Aus der Amazon.de-Redaktion
Im alltagssprachlichen Verständnis ist etwas "nicht ganz koscher", wenn scheinbar irgendwie damit nicht alles ganz in Ordnung ist. In der ursprünglich jüdischen Bedeutung des Begriffs allerdings ist das, weshalb etwas unkoscher ist, alles andere als unbestimmt. Und deshalb kann man sich, recht eigentlich besehen, über die Frage nach dem Koscheren das ganze Judentum erschließen. Diesen Schluss jedenfalls darf man aus der Lektüre von Paul Spiegels Grundkurs in jüdischer Religionslehre mit dem Titel
Was ist koscher? ziehen. Die jüdischen Mitzwot nämlich, die Ge- und Verbote, sollen Richtlinie und Wegweiser sein, "jeden Moment des Lebens, vom Erwachen bis zur Nachtruhe, zu heiligen, dem Leben also einen höheren Sinn zu geben". Und das gilt, gerade weil das Judentum keinerlei Form der Askese kennt, auch für den rechten Genuss der Speisen, wo der Begriff des Koscheren seine eigentliche Heimat hat.
Anstoß für dieses Buch waren dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland all die Fragen, mit denen ihn vor allem Nichtjuden, aber auch Juden im Laufe der Jahre so konfrontiert haben. Spiegel hat kein religionswissenschaftliches Kompendium geschrieben. Er hat vielmehr ein möglichst breites Publikum im Auge, dem er die Verhaltensvorschriften der Thora ebenso verständlich wie kurzweilig erklären will. Und das ist ihm gelungen!
Und so erfährt man alles Wichtige über die Unterschiede zwischen orthodoxem und liberalem Judentum, über den Sinn und Zweck der Beschneidung, die Bedeutung der Synagoge für das jüdische Gemeindeleben und weshalb Juden glauben, sie seien das von Gott "auserwählte Volk". Aber auch, was Juden an Silvester machen, warum sie am Schabbat nicht arbeiten und was es mit der typisch jüdischen Barttracht auf sich hat, erläutert Spiegel in seinem mit leichter Feder geschriebenen, durchweg jedoch sehr informativen und lesenswerten Buch. --Hasso Greb
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
"Paul Spiegel gelingt ein entkrampftes Selbstbild." (Focus)
"Lehrreich und auf jeder Seite überraschend" (GALA)
Kurzbeschreibung
Wer ist Jude? Warum ist den Juden Israel so wichtig? Warum glauben die Juden, das auserwählte Volk zu sein? Gibt es ein modernes Judentum? Was ist koscher? Weshalb wird das jüdische Neujahr im Herbst gefeiert? Wieso dürfen Juden am Sabbat nicht arbeiten? Und wie kann man als Jude in Deutschland leben?
Paul Spiegel will mit dem Fremden vertraut machen und beantwortet Fragen zu Religion, Tradition und Alltag der Juden.
Klappentext
Paul Spiegel, den Johannes Rau als »Glücksfall für unser Land« würdigte, ist in der jüdischen Tradition verwurzelt. Er hat es sich zu einer Lebensaufgabe gemacht, der Öffentlichkeit die Grundzüge jüdischen Lebens und jüdischen Glaubens verständlich zu machen, weil er überzeugt ist, dass Toleranz und friedvolles Zusammenleben nur möglich sind, wenn jeder weiß, was der andere denkt und fühlt. Erstmals gibt er hier klare, einleuchtende Antworten auf alle Fragen, die ihm immer wieder gestellt werden; er erzählt von jüdischer Religion und Geschichte, erklärt Riten und Festtage, die Rolle der Familie und des jüdischen Humors. Natürlich geht er auch auf aktuelle Fragen ein, auf jüdisches Leben nach dem Holocaust und die Bedeutung des Staates Israel für Juden in aller Welt. Mit diesem umfassenden, warmherzigen, auch auf eigenem Erleben beruhenden Buch leistet Paul Spiegel einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung einer Gesellschaft, in der Vorurteile durch gegenseitige Kenntnis überwunden werden.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Über den Autor
Paul Spiegel wurde am 31. Dezember 1937 in Warendorf in Westfalen geboren. Mit seiner Familie emigrierte er nach Belgien und kehrte schon 1945 in seinen Geburtsort zurück. Nach der Schule arbeitete er als Redakteur und Pressesprecher in Düsseldorf, wo er 1986 eine Künstleragentur gründete. Seit 1967 engagierte er sich in jüdischen Gremien, 1984 bis 2002 war er Ratsvorsitzender der Gemeinde in Düsseldorf. 1989 wurde er Mitglied des Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland. Nach dem Tod von Ignatz Bubis wurde er im Januar 2000 zum Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt. Neben vielen anderen Auszeichnungen wurde ihm 2004 die Ehrendoktorwürde der Universität Düsseldorf verliehen.
Paul Spiegel starb am 30. April 2006 in Düsseldorf.