Nachdem mir Kea Laverdes fünfter Fall nicht besonders gefallen hat, begann ich den mittlerweile sechsten Band der Reihe etwas skeptisch. Doch die Skepsis schien unbegründet zu sein, denn ab dem kurzen Prolog war ich gefesselt vom Geschehen.
Keas neuer Auftrag klingt wirklich spannend. Der junge, bereits verurteilte Hacker Bastian beauftragt die Ghostwriterin, seine Geschichte zu schreiben, die er ihr fein säuberlich per Hand notiert überreicht. Kea ist nicht sicher, ob der Bengel nur ein Spinner ist oder es tatsächlich ernst meint. Egal, Kohle muss her, also nimmt sie den Auftrag an. Dumm nur, dass Bastian kurz darauf tot aus einem See gefischt wird. Und auch schade für den Leser, denn dieser Charakter war wirklich interessant. Ein wenig Einblick in seine Gedanken erhält man noch durch Keas Arbeit mit dem Manuskript, sodass sein früher Tod nicht allzu schwer ins Gewicht fällt. Rätsel gibt er aber nicht nur Kea auf, auch die Polizei, mit einem angeschlagenen Nero Keller mittendrin, interessiert sich für den Todesfall, der mit einem akuten Hackerangriff auf die Intranetseiten des LKAs zusammen hängen könnte.
In einem weiteren Handlungsstrang guckt man dem Hacker rekinom über die Schulter. Diese Passagen sorgen für ein mulmiges Gefühl, denn es wird deutlich, wie leicht es ist, im Internet ausspioniert zu werden. Da die Vorgehensweisen einfach beschrieben werden, ist es auch für Laien einfach, den Schilderungen zu folgen.
Ebenfalls mulmig wurde mir auch wieder bei dem Beziehungschaos zwischen Kea und Nero. Kea ist mir fremd geworden, die Geschichte (und auch schon der Vorgänger) haben mich irgendwie von ihr entfernt. Ihr Verhalten wirkt kaltherzig, zickig und oft auch kindisch.
Wenn die Hauptfigur einer Reihe sich nicht weiterentwickelt, ist das immer schade und macht es mir unheimlich schwer, die Person weiterhin ernst zu nehmen. Die kleinen Macken, die Kea für mich in den ersten Bänden sympathisch machten, sind mittlerweile nicht mehr liebenswert und nachvollziehbar, sondern nervig und für mich oft unverständlich. War sie zu Beginn der Reihe noch eine interessante Eigenbrötlerin mit schmerzhafter Vergangenheit, ist sie nun eine verbitterte, fiese Ziege. So eine unsympathische Hauptfigur dämpft das Lesevergnügen natürlich, zumal mir nicht klar ist, was die Autorin damit bezweckt. Durch Keas negative Wandlung überlege ich mir genau, ob ich den nächsten Band überhaupt lese. Wäre der Kriminalfall an sich nicht so spannend und interessant aufgebaut gewesen, hätte ich hier am liebsten schon nach den ersten 100 Seiten abgebrochen.
Am Ende wurde es dann etwas holprig. Alles ging ein wenig drunter und drüber und bedauerlicherweise kommt man auch schon recht früh darauf, wer denn nun der ominöse rekinom ist. So lässt die Spannung ab der Hälfte des Buches merklich nach. Alles wirkte ein wenig hingehuscht, fast schon lieblos runtergeschrieben.
Insgesamt gesehen war also doch Skepsis angebracht, denn "Wasdunkelbleibt" ist leider abermals nur mittelmäßige Krimiunterhaltung mit einem starken Einstieg, dann kontinuierlich abfallender Spannung und einer Hauptfigur, über die man immer wieder den Kopf schütteln muss.