Die Einstiegshürde, die dieses Buch legt, ist niedrig. Wer Neugier aufs Kloster fühlt, sich aber vorerst nicht die Mühe machen möchte, selber eins aufzusuchen und den Ordensleuten dort Fragen zu stellen, für die man sich womöglich schämt, mag dazu greifen. Auch in der Hoffnung, besonders aufrichtige Antworten zu erhalten: Immerhin ist Veronika Peters eine Ausgestiegene, sie muss vor niemandem als sich selbst Rechenschaft ablegen.
Sprachlich nüchtern, kühl und distanziert schildert die Autorin ihre Alltagserfahrungen in einem nicht näher genannten Kloster. Die guten und die schlechten Tage. Die Stille, die Zeit, die vergeht, die Feste, die Begegnungen mit den Mitschwestern, die mal boshaften, mal gutherzigen Geplänkel. Von Gott dagegen ist nicht die Rede. Das hat dem Buch enttäuschte Wortmeldungen und seiner Autorin böse Kritik eingetragen.
Manche Lesende fühlen sich offenbar tatsächlich betrogen von diesem Werk. Sie gehen hart mit Veronika Peters ins Gericht, werfen ihr vor, sie habe das Kloster bloß als Abenteuer auf Zeit benutzt, sie spreche immer nur von den Menschen, und das nicht besonders wohlwollend, sie habe in ihren Klosterjahren menschlich nichts dazugelernt und, ja, sie sei zu keinem Zeitpunkt gläubig gewesen.
Man kann dazu zweierlei Fragen stellen: Zum einen, ob eine solche Kritik angemessen ist für einen Text, den seine Autorin - nicht nur, aber auch - als literarisches Werk verstanden wissen möchte. Zum anderen, ob diese Kritik wirklich einer christlichen Haltung entspringt. Natürlich, das muss deutlich gesagt werden: Wer sich klösterlicher Spiritualität annähern möchte, ist mit anderen Texten besser bedient. Dennoch gibt es in diesem Buch sehr berührende Passagen. Die Protagonistin wirkt wie eine suchende, aber eben auch etwas verlorene Gestalt in ihrem vergeistigten Umfeld. An ihrem Platz ist sie dort nicht. Darf man ihr ankreiden, dass sie im Kloster nicht findet, was sie sucht, und deshalb wieder geht?
Schade ist, dass offenbar erst Ausgestiegene aus dem Klosterleben das rechte Interesse erfahren. Denn wahrscheinlich gibt es da draußen, da drinnen, wie auch immer, sehr viel mehr glückliche Ordensleute, als man sich vorzustellen vermag. Und viele von ihnen antworten mit einer Aufrichtigkeit auf kritische Gott-und-die-Welt-Fragen, die der von Ex-Nonne Veronika Peters in nichts nachsteht. Man muss sich nur die Mühe machen, sie ihnen zu stellen.