Diese Frage geht mir immer wieder durch den Kopf wenn ich ein Album besagter Band auflege. In den Medien ist immer wieder die Rede davon, dass Sonic Youth auch Pop machen können. Doch dieser Ausdruck muss schnell revidiert werden wenn man an das denkt, was man gewöhnlich unter Pop versteht, denn damit hat diese Platte herzlich wenig zu tun. Vielmehr muss man den Pop im Gesamtkonzept dieser außergewöhnlichen Band suchen und verstehen. Saucer-Like ist hier ein wunderbares Beispiel: Der Pop schält sich förmlich aus einer schönen Melodie, die durch die feine Instrumentierung zusammengehalten wird und im Mittelteil förmlich zusammenbricht.
Der Song Washing Machine hingegen ist ein schwerer Brocken. Mit Gesang und Melodie hat das wirklich wenig zu tun. Typisch schwere Sonic Youth Kost mit einem ausufernden Gitarrenteil am Ende, den man schon nicht mehr als Solo oder etwas in dieser Art einordnen kann. Das könnte auch das Problem für eine größere Hörerschaft sein. Sonic Youth sind alles, aber nicht einfach. Oftmals mit ausufernden Jams wie in The Diamond Sea ' welches übrigens in einer fast 30 minütigen Version auf The Destroyed Room zu finden ist ' fällt es schwer die Band im Ganzen zu erfassen. Wobei auf diesem Album fast ausschließlich Songs unter der 5 Minuten Grenze zu finden sind.
Mit Unwind zeigt die Band, dass auch ruhige, leicht poppige Songs mit schöner Melodie im Repertoire zu finden sind. Einfach zum dahinträumen, gerade weil sich der Song gleichmäßig bis zum Ende, das schon fast wieder wütende Gitarren beinhaltet, hinbewegt.
Little Trouble Girl ist ebenso eine solche Nummer, wenn auch schon fast etwas zu gleichmäßig und daher ein wenig langweilig. Vom 'Gesang' her in der Strophe und auch dem Bass erinnert das Ganze ein wenig an 'Monkey Gone To Heaven' von den Pixis. Zweifelsfrei liegt das auch am Gastspiel von Kim Deal.
Panty Lies, Skip Tracer und No Queen Blues sind wieder schwere Kost mit typisch schrägen Gitarren, verschrobener Melodie und 'Pseudo-Gesang', die man erst einmal verdauen muss.
Thumb hingegen ist ein schönes Instrumental, welches sich auch gut als Soundtrack für einen Fincher Film eignen würde.
Alles in Allem lassen mich Sonic Youth auch mit diesem Album ein wenig verstört und verwirrt zurück. Verstanden habe ich das Ganze beileibe noch nicht. Vielleicht habe ich auch nie nach einem höheren Sinn in dieser Musik gesucht?!
Sonic Youth sind eine gute Band die auch tolle Songs geschrieben haben. Jedoch nicht geeignet für Leute die eingängige Songs zwischen Couch und Türe suchen. Wer sich aber die Zeit nimmt, verschiedene Einflüsse wie Prog, 'Grunge', Jazz und Avantgarde sortieren kann, der wird zweifelsohne eine grandiose Band für sich entdecken.
Mir ist dieses Album knappe 4 Sterne wert, da es bestimmt bessere und auch leichter zugängliche Platten von Sonic Youth gibt. Genannt sind hier natürlich die bekannteren Alben wie Daydream Nation und Dirty.