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Was ist Literatur?
 
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Was ist Literatur? (Taschenbuch)

von Jean-Paul Sartre (Autor), Traugott König (Herausgeber, Übersetzer)
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Was ist Literatur? + Das Sein und das Nichts: Versuch einer phänomenologischen Ontologie. (Gesammelte Werke in Einzelausgaben / Philosophische Schriften, 3) + Der Existentialismus ist ein Humanismus und andere philosophische Essays 1943 - 1948
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 250 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: Neuübers. (Juli 1981)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499147793
  • ISBN-13: 978-3499147791
  • Größe und/oder Gewicht: 19,5 x 11,3 x 1,1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 346.217 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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Produktbeschreibungen

Autorenporträt

Jean-Paul Sartre wurde am 21. Juni 1905 in Paris geboren. Mit seinem 1943 erschienenen philosophischen Hauptwerk 'Das Sein und das Nichts' wurde er zum wichtigsten Vertreter des Existentialismus und zu einem der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts. Seine Theaterstücke, Romane, Erzählungen und Essays machten ihn weltbekannt. Durch sein bedingungsloses humanitäres Engagement, besonders im französischen Algerien-Krieg und im amerikanischen Vietnam-Krieg, wurde er zu einer Art Weltgewissen. 1964 lehnte er die Annahme des Nobelpreises für Literatur ab. Er starb am 15. April 1980 in Paris.

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22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Über den ästhetisch-moralischen Imperativ der Literatur., 3. April 2008
Von kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)   
"Schreiben heißt also die Welt enthüllen und sie zugleich
der Hingabe des Lesers als eine Aufgabe stellen."(51)
(Jean-Paul Sartre)

Anlass dieses interessanten kleinen Buches ist ein polemischer Vorwurf an Sartre (1905-1980) in Hinblick auf seine Idee von "engagierter Literatur". Diesen Begriff prägte und veröffentlichte er in seinem Feuilleton als Element moderner Zeiten. Und gleichzeitig ist dieses Buch als Antwort auf den Vorwurf zu sehen. Sartre geht den Reflexionen nach über die Fragen: "Was ist schreiben?"; "Warum schreiben?" und "Für wen man schreibt?" und erhellt die Situation der Literaten im Jahr 1947, die sich der gesellschaftlichen Entwicklung wie nie zuvor stellen mussten.

"In Wirklichkeit hat der Dichter sich entschlossen von der Sprache als Instrument zurückgezogen; er hat ein für allemal die poetische Haltung gewählt, die die Wörter als Dinge und nicht als Zeichen betrachtet. Denn die Doppeldeutigkeit des Zeichens schließt ein, dass man es nach Belieben wie eine Scheibe durchdringen und dass man durch das Zeichen hindurch das bezeichnete Ding verfolgen kann, oder dass man den Blick auf seine Realität richten und es als Objekt betrachten kann. Der sprechende Mensch steht jenseits der Wörter, bei dem Objekt; der Dichter steht diesseits der Wörter. Für ersteren sind die Wörter Diener, für letzteren bleiben sie in einem Zustand der Wildheit. Für jenen handelt es sich um zweckdienliche konventionelle Formen, um Werkzeuge, die sich allmählich abnutzen und die man wegwirft, wenn sie einem nicht mehr dienen können; beim zweiten handelt es sich um naturgegebene Dinge, die ganz natürlich auf der Erde wachsen wie das Gras und die Bäume". (17)

Literatur, als deutliche Abgrenzung von Kunst im Sinne von bildender Kunst, unterteilt er in Prosa und Poesie und hebt Poesie nochmals in den Kanon der Künste wie Malen, Bildhauen etc. Poesie ist eben, da sie von Dingen berichtet, interpretationsvielfältig und muss auf klare Stellungnahmen aus diesem Grunde verzichten, während Prosa sich auf Zeichen, Metaphern und Existenz bezieht. Allein daher hat Prosa die Notwendigkeit sich zu engagieren, weil Prosa sich eben deutlich und verständlich darstellt und die Interpretation in der reinen Existenz belässt. Sartre bemüht zur Erklärung all seiner Ansichten eher die Fakultäten der Soziologie wie der Philosophie. Sein Ansatz ist der eines Außenbetrachters auf die Literatur, quasi aus göttlicher Perspektive macht er sich ans Werk und doch sieht er sich in der Reflexion. "[...] wir können nicht die Welt wahrnehmen und gleichzeitig einen auf uns gehefteten Blick erfassen; es kann nur das eine oder das andere geschehen. Wahrnehmen ist nämlich erblicken, und einen Blick erfassen ist nicht ein Blick-Objekt in der Welt auffassen (es sei denn, dieser Blick wäre nicht auf uns gerichtet), es ist vielmehr Bewusstsein davon erlangen, erblickt zu werden. Der Blick, den die Augen offenbaren, von welcher Art sie auch sein mögen, ist reine Verweisung auf mich selbst". (Das Sein und das Nichts, 2003, 467) Erblickt-zu-werden ist dabei kein bloß neutraler Vorgang, er ist wertend und immer auch ein Ertappt- oder Beurteilt-werden, ein Verurteilt- oder Anerkannt-werden. Das Auge des anderen wird so zu einem Spiegel in dem ich mich selbst so erblicke, wie mich der andere sieht.

Mit dieser Verbindung ist es deutlich zu erkennen, dass ein Schriftsteller sich eben nicht objektiv an die Sache begibt, sondern sich in den Text integriert. Erst der Leser trägt dazu bei, die Faltung bzw. Subjektivität des Geschriebenen zu entfalten, in dem er sich dem gelenkten Sinn des Textes ausliefert und dabei einen neuen Sinn erfindet. "Lektüre ist gesteuertes Schaffen(40), Lektüre ist ein freier Traum"(44), wie sich Sartre hier positioniert. Der Schriftsteller appelliert, wenn man so will, an die Freiheit des Lesers und dieser muss sie dem Schriftsteller lassen in der Erstellung seines Werks. Ästhetik des Werkes im Worte und moralischer Dialog der Ferne ergänzen sich zu einem Imperativ über das Werden und Wirken von Literatur. So ist eben der Appell im prosaisch Subjektiven nichts anderes als ein Hilferuf an den Leser, dem Werk Objektivität zu verleihen. Und das Ja des Lesers zum Appell ist der Wert, den der Leser verleiht. Der Autor braucht die Freiheit der Leser, einen "Pakt der Hingabe" (47), um sein Werk existieren zu lassen. Diese Forderung impliziert gegenseitiges Vertrauen auf faire Coopetition (Cooperation and Competition) im Verleihen von Bedeutung eines Textes. (Buch, Artikel, Rezension)

Zur gelungenen philosophisch-soziologischen Einführung und Sichtweise auf die Literatur ergänzt Sartre schlussendlich den historisch-soziologischen Aspekt in der Definition des Wesens von Literatur als "Subjektivität einer Gesellschaft in permanenter Revolution" (122). "Es ist Zeit, dass dieses kleine Buch wieder in ein breiteres Bewusstsein gelangt". (Müller-Goldingen) Dem ist ohne Einschränkung zuzustimmen.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen "Man schreibt nicht für Sklaven" - Gründungsdokument der Rezeptionsästhetik, 9. Mai 2008
Von Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges brachte Jean-Paul Sartre die erste Ausgabe seiner Zeitschrift "Les Temps Moderne" auf den Markt. In der programmatischen Darlegung seines Projektes prägte Sartre den Begriff der "engagierten Literatur", womit er zum Ausdruck bringen wollte, dass ein Autor für seine Epoche verantwortlich sei. Dies löste einen Sturm der Entrüstung aus. Sartre wurde vorgeworfen, dass er einer Art Tendenzliteratur Tür und Tor öffnen würde. Nichts könnte jedoch weiter vom Kern der These entfernt sein. "Was ist Literatur?", erschienen im Jahr 1947, ist Sartres Reaktion auf seine Kritiker, in der er detailliert seine Ansichten zu Literatur und der Stellung des Autors darlegt. Doch noch viel wichtiger ist eine weitere Instanz, die Sartre hier zum Leben erweckt und die seinen Kritikern wohl völlig entgangen ist: Die Instanz des Lesers.

Im ersten Abschnitt "Was ist schreiben?" unterscheidet Sartre zwischen Prosa und anderen bildenden Künsten, darunter auch die Poesie, und behauptet, dass sich nur der Prosaschriftsteller engagieren könne. Grund hierfür sei, dass nur die Prosa Sprache als Zeichen benutze, um Dinge konkret zu benennen: "[D]as Reich der Zeichen ist die Prosa" (16). Musikern und Dichtern gehe es weniger um Inhalte als vielmehr um Formen: "Man malt keine Bedeutungen, man setzt sie nicht in Musik; wer würde unter diesen Bedingungen wagen, von Malern oder Musikern verlangen, daß sie sich engagieren?" (16) Für den Schriftsteller hingegen sei Sprache an einen bestimmtem Zweck gebunden: "Die Prosa ist ihrem Wesen nach utilitär [...] Der Schriftsteller ist ein Sprechender: er bezeichnet, beweist, befiehlt, lehnt ab, redet an, fleht, beleidigt, überzeugt, legt nahe" (23+24). Ergebnis dieses ersten Abschnitte ist, dass "[d]er 'engagierte' Schriftsteller weiß, daß Sprechen Handeln ist: er weiß, daß Enthüllen Verändern ist und daß man nur enthüllen kann, was man verändern will" (26).

Kern des Buches ist der zweite Abschnitt "Warum Schreiben?" Hier definiert Sartre glasklar, was genau er mit engagierter Literatur meint. Dazu beleuchtet er das Verhältnis zwischen Autor und Leser und wie sich beide Instanzen gegenseitig bedingen: "Aber der Vorgang des Schreibens schließt den des Lesens ein als sein dialektisches Korrelat [...] Mit einem Wort, der Leser ist sich bewußt, daß er zugleich enthüllt und schafft, schaffend enthüllt, durch Enthüllen schafft" (39). Hier finden wir nicht mehr und nicht weniger als die Wurzeln der Rezeptionsästhetik, ein Ansatz, der die aktive Rolle des Lesers betont und ihn nicht nur als einen passiven Rezepienten eines Textes betrachtet: "Mit einem Wort: Lektüre ist gesteuertes Schaffen" (110).Sich als Schriftsteller zu engagieren bedeutet also gerade nicht, dem Leser irgendeine Ideologie zu oktroyieren. Das würde Sartres Ansatz zur Rolle des Lesers ja gerade widersprechen. Lektüre als gesteuerte Schaffen bedeutet, dass Autor und Leser ihre jeweiligen Freiheiten anerkennen: "Denn da der Schreibende eben durch die Mühe des Schreibens, die er sich macht, die Freiheit seines Lesers anerkennt, und da der Lesende allein dadurch, daß er das Buch aufschlägt, die Freiheit des Schriftstellers anerkennt, ist das Kunstwerk [...] ein Akt des Vertrauens in die Freiheit des Menschen" (52). Der engagierte Schriftsteller braucht also freie Menschen, damit seine Appelle überhaupt zur Kenntnis genommen werden können. Das hat für Sartre auch politische Konsequenzen: "Man schreibt nicht für Sklaven. Die Kunst der Prosa ist mit dem einzigen System solidarisch, wo die Prosa einen Sinn behält: mit der Demokratie" (54).

Der dritte Anschnitt "Für wen schreibt man?" wirft einen Blick auf die Literaturgeschichte und analysiert das Spannungsverhältnis zwischen Autor und Leser in den jeweiligen Epochen. Schwerpunkt liegt hier unter anderem auf dem Beginn des Romans zu Beginn des 18. Jahrhunderts, da der Roman auch eine Reaktion auf den Aufstieg des Bürgertums darstellte.

In den sechziger Jahren relativierte Sartre einige seiner in "Was ist Literatur?" aufgestellten Thesen. In seiner 1963 erschienenden Autobiografie "Les mots" schreibt er, dass er bis in die fünfziger Jahre hinein Literatur als eine Art Religionsersatz betrachtet habe. Nun relativiert er seine Ansicht und schreibt, dass Literatur wohl keinen unmittelbaren Einfluss auf gesellschaftliche Vorgänge nehmen könne, dafür aber dem Leser Möglichkeiten zur Ausübung seiner Freiheit gebe. Dennoch bleibt "Was ist Literatur?" ein zentrales Werk der Literaturtheorie, welches Denker wie Roland Barthes, Jacques Derrida, Michel Foucault und Wolfgang Iser beeinflusst hat.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Plädoyer für engagierte Literatur, 15. April 2002
In seiner Zeitschrift "Temps Modernes" trat Sartre in mehreren Artikeln für eine engagierte Literatur ein, was ihm einige polemische Kritik im Stile von "Dann treten Sie doch der Kommunistischen Partei bei" einbrachte. Als Erwiderung darauf verfaßte er 1947 den Essay "Was ist Literatur?" In den Kapiteln "Was ist Schreiben?", "Warum schreiben?", "Für wen schreibt man?" und "Situation des Autors 1947" gibt versucht er eine Definition von Literatur, die erklären soll, warum Prosa (aber weder Lyrik noch andere Kunstformen wie Malerei und Musik) engagiert sein muß. Die Forderung nach einer "zeitgenössischen" Literatur von einem der einflußreichsten Denker des 20. Jahrhunderts hatte erheblichen Einfluß auf die Nachwelt, beispielsweise die Literatur der 60er Jahre. Einfach zu lesen ist der Text sicher nicht, aber die Lektüre lohnt sich für alle Literaturinteressierten und ist quasi Pflicht für Studenten. Diese Ausgabe enthält zudem nützliche Literaturhinweise und erklärende Fußnoten.
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