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Was ist Information? - Kritik einer Legende
 
 
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Was ist Information? - Kritik einer Legende [Taschenbuch]

Peter Janich
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 180 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp; Auflage: 1. (18. September 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518584707
  • ISBN-13: 978-3518584705
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 12 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 336.679 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Peter Janich
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Information ist ein allgegenwärtiger Begriff im Alltag, in den Wissenschaften und in der Philosophie. Heute wird er immer mehr von den Naturwissenschaften als ureigenster Gegenstand reklamiert: Er wird »naturalisiert«. Das Buch zeichnet den Weg nach, wie aus Physik und Mathematik Auffassungen entstehen, die über die Wissenschaftstheorie und die Sprachphilosophie zur Grundlage der Nachrichtentechnik und der Kybernetik werden, um schließlich bei der »Erbinformation« und anderen Naturgegenständen zu landen. So entsteht eine mißverstandene Form des Körper-Geist- Problems: Wie kommen technische Objekte, aber auch Moleküle im menschlichen Genom zu Eigenschaften, die ursprünglich der menschlichen Sprache vorbehalten waren? Dieses Buch korrigiert Mißverständnisse, weist heute übliche Ausdrucksweisen als (teilweise irrtümliche) Metaphern aus und rekonstruiert das menschliche Handeln und Sprechen als Grundlage von technischen und natürlichen Formen der Informationsverarbeitung.

Über den Autor

Peter Janich, geboren 1942, ist Professor emeritus für Philosophie an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt erschien Kein neues Menschenbild. Zur Sprache der Hirnforschung (eu 21).


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Lena Waider TOP 100 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Das Buch besteht aus zwei Teilen. Zunächst schreibt Peter Janich gegen eine Naturalisierung der Information speziell in den Naturwissenschaften an. Doch nicht nur das: Im Grunde bekommt der ganze Naturalismus sein Fett weg. Und wenn man so will: die Naturwissenschaften gleich mit dazu.

Auch wenn ich in vielen Punkten etwas anderer Meinung bin als der Verfasser: Den Teil fand ich gut geschrieben, bissig, witzig und über weite Strecken auch interessant. Und er hat zum Teil ja auch Recht. Mittlerweile gibt es Bücher (z. B. Information: Kurze Geschichte in 5 Kapiteln), die darüber spekulieren, ob Information eine weitere physikalische Größe (wie Temperatur, Energie, Entropie etc.) oder auf die Begriffe Energie und Entropie reduzierbar sein könnte, was einigermaßen absurd ist, denn welche Information sollte das Signal einer Luftschutzsirene im Vergleich zu einem Vuvuzela-Blaskonzert in sich tragen?

Peter Janich geht es in erster Linie um die Bedeutung von Information, d.h. um Semantik. Genau dort setzen dann auch seine "methodischen Reparaturen" ab S. 143 (dem inhaltlich zweiten Teil des Buches) an. Leider geht der Versuch ziemlich daneben, da er sich von Annahmen leiten lässt, die meiner Meinung nach in keinster Weise haltbar sind. Ich zitiere mal ein paar Sätze aus seinem Buch:

(146) "Es ist nämlich nicht zu sehen, wie wir lebensweltlich ohne die Möglichkeit auskämen, uns gegenseitig zu informieren. Fast unser gesamtes Wissen beruht nicht auf eigener Erkenntnis, sondern stammt aus Übernahmen von anderen Menschen."
(146f.) "Und dieses Reden ist primär ein Informieren, ein Geben und Nehmen von Wissen und Kenntnis."

Hier fehlte für mich der Hinweis, dass Wissen in dem Sinne keine physikalische Erhaltungsgröße ist: Man kann Wissen replizieren (jemand anderes informieren), ohne dabei davon zu verlieren (anders als bei der Energie), wodurch es zu einem kollektiven Anwachsen des Wissens kommen kann. Oder wie Carsten Bresch es kurz und bündig in Die Evolution: Was bleibt von Gott? sagt: Replikation ist kein thermodynamischer Begriff.

Doch weiter im Text:
(147) "In diesem Sinne soll hier Kommunikation als Mittel verstanden werden, Kooperation zu organisieren."
(148) "Reden ist Handeln."
(148) "Das heißt, die Rede von Information und Kommunikation soll programmatisch auf menschliche Sprache begrenzt werden, weil nur für sie, und dort methodisch primär, von Bedeutung und Geltung die Rede sein kann."

Dieser letzte Satz ist leider völlig absurd, und spätestens hier hatte mich der Autor dann restlos verloren. Der darin zum Ausdruck kommende schroffe Anthropozentrismus irritierte mich.

Beispielsweise kann eine Mücke meine Körperwärme wahrnehmen. Für sie handelt es sich dabei um bedeutungsvolle Information, denn mit einem Stich könnte sie sich nähren und in der Folge auch fortpflanzen. Schlage ich umgekehrt nach der Mücke, wird sie die Bewegung wahrnehmen und meiner Hand auszuweichen versuchen. Auch meine Handbewegung ist somit bedeutungsvolle Information für sie, denn reagiert sie nicht schnell genug darauf, hat sie ihr Leben verwirkt. Und miteinander kommunizieren tun viele Tierarten auch, Honigbienen etwa per Tanz. Information ist folglich keineswegs etwas, was auf den Menschen oder gar die menschliche Sprache beschränkt ist.

Mersch stellt deshalb in seinem Knol über die Systemische Evolutionstheorie klar, dass
1. semantische Evolution per Evolution entsteht,
2. nur Evolutionsakteure (selbstreproduktive Systeme, die bestrebt sind, ihre Lebensraumkompetenzen zu erhalten und folglich Reproduktionsinteressen besitzen) Signalen eine Bedeutung zumessen können. Voraussetzung für Bedeutung und Bewertung von Daten der Umwelt ist nämlich das Verfolgen von Eigeninteressen.

Und dies unterscheidet dann tatsächlich Computersysteme von lebenden Systemen: Nur Letztere besitzen Reproduktionsinteressen. Insoweit ist manche Kritik Janichs an der Naturalisierung von Information durchaus berechtigt.

Den Ausführungen des Autors mangelt es leider insgesamt sowohl an einem ausreichenden Verständnis von Evolution als auch grundsätzlichen physikalischen Zusammenhängen, was aber gerade bei diesem Thema wesentlich gewesen wäre. Beispielsweise lässt sich zeigen, dass bereits bei der Informationswahrnehmung Energie verbraucht wird. Das hat evolutionär jedoch zur Konsequenz, dass sich Lebewesen auf die Wahrnehmung von Signalen beschränken müssen, die für die Reproduktion ihrer Kompetenzen von Bedeutung sind. Beispielsweise können unsere Augen und Ohren aus diesem Grund nur bestimmte Wellenlängen wahrnehmen, alles andere wäre ineffizient und somit evolutionär von Nachteil gewesen. Erst die soziale Arbeitsteilung und das Erschließen zusätzlicher Energiequellen (Holz, fossil, Kernkraft etc.) haben hier zu einer deutlichen Ausweitung der menschlichen Wahrnehmungs- und Interpretationsfähigkeiten geführt, sodass nun für uns bestimmte Signale von Bedeutung sein können, die wir vorher nicht einmal wahrnehmen konnten.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Gut 130 Seiten lang übt der Philosoph Janich Kritik am einschlägigen Schrifttum. Auf restlichen 35 Seiten beschreibt er, wie eine Informationstheorie seines Erachtens beschaffen sein sollte. Janichs Hauptkritik richtet sich gegen die weit verbreitete Meinung, nach der Information ein Gegenstand der Natur und Physik sei und nicht des Kultürlichen und Geistigen. Ursachen der Naturalisierung von Information sieht Janich in den von Irrtümern behafteten Sichtweisen von Galilei, welcher die auf Aristoteles zurückgehende Unterscheidung des Künstlichen vom Natürlichen missverstanden hat, von Heinrich Hertz, von Charles Morris und weiteren Wissenschaftlern. Zusätzlich gefördert wird die naturalistische Sicht von Information nach Ansicht von Janich noch durch unsaubere Sprache nicht nur in populärwissenschaftlichen Schriften sondern auch in der Fachliteratur, wo vielfach nicht zwischen objektsprachlichen und metasprachlichen Begriffen unterschieden wird. Dem Rezensenten, der Nachrichtentechnik-Ingenieur ist, geht Janichs Kritik bisweilen arg weit. Dass im naturwissenschaftlich-technischen Schrifttum die Sprache nicht immer klinisch rein ist, lässt sich damit entschuldigen, dass natürliche Sprache im Unterschied zur Maschinensprache lebendig und veränderlich ist. Es ist ja nicht nur so, dass einstmals gebrauchte allgemeine Ausdrucksweisen später Differenzierungen erfuhren. Auch umgekehrt wurden in der natürlichen Sprache ursprüngliche Differenzierungen später aufgegeben (in der Keilschrift wurden noch verschiedene Wörter z.B. für die Zahl vier verwendet, wenn sie sich auf verschiedene Objekte bezog). Dass Janich in seinem Buch hier und da ein Lapsus unterlaufen ist, z.B. auf Seite 119 bei der Maschenregel von Kirchhoff, ist unwesentlich. Wesentlich ist dagegen, wenn er bei seiner methodischen Reparatur auf Seite 148 fordert, dass Information und Kommunikation auf menschliche Sprache (!) begrenzt bleiben sollen. Wo bleiben da Gestik und Mienenspiel des Menschen? Darf man das organisatorische Frage-Antwort-Spiel zwischen PC und Drucker nicht mehr (Maschinen-) Kommunikation nennen? Oder wenn er bei seiner Reparatur auf Seite 158 fordert, dass Information unter anderem auch hörerinvariant sein soll, dass also auch derjenige Hörer Information empfängt, der die Mitteilung bereits vorher kannte. Würde man diese Forderung zugrundelegen, dann würde man die Informationstheorie von Shannon, die zu den wichtigsten Grundlagen moderner technischer Kommunikationssysteme gehört und bei welcher auf der Empfangsseite Unsicherheit und Wahrscheinlichkeit eine zentrale Rolle spielen, ebenso ins Abseits stellen wie die ein Vorwissen nutzenden Prädiktor-Korrektor-Verfahren der digitalen Informationsübertragung. Trotz solcher nicht akzeptabler Thesen hat der Rezensent das Buch von Janich mit Gewinn und wegen der glänzenden sprachlichen Formulierungen auch mit Genuss gelesen.
Werner Rupprecht
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3 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Globalsicht 1. September 2009
Format:Taschenbuch
Eine erstklassige Auseinandersetzung mit dem Thema Information mit einer Globalsicht auf
die wissenschaftlichen und philosophischen Hintergründe. Auch wenn der Autor von der philosophischen Seite kommt ist das Buch für interessierte Informatiker sehr lesenswert.
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