Schiffbrüchig landet Viola (Imogen Stubbs) an der Küste Illyriens. Da ihr Zwillingsbruder Sebastian (Steven Mackintosh) bei dem Unglück ertrunken ist, ist Viola auf sich alleine gestellt. Um in dem fremden und feindseligen Land sicher zu sein, verkleidet sich Viola als Mann, nennt sich Cesario und tritt alsbald in den Dienst des Herzogs Orsino (Toby Stephens).
Viola verliebt sich in den Herzog welcher wiederum hoffnungslos in Olivia (Helena Bonham-Carter) verliebt ist, die ihn aber nicht erhört, weil sie um ihren Bruder trauert.
Viola alias Cesario wird vom Herzog als Liebesbote zu Olivia geschickt und natürlich verliebt sich die schöne Oliva Hals über Kopf in den vermeintlichen Jüngling Cesario. Als Violas Zwillingsbruder dann (doch nicht ertrunken) noch auf die "Bühne" tritt und von Olivia für Cesario gehalten wird, ist das witzigste und schrillste und romantischste Chaos komplett.
Imogen Stubbs ist die perfekte, und in ihrer Männerrolle ausgesprochen glaubwürdige, Viola. Toby Stephens (Jane Eyre, The Tenant of Wilfell Hall) als liebeskranker Orsino ist unsäglich attraktiv und (ich trau' s mich fast nicht zu sagen) so süß. Wenn beide sich anschmachten schmilzt das Herz wie Butter in der Pfanne. Herrlich wie subtil dieses zarte und widerwillige Hingezogensein zu einem vermeintlichen Mann von Stephens dargestellt wird. Noch witziger muss dieses Geschlechterdurcheinander zu Shakespeares Zeiten gewesen sein, als auch die weiblichen Rollen von Männern besetzt wurden und Viola also von einem Mann gespielt wurde, der eine Frau ist die sich als Mann verkleidet. Steven Mackintosch (Our Mutual Friend) sieht Viola übrigens so verblüffend ähnlich, dass er den perfekten Zwillingsbruder abgibt und die Verwechslungen und Verwirrungen dadurch nur noch glaubwürdiger und witziger werden.
Doch der guten Darsteller nicht genug, denn hier sieht man eine spektakuläre Helena Bonham-Carter als verliebte Olivia, die einem die Tränen des Lachens in die Augen treibt und einmal mehr unter Beweis stellt, dass sie nicht nur eine Schönheit sondern auch eine überragende Schauspielerin ist. Und wo wir gerade von den ganz Großen reden: Ben Kingsley spielt den Narren Feste. Er und seine niederträchtige, Schabernack treibende Gefolgschaft (Imelda Staunton als Maria, Mel Smith als Sir Toby Belch und Richard E. Grant als Sir Andrew Aguecheek) sind das perfekte Gespann das Nigel Hawthrone als lächerlich-pompösen und ach so tragischen Malvolio in die Verzweiflung treibt. Dieses Casting in seinem harmonischen und gut aufgelegten Zusammenspiel lässt den Zuschauer im einen Augenblick lachen und im nächsten schon wieder weinen und verleiht der schrägen Komödie gleichzeitg einen satten Touch Tragik.
Trevor Nunns "Twelfth Night" ist die herzerfrischende, witzige und kongeniale filmische Umsetzung von Shakespeares Komödie (zu Deutsch "Was ihr wollt"). Der Film ist ungefähr am Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt und wurde in Cornwall gedreht. Die großartigen Landschaften, Kulissen und Kostüme schmeicheln dem Auge und das Können der begnadeten Darsteller dem Verstand. Die shakespearigen Dialoge und Wendungen sind ein Genuss für Herz und Ohr und der Film eine 100 Prozent sichere Geldanlage für alle, die es geistreich, unterhaltsam und anspruchsvoll mögen.
DVD:
Laufzeit: ca. 128 Minuten,
Format: 4:3 (1.85:1),
33 Kapitel,
Extras: Trailer, Gallerie, Filmographie
Sprache: Englisch OHNE Untertitel