Eine Woche nach Erscheinen des Films habe ich mir 'Wasser für die Elefanten' im englischen Original in einer Sonnabendnachmittagsvorstellung im Kino angesehen. Ich lebe in den USA und Kino ist hier ein wichtiger Bestandteil des Wochenendes und demnach sind die Kinos meist gut gefüllt. Jedoch war ich mehr als erstaunt, wie voll das Kino an diesem Nachmittag war. Die Reihen im Saal waren lückenlos gefüllt, und das ist doch eher ungewöhnlich, da in den USA stets Wert auf Platz gelegt wird und demnach meist ein Sitz zwischen den Zuschauern frei bleibt. An der Kinokasse waren überwiegend Frauen, aber das war nicht unerwartet. Der Herr neben mir im Kino klimperte die ganze Länge des Films auf seinem iPhone herum, war also offensichtlich nicht sehr angetan von dem, was sich auf der Leinwand abspielte. Die drei Mädchen zu meiner linken brachen beim ersten Erscheinen von Robert Pattinson in ein kollektives 'Ah und Oh' aus und gehörten offensichtich zur Twilight Fangemeinde, die wohl jeden Film mit Robert Pattinson als gut befinden würden.
Ich hatte große Erwartungen an diesen Film, aber auch meine Bedenken. Das Buch von Sara Gruen steht schon seit langem auf meiner persönlichen Top-Liste und wird dort wohl auch noch eine weitere Weile bleiben. Die Vielfalt der verschieden Handlungsstränge, die magische Welt des Zirkuslebens der 30er Jahre, die Geschichte der großen Depression in Amerika und die unterschiedlichen Charaktere und Konflikte und deren Zusammenprallen lassen dieses Buch zu etwas ganz Besonderem werden. Würde ein Film dem gerecht werden können oder würde das Ganze zu einer hollywoodmäßigen Liebesgeschichte degradiert werden?
Die Sorgen waren unberechtigt, denn 'Wasser für die Elefanten' wird dem Buch mehr als gerecht. Natürlich kann kein Film dieser Welt mit der Erzähldichte eines Buches mithalten, das noch dazu den eindeutigen Vorteil besitzt, die Fantasie der Leser zu benutzen. Kann man sich jedoch davon lösen, dann ist 'Wasser für die Elefanten' ein liebenswerter Film, der sich nahe an die Buchvorlage hält und die Stimmung des Buches mehr als gelungen einfängt.
Der Film hat ein eindeutiges Plus und das sind die wunderschönen Bilder. Gedreht in der Art der Nostalgie der alten Hollywoodfilme ist das Ganze ein Fest für die Augen. Jede Szene ist ein Genuß, ein Farbrausch, inszeniert bis zur Perfektion. Die Zirkuswelt ist bunt, schillernd und märchenhaft, weckt Erinnerungen und Kindheitsträume. Robert Pattinson in der Hauptrolle des Jakob Jankowski schlägt sich wacker, Reese Witherspoon ist der schillernde Star der Manege. Was jedoch bei allem Bemühen beider Schauspieler nicht richtig gelingen wollte, war die prickelnde Chemie zwischen den beiden. Obwohl perfekt in Szene gesetzt, wollte bei mir nicht richtig das Gefühl aufkommen, das diese beiden Menschen füreinander bestimmt sein sollten und eine gegenseite Anziehung zueinander entwickeln, die den Ausgangspunkt der gesamten dramtischen Ereignisse darstellt.
Ein sehenswerter Höhepunkt des gesamten Films ist Christoph Waltz in der Rolle des charismatischen, charmanten, jedoch auch brutalen Zirkusdirektors August Rosenbluth. Christoph Waltz ist einer dieser hochkarätigen Charakterschauspieler, die jeden Fim adeln. Jede Nuance, jeder Gesichtsausdruck und jeder Blick sitzt, zeigt auch unausgesprochen was gesagt werden soll.
Der unbestrittene Star des Film ist jedoch die Elefantendame Rosie, die im richtigen Leben Tai heißt, und einfach nur unglaublich ist. Wenn man vorher keine Beziehung zu Elefanten besaß, so sieht man sie nach diesem Flm mit anderen Augen. Allein wegen ihr wäre dieser Film schon sehenswert.
Alles in allem ein lohnenswerter Film. Gäbe es 4.5 Sterne, so wäre dieser Film von mir so bewertet worden. Er hat kleinere Mängel, insbesondere im Zusammenspiel der beiden Hauptprotagonisten Marlena und Jakob, hebt sich jedoch positiv von vielen anderen Hollywoodfilmen ab, was eine 5 Sterne Bewertung letztendlich doch rechtfertigt.
Fazit: 'Wasser für die Elefanten' ist ein Film, der die hohen Erwartungen fast durchgehend erfüllt. Wer gute Geschichten mag und die bunte Zirkuswelt liebt, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen. Für Actionfans ist er jedoch eher nicht zu empfehlen, denn 'Wasser für die Elefanen' erzählt seine Geschichte trotz der dramatischen Ereignisse in einer ruhigen Erzählweise mit Liebe zum Detail, die den Fokus auf die Geschichte eines bewegten Lebens legt.