Die hilfreichsten Kundenrezensionen
48 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein sehr persönlicher Einblick in eine uns fremde Lebenssphäre, 12. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Was in zwei Koffer paßt -: Klosterjahre (Gebundene Ausgabe)
Veronika Peters, gelernte Erzieherin, trat mit 21 Jahre in ein Benediktinerkloster in Bayern ein, weil sie ihrem Leben einen tieferen Sinn jenseits der materiellen Güter geben wollte. Sie war nicht eben pflegeleicht, weshalb sie nach der Novizenzeit nur knapp die nötige Zweidrittelmehrheit in der Versammlung der Ordensfrauen ihrer Abtei schaffte, um zur vorläufigen Gelübdeablegung für die Dauer von drei Jahren zugelassen zu werden, und auch die Zulassung zum ewigen Gelübde "auf Lebenszeit" nicht ohne Widerstand erfolgte. Nach dem ewigen Gelübde wurde sie angehalten, ein Theologiestudium zu absolvieren, welches sie mit Erfolg abschloss. In der Folge hatte sie den klostereigenen Bücher- und Devotionalienladen neu zu organisieren. Dies gelang ihr, womit dieser auch zur wertvollen Einnahmequelle für das Kloster wurde. In der Tätigkeit als Klosterbuchhändlerin hatte sie täglichen Kontakt mit Kunden, also Menschen von ausserhalb der Klostermauer. Dabei lernte sie einen Mann kennen und verliebte sich. Mit rund 33 Jahren verliess sie deshalb das Kloster und gründete eine Familie. Die Autorin erzählt mit Abstand einiger Jahre ihren Werdegang und ihre Erlebnisse im Kloster. Sie schildert farbig ihre eigenen Schwierigkeiten und Zweifel sowie das Leben hinter den Klostermauern und die sehr verschiedenen Mitschwestern. Dabei lernen die Leserinnen und Leser die Ordensfrauen als Menschen mit Ecken und Kanten, also als einzelne Wesen und nicht bloss als Habitträgerinnen kennen. Die Autorin nennt den Namen des Klosters nicht und wechselte auch sämtliche Namen der Mitschwestern aus. Insider dürften allerdings erkennen, von wem jeweils die Rede ist. Veronika Peters verfügt über einen gesunden Schuss Selbstironie. Ihre Liebe zu mindestens einem Teil der ehemaligen Mitschwestern ist unverkennbar, ihre Abneigung gegenüber andern Mitschwestern allerdings auch. Sie beschreibt eine eigene Lebensphase, übt aber erfreulicherweise keine "Abrechnung". Ihr Schreibstil ist flüssig und dennoch exakt. Sie schildert die Jahre hinter Klostermauern nicht als verlorene Jahre und trifft das richtige Verhältnis zwischen Nähe zum Erlebten und inzwischen eingetretener Distanz. Sinnvoll sind das Glossar mit den kurzen Erläuterungen verschiedener klösterlicher und kirchlicher Ausdrücke und auch das Personenverzeichnis im Anhang des Buches. Letzteres hilft der Leserin und dem Leser, die geschilderten Menschen einander zuzuordnen und eröffnet hie und da auch Zusammenhänge in deren Zusammenwirken. Das Buch gibt einen sehr persönlich gehaltenen und wertvollen Einblick in eine den meisten Leserinnen und Leser fremde Lebens- und Gemeinschaftsform. Was von den Erfahrungen in den zwölf Klosterjahren Einzug ins heutige bürgerliche Leben der Autorin gefunden hat, erfahren wir nicht. Die Frage ist wohl auch etwas zu intim, und vielleicht kann Veronika Peters diese auch sich selbst noch nicht abschliessend beantworten. Sie wäre allerdings eine Ergänzung des Buches, beispielsweise als Nachwort in einer allfälligen zweiten Auflage, wert.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Aufrichtig, aber unspirituell, 23. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Was in zwei Koffer paßt -: Klosterjahre (Gebundene Ausgabe)
Die Einstiegshürde, die dieses Buch legt, ist niedrig. Wer Neugier aufs Kloster fühlt, sich aber vorerst nicht die Mühe machen möchte, selber eins aufzusuchen und den Ordensleuten dort Fragen zu stellen, für die man sich womöglich schämt, mag dazu greifen. Auch in der Hoffnung, besonders aufrichtige Antworten zu erhalten: Immerhin ist Veronika Peters eine Ausgestiegene, sie muss vor niemandem als sich selbst Rechenschaft ablegen. Sprachlich nüchtern, kühl und distanziert schildert die Autorin ihre Alltagserfahrungen in einem nicht näher genannten Kloster. Die guten und die schlechten Tage. Die Stille, die Zeit, die vergeht, die Feste, die Begegnungen mit den Mitschwestern, die mal boshaften, mal gutherzigen Geplänkel. Von Gott dagegen ist nicht die Rede. Das hat dem Buch enttäuschte Wortmeldungen und seiner Autorin böse Kritik eingetragen. Manche Lesende fühlen sich offenbar tatsächlich betrogen von diesem Werk. Sie gehen hart mit Veronika Peters ins Gericht, werfen ihr vor, sie habe das Kloster bloß als Abenteuer auf Zeit benutzt, sie spreche immer nur von den Menschen, und das nicht besonders wohlwollend, sie habe in ihren Klosterjahren menschlich nichts dazugelernt und, ja, sie sei zu keinem Zeitpunkt gläubig gewesen. Man kann dazu zweierlei Fragen stellen: Zum einen, ob eine solche Kritik angemessen ist für einen Text, den seine Autorin - nicht nur, aber auch - als literarisches Werk verstanden wissen möchte. Zum anderen, ob diese Kritik wirklich einer christlichen Haltung entspringt. Natürlich, das muss deutlich gesagt werden: Wer sich klösterlicher Spiritualität annähern möchte, ist mit anderen Texten besser bedient. Dennoch gibt es in diesem Buch sehr berührende Passagen. Die Protagonistin wirkt wie eine suchende, aber eben auch etwas verlorene Gestalt in ihrem vergeistigten Umfeld. An ihrem Platz ist sie dort nicht. Darf man ihr ankreiden, dass sie im Kloster nicht findet, was sie sucht, und deshalb wieder geht? Schade ist, dass offenbar erst Ausgestiegene aus dem Klosterleben das rechte Interesse erfahren. Denn wahrscheinlich gibt es da draußen, da drinnen, wie auch immer, sehr viel mehr glückliche Ordensleute, als man sich vorzustellen vermag. Und viele von ihnen antworten mit einer Aufrichtigkeit auf kritische Gott-und-die-Welt-Fragen, die der von Ex-Nonne Veronika Peters in nichts nachsteht. Man muss sich nur die Mühe machen, sie ihnen zu stellen.
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40 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Faszinierend, 13. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Was in zwei Koffer paßt -: Klosterjahre (Gebundene Ausgabe)
Ein Leben im Kloster, was soll daran schon spannend sein? Doch wer das Buch erst einmal angefangen hat, der wird nicht aufhören können, bevor es zu Ende gelesen ist. Es ist weit mehr als nur die subjektive Beschreibung des Lebens im Kloster. Veronika Peters gelingt es auf eine ehrliche, unprätentiöse, nicht selten humorvolle Weise uns die so fremde Welt der Nonnen nahe zu bringen. Dabei unternimmt sie erst gar nicht den Versuch zu erklären, was eine junge Frau dazu bewegt, alles hinter sich zu lassen um in der Abgeschiedenheit des Klosters monastisch zu leben. Wir würden es wahrscheinlich sowieso nicht nachvollziehen können. Der Leser merkt allerdings schon nach einigen Seiten, dass es im Grunde nicht die ihre Welt ist, auf die sie sich da eingelassen hat. Sie eckt an und tritt in fast jedes Fettnäpfchen, das sich ihr bietet. Und obwohl wir das Ende bereits kennen, fiebern wir mit Veronika, dass sie die nächste Hürde wohl schaffen werde und im Kloster bleiben darf. Sie will selbst entscheiden, wann sie geht. Dass am Schluss ein Mann in ihr Leben tritt, wird nur kurz erwähnt und ist auch nebensächlich. Den Schritt in den nächsten Abschnitt Ihres Lebens hatte sie geistig schon längst vollzogen. Warum sie dennoch fast 12 Jahre geblieben ist? Immer wenn, sie glaubte, endlich alles zu kennen, was das Klosterleben zu bieten hat, wurde sie von ihren Schwestern doch noch mal überrascht. Am eindrucksvollsten aber sind die Beschreibungen der zwischenmenschlichen Beziehungen. Wir erfahren, dass es im Kloster Neid, Missgunst und Machtspiele gibt, aber auch innige Freundschaften, die eigentlich nicht erlaubt sind. Dass neben den offiziellen Regeln auch inoffiziell angepasste Verhaltensweisen existieren, die das Leben ein kleines bisschen individualisieren. Dass die Welt hinter den Klostermauern keineswegs so eintönig ist, wie wir es uns möglicherweise vorstellen, erfahren wir von Veronika Peters. Ein faszinierendes Buch.
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