An sich ja eine gute Idee, statt der ewigen Weinkrimis auch mal einen mit Whisky als Hintergrund zu schreiben.
Ein Serienmörder tötet scheinbar wahllos Menschen, die nichts miteinander zu tun haben und deponiert sie medienwirksam in einzelnen Produktionsabschnitten von Traditions-Destillerien in Schottland.
Leider merkt man den beiden Autoren, zwei preisgekrönten Sachbuch-Spezialisten auf dem Gebiet "Whisky herstellen, sammeln und genießen" ,genau diese Sachbuchherkunft auch stark an.
Es fehlt deutlich die Erfahrung beim Schreiben von Unterhaltungsliteratur und so kann sich das Buch auch irgendwie nie so recht entscheiden, was es eigentlich sein möchte.: Krimi oder Fachliteratur...
Und so ist eine Mischung entstanden, die -zumindest für mich- nicht ganz so leicht die Kehle hinunterinnt, wie das hier allgegenwärtige "Wasser des Lebens".
Die Sachbuchhälfte kann mit sehr ausführlichen Beschreibungen der schottischen Landschaft und vielen Sehenswürdigkeiten aufwarten- Leider oft ZU ausführlich, was den Erzählfluß an manchen Stellen stört, wenn man lange Fußnoten lesen muss oder eine der handelnden Personen endlos lang über die Schönheit der gerade durchfahrenen Landschaft siniert.
Auch bei der Beschreibung der Einrichtung einer CSI-Zentrale haben sich die Autoren wirklich Mühe gegeben: Ganze vier Seiten lang wird akribisch jedes zur Ausstattung gehörende technische Gerät beinahe wie auf einer Liste aufgezählt.
Die an Pathologie interessierten unter uns kommen auch nicht zu kurz: Auf sieben Seiten wird die ausführlichste Sektion an einem Menschen geschildert, die ich in einem Krimi je gelesen habe. Fachlich korrekt, sehr sauber aufgeführt und ohne dabei ein Detail zu vergessen.
Leider nix für Leute mit empfindlichem Magen.
Und wer noch keine Ahnung von Geschichte, Herstellung und Verkauf von Whisky hat der kann hier immerhin einiges lernen. Einer der großen Pluspunkte an diesem Buch!
Auf der anderen Seite finden sich dann die handelnden Personen, die aber überwiegend uninteressant und oberflächlich bleiben.
Es mag am mangelnden Tiefgang liegen- oder aber an der Sprache, die mich immer wieder an die "Jerry-Cotton"-Heftchen erinnert, die ich früher meiner Mutter gemopst habe.
Z.B. wird da beim ersten Auftritt eine der Hauptfiguren, ein Sonderermittler als "38jähriger James Bond Verschnitt bezeichnet, dessen schwarze Haare für die heutige Mode etwas zu lang seien". Und natürlich ist der Gute auch die Coolness selbst- bis er einer attraktiven Dame über den Weg läuft und sich daraus eine etwas zu hastig inszenierte und teilweise auch aufgesetzt wirkende Liebesgeschichte entwickelt.
Und wenn die bewußte Dame dann das Objekt der Begierde auch noch als "Knackigen Kerl" und "Genau die Sorte Macho, die sie anmacht" bezeichnet, da frage ich mich leicht amüsiert, wo die Autoren DAS nun wieder herhaben!
Über lange Strecken habe ich das Buch auch als etwas zäh empfunden, erst im letzten Drittel nimmt es an Fahrt auf und dann wird die Geschichte auch interessant.
Leider unterläuft den Autoren auch immer wieder mal der Fehler, ein und das gleiche Wort in einem oder zwei hintereinanderliegenden Sätzen mehrfach zu verwenden.
Da kann es schon mal passieren, dass die "nette Krankenschwester in der netten Abteilung im netten Krankenhaus" arbeitet.
Aber das dürfte die meisten Leser weniger stören.
Fazit: Ein recht gutes Sachbuch für Schottlandfans, die mehr über die Landschaft und Sehenswürdigkeiten erfahren wollen. Auch Whisky-Fans kommen auf ihre Kosten: Es gibt einiges über die Herstellung zu lernen.
Für Krimifans finde ich das Buch allerdings nur bedingt empfehlenswert.