Marion Gräfin Dönhoff starb am 11. März 2002 an Krebs. Als im Sommer 2001 ihre Kräfte schwanden, und sich ihr Ableben andeutete, kamen die Verantwortlichen der ZEIT auf den Gedanken, mit ihr letzte Gespräche zu führen und aufzuzeichnen, um der Nachwelt die Summe ihrer Lebenserfahrung zugänglich zu machen. Das vorliegende 202 Seiten lange Buch ist Frucht dieser Bemühungen.
Da die Gräfin früher als erwartet starb, kam es nur zu vier Gesprächen, die einzelnen Themenbereichen gewidmet waren. Neben den Protokollen dieser Gespräche enthält das Buch bisher unveröffentlichte Texte der Ostpreußin wie Ansprachen im masurischen Mikolajki (dem früheren Nikolaiken) anläßlich der Abiturfeier des einzigen polnischen Gymnasiums, das seit 1994 ihren Namen trägt, sonstige Reden anläßlich von Preisverleihungen, einige bemerkenswerte Skizzen politisch-historischen Inhalts, eine knappe Auswahl ihrer besten und bedeutsamsten Artikel und ein abschließendes Portrait von ihr durch Haug von Kuenheim, den stellvertretenden Chefredakteur der ZEIT.
Dönhoff - Fans werden das Buch trotz seiner gelegentlichen Widerholungen zu schätzen wissen, atmet aus all seinen Teilen doch immer wieder die stete Überzeugung der Gräfin von Gerechtigkeit, Toleranz und Liberalismus, ihre stete Bereitschaft zur Versöhnung gegenüber dem Osten. Erhellend sind ihre Gedanken über die europäische Dimension Preußens und die deutsch-russischen Beziehungen.
Fazit : Für den Dönhoff - Fan sicherlich ein Muß, ansonsten eher ein Buch nach dem Motto 'nice to have'. Ein Gewinn für den Bücherschrank ist es jedoch allemale und sei es, daß es mit seiner Hilfe leichter fällt, einem jungen Menschen erstrebenswerte Geisteshaltungen zu erklären und näher zu bringen.