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Was ist ein Dispositiv?
 
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Was ist ein Dispositiv? [Broschiert]

Giorgio Agamben
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 41 Seiten
  • Verlag: Diaphanes; Auflage: 1., 1. Auflage (10. März 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3037340428
  • ISBN-13: 978-3037340424
  • Originaltitel: Che cos'è un dispositivo?
  • Größe und/oder Gewicht: 15,6 x 10,8 x 0,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 67.095 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Giorgio Agamben
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Es gibt nicht viele philosophische Publikationen, die den Anspruch, Fragen zu beantworten, auch tatsächlich auf leicht verständliche Weise einlösen: Giorgio Agambens kleine Broschüre zum Dispositiv wird dem gerecht. Darüber hinaus bietet sie mit ihren an Foucaults Dispositivbegriff anschließenden, eigenen Überlegungen einen anspruchsvollen Denkanstoß zu einem der ideengeschichtlich prominentesten Begriffe der zeitgenössischen politischen Philosophie.« (Rainer Schmitz/Johanna Söhnigen, Zeitschrift für philosophische Forschung)

»Was ist ein Dispositiv? macht Lust auf mehr Agamben. Er hat sich im Anschluss an Foucault als profounder, historisch informierter und provokativer Analytiker und Diagnostiker unseres gegenwärtigen Zeitalters erwiesen.Die maßgebliche Leistung dieses Büchleins besteht zudem darin, dass es seinem Titel mehr als gerecht wird. Eine Begriffsgeschichte auf so knappem Raum pointiert entwickelt zu sehen, macht tatsächlich Freude, und allein deshalb lohnt es sich, diesen Text zur Hand zu nehmen.« (Arno Herberth, KULT_online)

Kurzbeschreibung

Die Welt, in der wir leben, präsentiert sich als ungeheure Wucherung von Dispositiven. Im Leben des Einzelnen gibt es keinen einzigen Moment mehr, der nicht von irgendeinem Dispositiv modelliert, kontrolliert oder kontaminiert wäre. Am Ursprung eines jeden Dispositivs vom Mobiltelefon bis zum Fernsehen, vom Computer bis zum Autoverkehr steht in Wirklichkeit ein Glücksverlangen nach, dessen Erfassung die spezifische Potenz des Dispositivs konstituiert. In seinem kurzen, programmatischen Text entwickelt Agamben eine erhebliche Erweiterung des Dispositivbegriffs, wie er insbesondere von Foucault geprägt ist. Mit Bezug auf die eigenen Studien zur theologischen Genealoge der Ökonomie verweist er auf den Gebrauch des lateinischen dispositio durch die Kirchenväter als Übersetzung von oikonomia: als ein Ensemble von Praxen, Kenntnissen, Maßen und Institutionen, deren Ziel die Verwaltung, Leitung, Kontrolle und Ausrichtung der Gesten und Gedanken des Menschen ist. »Wenn Dispositive dem Menschen nicht als neutrale Konsumgegenstände gegenüber stehen, sondern im Gegenteil selbst die Persönlichkeit dessen schaffen, der sie verwendet wie vermögen wir dann dieser Situation zu begegnen?«

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von MED
Format:Broschiert
Agamben schafft es auf den kaum vierzig Seiten dieses kleinen Buches, eine bestechende Klarheit über einen der wichtigsten Begriffe der foucaultschen Philosophie zu vermitteln. Der Begriff Dispositiv taucht bei Foucault erstmals im 1976 erschienenen ersten Band von 'Sexualität und Wahrheit' auf, ohne dort auch nur ansatzweise ausgeführt zu werden. Agamben arbeitet mit Verweis auf ein Gespräch Foucaults aus dem Jahr 1977 drei zentrale Eigenschaften des Dispositivbegriffs heraus. Erstens erweitert 'Dispositiv' den vorher bei Foucault dominierenden Begriff 'Diskurs'. Ein Dispositiv beinhaltet demnach neben den diskursiven Elementen auch materiale, wie beispielsweise Institutionen und Gesetze, die sich die Diskurse aneignen. Zweitens existiert und funktioniert ein Dispositiv immer in Machtverhältnissen. Das bedeutet aber nicht, dass wir in all unseren Handlungen stets durch Macht determiniert sind. Foucault wendet sich gegen die liberale und marxistische Illusion einer Befreiung von jeglicher Macht. Dispositive funktionieren innerhalb von Machtverhältnissen, die wir in Frage stellen, denen wir uns aber nicht völlig entziehen können, da sie Bedingungen von Subjektivität sind (diesen Punkt übersehen eben jene Leute, die Foucaults Machtbegriff immer noch nicht verstehen wollen; siehe den obigen Kommentar). Drittens korrelieren die Machtverhältnisse mit Wissensverhältnissen. Foucault führt den Begriff des Dispositivs im Zusammenhang mit der Sexualität ein, um zu zeigen, wie die Sexualität zu einem Element innerhalb der Macht- und Wissensverhältnisse wird und auf der diskursiven und materialen (z.B. durch die Psychiatrie, das Gerichtswesen) Ebene besetzt wird. Dispositiv kann nach Agamben bei Foucault im Sinne einer 'Universalie' bezeichnet werden, da es ein Netz zwischen verschiedenen diskursiven und nicht-diskursiven Elementen bildet und innerhalb von Macht- und Wissensverhältnissen verwoben ist.
Agamben geht nun über Foucault hinaus, indem er eine Genealogie des Dispositivbegriffs schreibt, die bis in die Antike reicht. Hier bringt Agamben dann seine eigene Theorie ein, die er eine 'theologische Genealogie der Ökonomie' nennt. Er unterscheidet die Dispositive von den Lebewesen. An dieser Stelle wird dann deutlich, warum Dispositive nicht völlig abgeschafft und delegitimiert werden können. Denn erst im Zusammenwirken zwischen Lebewesen und Dispositiv entsteht ein Subjekt. Das Dispositiv ist eine Bedingung von Subjektivität (hier korrespondiert Agamben mit Foucault) und deshalb ist es auch völlig unmöglich, Dispositive komplett in Frage zu stellen. Sie verunmöglichen nicht jede Subjektivität, sondern ermöglichen sie erst. Die Kritik gilt dann freilich der Frage, welche Dispositive problematische Subjektivierungsverhältnisse implizieren.
Alles in allem eine kurze und sehr klare Darstellung eines Begriffs, der bei Foucault immer im Dunklen blieb, von einem der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart.
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31 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Ein wunderbares Beispiel dafür, dass der von Foucault in die Welt gesetzte Diskurs in seiner Monomanie unerschöpflich ist - leider! Agamben leidet unter der typischen Einseitigkeit Foucaultianischen Denkens, d.h. unter der Unfähigkeit irgendeine Eigenaktivität von Individuen oder Subjekten überhaupt zu denken: Die Begriffe "Diskurs" und "Dispositiv", wie Foucault sie verwendet, haben durchaus eine Bereicherung für die Kulturwissenschaften mit sich gebracht. Sie ermöglichten, den Blick auf Prozesse zu lenken, die dem Individuum vorausgehen und es prägen. Dieses Verdienst wird aber leider stark eingeschränkt durch die eben auch bei Agamben deutlich werdende trostlose Grundannahme, sie würden das Individuum rettunslos determinieren. Damit befinden sich sowohl Agamben als auch Foucault in einer Schleife des Selbstwiderspruchs: Beide Autoren begreifen ihr Schreiben als politisch, die politische Aktion setzt aber eben ein gewisses Maß an Handlungsfreiheit voraus, die Agamben leugnet, wenn er eine Totalbestimmung des Individuums durch Dispositive behauptet. Politisch und theoretisch interessant (und weiterführend!) wäre im Gegenteil gewesen, zu zeigen, wie Individuen mit diesen Dispositiven umgehen und welche Freiräume sie ihnen abgewinnen. Die Vorstellung der Totaldeterminiertheit dagegen stammt aus der polit-philosophischen Mottenkiste (vgl. den Verblendungszusammenhang bei Horkheimer / Adorno) und gehört dort auch wieder hinein. Da der Foucault-Agambensche Denkansatz ältere marxistische und anarchistische Ansätze fortsetzt und im intellektuellen Betrieb daher immer noch von starken Kontingenten vertreten wird, ist die Chance, dass er diese wohlverdiente Ruhestätte erhält bedauernswerterweise gering. Die nachwachsende Intellektuellengeneration hätte eine konstruktivere Form der Theoriebildung verdient!
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