Pressestimmen
»In seinem Todesjahr hatte Bazin noch den ersten einer auf vier Bände geplanten Buchreihe mit dem Titel "Qu'est-ce que le cinéma?" veröffentlicht, die nächsten beiden erschienen seinen Plänen folgend postum, der vierte über den italienischen Neorealismus wurde von Jacques Rivette als Verbeugung vor dem Meister 1962 konzipiert und herausgegeben. Im Jahr 1975 brachten dann Bazins Frau Janine und Truffaut eine kondensierte Édition définitive heraus, die gekürzt auch auf deutsch erschien. Knapp dreißig Jahre hat es also gedauert, ehe nun der Alexander Verlag und der bewährte Herausgeber Robert Fischer die vollständige Übersetzung vorlegen.« (Michael Althen, Frankfurter Allgemeine Zeitung (2005))
»Zwischen Spezialaufsätzen mit Insidervokabular und aufwendigen Definitionssystemen liegt plötzlich wieder ein Buch mit dem schlichten Titel "Was ist Film?". Es sind versammelte Texte von André Bazin, einem begeisterter Streiter für das Kino, Kirchenvater der Autorentheorie, der 1958, mit 40 Jahren starb. Jahrzehnte lang war das Buch vergriffen, an Universitäten immer geklaut. Jetzt ist eine schöne Ausgabe erschienen, mustergültig von Robert Fischer ediert, mit wunderbaren Vorworten von François Truffaut und Tom Tykwer, der beschreibt, wie er mit Bazin vom Fan zum Cineasten wurde... Die Reihenfolge ist klar: WAS IST FILM kaufen. Wieder ins Kino gehen. Staunen. Trauern. Träumen.« (Holger Kreitling, Die Welt (2005))
»Bazin liebte das Kino nicht als Fluchtmaschine, sondern weil er sich für die Realität interessierte. Jetzt sind seine Schriften auf Deutsch verfügbar in einer herrlichen Prachtausgabe: knappe, vergnügliche, immer lohnende Texte. Ein Klassiker, ein Muss für jeden Cineasten.« (Rüdiger Suchsland, Münchner Merkur (2005))
Kurzbeschreibung
"Der Titel dieser Artikelreihe Was ist Kino? ist nicht so sehr das Versprechen einer Antwort als vielmehr eine Frage, dieder Autor auf all diesen Seiten sich selber stellt. Diese Zeilen erheben also durchaus nicht den Anspruch, eine erschöpfende Geologie oder Geographie des Kinos vorzulegen, sondern lediglich, den Leser anläßlich der Filme, die sich dem Kritiker tagtäglich zur Reflexion anboten, auf eine Reihe von Expeditionen, Sondierungen, Überflüge mitzunehmen." André Bazin Erstmalig liegt auf deutsch die vollständige und neu übersetzte Fassung des französischen Klassikers vor - der französischen édition definitive, die die vierbändige Ausgabe mit Schriften aus den Jahren 1958 bis 1962 ersetzte. Die Auswahl für diesen Band stammt von Bazins Witwe und François Truffaut, das Vorwort von André Bazin selbst. André Bazin, hochgeschätzt von Bresson, Buñuel, Carné, Cocteau, Fellini, Langlois, Visconti und Renoir, entwickelte ein neues Filmbewußtsein und wirkte mit seinen Reflexionen auf die Filmgeschichte ein. Ihm ging es um das, was Film aus eigener Kraft und eigenen Mitteln zu leisten imstandeist. "Das Bild (...) verfügt, gestützt auf einen größeren Realismus, über (enorme) Möglichkeiten der Beeinflussung und Verwandlung der Realität in ihrem Kern." André Bazin (1918 bis 1958), bedeutendster französischer Filmkritiker nach dem II. Weltkrieg und geistiger Vater der "Nouvelle Vague", etablierte mit seinen Texten die Filmkritik in Frankreich als intellektuell hochstehendes Metier. Mit dem Anspruch, eine Filmkritik zu erfinden, die in die Tiefe geht und nicht nur die Handlung bewertet, beginnt er 1943 zu schreiben - und geht mit seinen kritischen Analysen weit über das reine "Sehenswert" bzw. "Nicht sehenswert" hinaus. Truffaut sagte über ihn: "Bazin war in seiner Arbeit als Filmkritiker wie ein Fisch im Wasser", und seine oft langen Artikel kommentierte Bazin lächelnd mit dem Satz, er hätte keine Zeit gehabt, weniger zu schreiben. 1951 gehörte er zu den Gründern der Zeitschrift Cahiers du Cinéma (die in diesem Jahr ihr 50jähriges Jubiläum feiert), in der u. a. Truffaut, Godard, Rivette, Moullet, Rohmer und Chabrol veröffentlichten. Sie alle hatten ein herzliches Verhältnis zu Bazin, den sie als einen der Ihren betrachteten und dessen Rolle, sie als Regisseure zu stimulieren, sie schätzten. Bei ihm verbanden sich Güte, Intelligenz und Humor in einer Weise, die Truffaut so beschreibt: "Wer mit Bazin zu tun hatte, wurde ein besserer Mensch." Er glaubte an eine soziale Ästhetik des Kinos - vielleicht wird man in seinem Werk auch deshalb vergeblich nach einem unbarmherzigen Artikel suchen.