Als Anbieter von Umweltkursen für Taucher (u.a. Süßwasserbiologie-Seminare) und mit einer umfangreichen Bibliothek in Sachen populärwissenschaftlichen Literatur zum Thema ausgestattet, habe ich "Was lebt in heimischen Seen?" nach dem Erscheinen schnell gekauft und verschlungen.
Meine Bewertung: Es handelt sich um ein optisch sehr schönes Werk, mit exzellenten Bildern (überwiegend vom genialen Süßwasserfisch-Fotografen und Taucher Herbert Frei) - mit aber leider einem gänzlich irreführenden Titel: Es geht zu 65% um Fische, und es sind neben den Seebewohnern auch viele Fließgewässer-Arten und auch - wie der Verlag ja schreibt - seltene Sichtungen / Fotos mit enthalten. Und das "bläht" unnötig, bzw. zu Lasten m.E. wichtigerer Info. Denn es gibt einfach mehr "im See" zu sehen. So sucht man im Buch vergebens einige relevante wirbellose Tierguppen, die als UBO ("unbekanntes Bestimmungsobjekt") bei jedem Bio-Kurs am See auftauchen.
Schaut man zur Identifikation ins Buch, ist man anfänglich mit zwei Schwamm-Arten und zwei Moostierchen eigentlich gut bedient. Ein Egel (Pferdeegel) ist allerdings "super dünn", ein Käfer (Gelbrand) ebenso. Die Libellenfauna mit nur zwei Fotos von Großlibellenlarven abzuhandeln ist das erste wirkliche Manko, ja eine Enttäuschung. Im Buch geht es weiter mit zwei Wanzen, dem Triops, der Wasserassel und 2 "Garnelen"-Neobiota. Symptomatisch ist, dass die Schwebgarnelen dabei auf einem super abgelichteten "Grünen Gallertkugeltierchen" sitzen, diese Tiere bzw. Einzeller aber nirgendwo Erwähnung finden. Für die verpasste Chance auf volle Punktzahl ebenso bezeichnend ist das spätere Dreikantmuschel-Foto, auf dem sich wunderschöne Glockentierchen als Bewuchs finden, aber wiederum Null Info dazu im Buch/Text. Vor den im Umfang eher schwach behandelten Weichtieren und den aber vergleichsweise umfangreich dargestellten Amphibien werden allerdings ZEHN (!) Flusskrebsarten dargestellt. "Over the top", nennt man das im Englischen, übertrieben. "Top" und zu erwarten wäre es gewesen, wenn die Autoren im Buch häufige Seebwohner wie Hydra, diverse "Würmer", ein halbes bis ein Dutzend verschiedene Insektenlarven, und ein Standardtier wie Wasserfloh oder Wassermilbe erwähnt, bzw. Fotos davon eingekauft und verwendet hätten. Schade, denn so sind es halt eben nur "fast 5 Sterne" !
Fazit: Trotz meines Genörgels dürfte das Buch für die allermeisten Taucher ein durchaus empfehlenswertes erstes Nachschlagewerk sein. Sportfischer-Info sucht man übrigens - trotz des ansprechenden und umfangreichen Fischteils - vergebens.
Für den biologisch stärker interessierten Taucher empfehle ich als Ergänzung Schwab's "Süßwassertiere" oder Grabow's "Farbatlas Süßwasserfauna Wirbellose"; wer als Laie vielleicht sogar Schnorchler wissen will, was sich hinter dem "Grünzeug" im See verbirgt (und was man mit Pflanzenwissen alles "anfangen" kann) ist mit Humberg's "Unterwasserführer Europäische Binnengewässer" erst Mal gut bedient.
Best fishes,
BIO-Uli