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Hertzberg wohnt in New York, in einem Loft in unmittelbarer Nähe zur Familie des befreundeten Malers Bill Wechsler, dessen Frauenakt er einst in einer Galerie erworben hatte. Aus der Retrospektive enthüllt Hustvedt die Lebensentwürfe der Freunde, deren Biografie nicht zuletzt durch die Schicksalsschläge ihrer Kinder eine unvorhersehbare Wendung nimmt. Am Ende bleibt nur die Kunst -- und eine Erkenntnis, dass am Ende allein die Erinnerung an die Liebe überlebt. Nacherzählt klingt das sehr kitschig. Was aber Hustvedt aus ihrer simplen Botschaft macht, ist überaus bemerkenswert.
Hustvedt ist die Frau des postmodernen Erzählgenies Paul Auster, dem sie Was ich liebte gewidmet hat und mit dem sie in New York zusammen wohnt. Tatsächlich scheinen sich viele ihrer Erzählstrategien seinem Einfluss zu verdanken. Wie sie diese allerdings aufgenommen und weiter entwickelt hat, ist sehr beachtlich. Nicht zuletzt der Einfall, einen Erzähler des anderen (hier: männlichen) Geschlechts zu wählen (ein Einfall, der im Titel des Frauenaktes von Wechsler -- "Selbstporträt" -- in postmoderner Manier im Roman gespiegelt wird), ist überaus gelungen und konsequent umgesetzt. So ist Was ich liebte ein stringent erzählter Künstlerroman von hoher Eigenständigkeit geworden. Hustvedt ist eine nicht mehr ganz neue, aber in Deutschland unbedingt noch zu entdeckende Erzählstimme Amerikas. --Stefan Kellerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Dieser Stimme hat nun Peter Fitz in der von Regisseur Ralf Becher begleiteten SFB-Hörbuch-Adaption kongenial "synchronisiert". Das Stimmengewirr der New Yorker Boheme rund um den emeritierten Kunsthistoriker Leo Hertzberg ist hier derart polyphon wiedergegeben, dass man beizeiten meint, der Schauspieler und Sprecher könne mit mehreren Stimmen sprechen. Was ich liebte ist auch als Hörbuch ein großes Werk geworden, in dem man mit den Ohren schwelgen kann. --Stefan Kellerer
Hörbuch, 5 CDs, ca. 370 Minuten. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
24 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Einfühlsam erzählter Einblick in die New Yorker Kunstszene,
Rezension bezieht sich auf: Was ich liebte (Taschenbuch)
Dieses Buch erzählt aus der Ich-Perspektive den ca. 30 Jahre währenden Lebensabschnitt des Kunsthistorikers Leo Hertzfeld (geschrieben ist der Roman von einer Frau!!!) als ca. 35 Jährigen bis zu seinem ca. 65. Lebensjahr. In dieser Zeit lernt er seine spätere Frau Erika und den Maler Bill Wechsler kennen, sowie dessen Frau Lucille und Violet, die später Bills Lebensgefährtin wird.Der Roman ist in drei Abschnitte gegliedert, die im Deutschen überraschenderweise jeweils von einem anderen Übersetzter transkribiert wurden und sich dennoch bruchlos zu einem Ganzen fügen. Es ist schon eine Zeit lang her, daß ich den Roman gelesen habe. Dennoch bleibt der Eindruck immer noch sehr stark und frisch in Erinnerung. Im ersten Abschnitt des Buches haben mich vor allem die phantastische Beschreibungen der Kunstwerke von Bill fasziniert. Mit einer solchen beginnt das ganze Buch. Leo beschreibt detailfreudig das Bild, das ihn gefangen nimmt, so daß er es kauft, obwohl der Maler völlig unbekannt ist. Er sucht diesen Maler auf und Leo findet eine Entsprechung dessen, was ihn berührt hat, in dem Menschen, der dieses Bild erschaffen hat. Es entwickelt sich eine tiefe Männerfreundschaft zwischen Leo und Bill. Da die beiden Frauen sich ebenfalls gut verstehen, ziehen beide Ehepaare privat ins gleiche Haus übereinander. Beide Paare bekommen einen Sohn, Leo und Erika einen Matthias (Matt) und Bill und Lucille einen Mark. Hat man den ersten Teil zu Ende gelesen, wundert man sich über die Harmonie und das Glück von Leo und Erika und die Leichtigkeit, mit der auch die Trennung Bills von Lucille wegen der unkonventionellen Violet im Zusammenleben der beiden Familien weggesteckt wird. Es ist scheinbar nichts passiert, auf jeden Fall nichts Aufregendes, nur das "normale" Leben in einem fest umschriebenen Umfeld. Ich habe diesen Teil sehr gerne gelesen und empfand jede Einzelheit so genau getroffen, daß ich mich - im Gegensatz zu manchem anderen Leser, wie ich aus anderen Kritiken entnehme - keine Sekunde gelangweilt habe. Der zweite Teil beginnt mit fünf Worten, und mit einem Schlag ist alles anders. Alle Harmonie und alle früheren Sicherheiten sind ausgelöscht. Was passiert, darf man wirklich nicht erzählen, da man sonst die Wirkung dieses Schocks abmildert, der dem Fortgang des Romans eine völlig unerwartete Richtung gibt. Leos Beziehungen verändern sich radikal und Bill wird für ihn noch wichtiger. Im dritten Teil bekommt der Roman wieder eine völlig andere Wendung und beschreibt auf meheren Erzählebenen das Leben in innerlich haltloser Fluktuation. Zum einen in der Kunstszene, die ohne jede kritische Haltung, statt dessen ganz dem Diktat der Mode unterworfen die abstrusestens Richtungen zur Kunst erklärt und entsprechend selbstherrliche Künstler und deren Exhibitionismus fördert. Zum anderen in der sensiblen Darstellung von Bills Sohn Mark, der überraschenderweise ohne Aufbau einer persönlichen Werteskala erwachsen geworden ist, keinerlei Verantwortung für sein Leben zu übernehmen vermag und so quasi unschuldig ins kriminelle Milieu abgleitet. Des weiteren in der Beschreibung Leos von sich selbst, der nach dem Verlust seines Freundes in eine völlig anders geartete, ihm fremde Welt gestoßen wird, dort nicht ohne Blessuren davonkommt, aber mit einem unvoreingenommen Erstaunen davon erzählt, so daß dies den Leser tief berührt. Man wundert sich am Ende, wie das harmonische soziale Gefüge von Leo mit klaren gesellschaftlichen und moralischen Standpunkte sich in diese haltlose, unbekannte Welt verwandeln konnte, in der er herumgestubst wird und keinen wirklichen Ausweg findet. Ich selbst schwebte am Ende des Romans verwundert in einer Haltlosigkeit,in der ich mich hohl und inhaltslos fühlte. Zugleich konnte ich zu meinem großen Erstaunen erstmalig von innen heraus eine erschreckende Entwicklung in unserer Gesellschaft nachvollziehen, die in New York sicherlich ausgeprägter ist als in Europa und der ich bisher verständnislos gegenüber stand, nämlich wie es ist, ein sinnentleertes Leben zu führen. Siri Hustvedt bietet keine Lösungen für dieses Problem an, aber ihr umfassendes Einfühlungsvermögen zeigt Ursachen auf und läßt Raum, um fruchtbar über entsprechende Probleme nachzudenken. Siri Hustvedt ist ein ganz hervorragender gesellschaftskritischer Roman gelungen. Uneingeschränkt empfehlenswert! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
72 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Tragik des Lebens,
Von
Rezension bezieht sich auf: Was ich liebte (Taschenbuch)
Das ist wirklich ein wahnsinnig tolles Buch, obwohl es am Anfang etwas dauert bis es in Tritt kommt, wie ich finde.Der Kunsthistoriker Leo Hertzberg freundet sich Mitte der 70er Jahre in New York mit dem Künstler Bill Wechsler an. Es enwickelt sich eine intensive Verbindung, nicht zuletzt auch unterstützt durch die Tatsache, dass Bill mit seiner Frau direkt über Leo und seiner Frau ein Loft beziehen. Die Paare verbringen viel Zeit miteinander, Kinder werden geboren. In einer ganz ruhigen Erzählweise wird der Leser so Zeuge eines gut behüteten, glücklichen Lebens. Doch irgendwie weiss man auch sofort, dass das nicht so bleiben kann und plötzlich sind sie da, die Schicksalsschläge, die dieses Glück zerstören. Auf einmal können Menschen die sich lieben sich nicht mehr gegenseitig helfen, obwohl sie es versuchen. Beziehungen bröckeln, Menschen geraten auf die schiefe Bahn. Hier geht es um Trauer, Verlassen, Ankommen, Verschwinden und im Vordergrund wohl ums Glück und dessen Zerbrechlichkeit. Darüber, dass man am Ende des Lebens dasteht und sich doch alles eigentlich anders gedacht hatte. Allerdings werden hier von Siri Hustvedt Details aus vielen Wissensgebieten miteinader verknüpft (vordergründig bildende Kunst und Psychologie). Ein Leser der also gerade auf diesen Gebieten etwas bewandert ist, wird demenstprechend wohl noch mehr aus diesem Buch ziehen können, denn speziell im ersten Teil wird doch recht ausführlich über Kunst gesprochen. Das tut dem Lesegenuss aber keinen Abbruch, wie ich finde. Wer sich für die Tragik des Lebens interessiert und mal wieder ein richtig tolles, auch gefühlvolles (Liebe und zwischenmenschliche Beziehungen spielen hier natürlich die Hauptrolle), tiefgründiges, aber auch sehr trauriges Buch lesen will, der greife hier zu!! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
29 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Schicksal fragt uns nicht,
Rezension bezieht sich auf: Was ich liebte (Taschenbuch)
Das Schicksal fragt uns nicht, es bahnt sich seinen Weg durch seine Schläge, macht ratlos, verändert unsere Wahrnehmung wie durch Einsetzen zwanghafter Filter, es ist raumgreifend, löscht Ziele aus, und bringt über die Jahrzehnte eine rätselhafte Betäubung mit sich. Für Mütter/Väter bewegend, inszeniert sie den Weg vom begreifbaren Leben mit einem Kleinkind zum nicht steuerbaren Leben voller Rätsel mit einem Jugendlichen, der zwischen den Welten untertaucht und wie magnetisch das Familiensystem in seinen Bann zieht. Nach dem belanglosen Vorspiel des ersten Drittel des Buches schreibt sich Siri H. mit der Dichte und Spannung der Sprache und einem immer virtuoseren Fortgang der Geschichte in unser eigenes Zellgeschehen ein, legt dort bündelweise Informationen aus einem reichhaltigen Leben ab, das doch nur eine Vergänglichkeit im Schlepptau hat, die am Ende des Lebens/Buches eine Trance auslöst, fast wie ein Vorgriff auf etwas, was wir, die wir jetzt in der zweiten Lebenshälfte stehen, vorausahnen. Worauf wir zurückschauen werden, es wird sein wie eine Kurzbiographie. - . Ich habe das Buch vor mehr als einem Jahr gelesen, Siri Husvedt führt die Liste meiner geschätztesten Autorinnen an. Ich habe alles von ihr gelesen und kann ihr weiteres Werk kaum erwarten. Ein Geschenk.
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