Der politische Querdenker beweist als Autor eine erfrischende Unabhängigkeit seiner Argumentation, was heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich ist. Dass er dabei die Lebens- und Wirkungsgeschichte Jesu einseitig auf die politische Botschaft, die aus dem Evangelium hervorgeht, reduziert, ist kein Nachteil, da er diese Einschränkung auch explizit benennt. Grundlage seiner Ausführungen ist das - seinerzeit wie auch heute! - als revolutionär zu bezeichnende Menschenbild von Jesus, das von der Gleichheit aller Menschen, dem befreienden Gebot der Nächstenliebe und der Einheit von Wort und Tat ausgeht. Anhand vielfältiger Bereiche (Friedenspolitik, Kapitalismus, Gleichberechtigung etc.) leitet er die Praxisrelevanz und Aktualität eines lebendigen Evangeliums ab, kritisiert auf dieser Basis gegenwärtige politische und gesellschaftliche Strukturen und unterbreitet Alternativen. Im Grunde genommen erschöpft sich sein Plädoyer keineswegs nur auf einer abstrakten politischen Ebene, sondern tangiert viele Bereiche des menschlichen Miteinanders. Nicht allen seiner Beispiele muss bzw. kann man zustimmen. Kritikwürdig ist dabei v.a. der im zweiten Teil des Buches häufig wiederholte Absolutheitsanspruch, mit dem der Autor die Einstellung von Jesus meint vorhersagen und festlegen zu können. Zudem könnte manche Diskussion noch wesentlich differenzierter und umfassender erfolgen. Gleichwohl vermittelt dieses Buch manche Denkanstöße, wozu insbesondere die vielen zitierten Bibelstellen beitragen.