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4.0 von 5 Sternen
Nur für wirkliche Fans, 15. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Was werd ich tun, wenn alles brennt?: Roman (Taschenbuch)
Antunes macht es in diesem Roman selbst seinen eingefleischtesten Fans nicht leicht. Er hat seine Erzählkunst verfeinert und perfektioniert und wer nicht schon seine anderen Bücher geliebt und genossen hat, wird bei diesem verzweifelt sein.
Die Geschichte des Transvestiten Carlos aus Lissabon, hauptsächlich erzählt von seinem drogensüchtigen Sohn Paulo, der bei Pflegeeltern aufwuchs, ist ein schillerndes Sammelsurium an Eindrücken, Visionen, Pamphleten, Anschuldigungen, Träumen und Utopien. Wie immer ist alles in direkter Rede erzählt, in ziffern- und namenlosen Kapiteln von im Durchschnitt 20 Seiten. Während Antunes in früheren Werken aber meist einen Erzähler pro Kapitel oder deren zwei zu Wort kommen lässt, so löst er diese Stringenz hier völlig auf. Die Erzähler wechseln sich fortwährend ab, meist noch im gleichen Satz und lassen dem Leser nur wenig Anhaltspunkte darauf, wer gerade spricht.
So entsteht ein Wirbelwind an Eindrücken und man ist oft dazu bewegt, einfach aufzugeben und nicht mehr nach der Geschichte zu suchen, da diese Wortgewalt an Symbolen einen niederwirft. Aber mit kleinen versteckten Pfaden weiß Antunes den Leser wieder zurückzuführen in die Handlung und je länger die Handlung fortschreitet (und das Buch hat 700 Seiten), desto mehr lässt man sich in Carlos' Welt dies- und jenseits des Tejos fallen. Auch hier werden Gegenstände; Sätze und Orte so oft wiederholt, dass sich ihre ursprüngliche Bedeutung schnell ändert. Eine Pflanze wird zum Symbol der Erinnerung, ein Plastikzwerg zum Schreckmittel und der Gruß „Guten Abend" zur Bedrohung.
Die Paranoia Paulos, der seinen Vater und dessen Arbeitskollegen als „Clowns" bezeichnet und die Beschäftigung verschwiegen bekommt und sie später vor sich selbst leugnet, befällt auch den Leser und trotz der andauernden Wirrnisse der Erzählstimmen fühlt man sich plötzlich ganz in dieses Lissabon hineinversetzt und empfindet, was Paulo plagt.
Man muss nicht nur die ersten 100 Seiten überstehen, um dieses Buch zu mögen, sondern sich bis zum Ende führen lassen, wie schwer es auch sein mag. Am Ende aber dann wird man es nicht bereuen.
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