgruppe noch aus der Kindheit tief in sich trägt, wenn wir herzhaft und glücklich über die Lustigen Vorführungen und Dressurleistungen der Zirkustiere lachten und uns (wie ich )sogar heimlich wünschten, daß Papa Zirkusdirektor wäre und man selbst mit den lustigen Äffchen in der Manege stünde.
Irgenwie hatte ich mir diese Illusion bewahrt, die nun durch dieses Buch ein jähes Ende fand, denn es macht auch die ökonomischen und technischen Zwänge sichtbar, denen die Tierhaltung in jedem Zirkus naturgemäß unterworfen ist.
Die exzellent aufgebaute Story,wie der heute über 90-jährige Romanheld sich erinnert, wie er das Zikusleben erlebte und wie er mit diesen Bedingungen umging, seine eigene tiefe Beziehung zu den Tieren und "seinem" Elefanten, schließlich die sich zunächst sehr zaghaft anbahnende und scließlich das letzte Drittel des Buches dominierende wunderbar geschilderte Liebesbeziehung,ist wirklich eine schriftstellerisch großartige Leistung und viel mehr, als nur ein Liebesroman. ein Liebesroman.
Für mich auch ein Buch, das aufrüttelt und getragen ist vom Mitgefühl und der Liebe der Autorin zu allen Geschöpfen, sowohl hinsichtlich der oft schlimmen Behandlung und des Mobbings von Menschen, die zu anderen in irgend einer, meist wirtschaftlichen Abhängigkeit stehen, der menschlichen Gefühle füreinander, der gegenseitigen Zuneigung, Achtung und Wertschätzung, als auch des respektvollen und achtsamen Umgangs mit allen anderen Geschöpfen, wie den Tieren, für die wir besonders dann Verantwortung tragen, wenn wir sie uns "dienstbar" machen oder uns aus anderen Motiven für ein Zusammenleben mit ihnen entscheiden. Somit ist dieser großartige Roman für mich auch weit mehr,als der Titel vermuten läßt.
Beim Lesen der Autorenvorstellung von Sara Gruen, "die zusammen mit ihrem Mann, 3 Kindern, 2 Pferden, 2 Hunden, 4 Katzen und einer Ziege" auf dem Lande bei Chicago lebt, mußte ich unwillkürlich an die bezaubernden Bücher der schwedischen Autorin denken, zu denen ich hier meine allererste Rezension geschrieben habe, die mit ihren Tieren in der beeindruckenden Naturwelt des hohen Nordens in einem Holzhaus lebt, und in deren Autorenvorstellung ein nahezu identischer Satz zu finden ist. Ihren Geschichten entströmt gleichermaßen die tiefe Liebe und Verbundenheit mit der Natur und ihren Geschöpfen, wenn auch die Art ihrer Bücher zweifellos ganz anders ausgerichtet ist.
Trotz der Unterschiede spürte ich auch bei diesem Spitzenroman von Sara Gruen die gleiche Magie, die mich beim Lesen solch außergewöhlicher Bücher stets erfaßt, sodaß ich nicht loslassen kann, bis ich durch bin und sie dann meist später nochmal aus neuem Blickwinkel lese.
Deshalb habe ich nun auch zu diesem Roman von Sara Gruen hier "mein Herz ausgeschüttet" und wünsche mir, daß möglichst viele Menschen Bücher wie diese mit offenem Herzen lesen, weil sie uns besonders in der heutigen Zeit viel mehr zu sagen haben, als manch andere Bestseller.
Heidemarie und Familie