Nachdem ich nun alle vorangegangenen Rezensionen gelesen habe, möchte auch ich mein Scherflein dazu beitragen und vielleicht auch die Argumente meiner Vorrezensenten zusammenfassen...
vorab:
Es war das erste "Hundebuch", das ich überhaupt in die Finger bekommen habe. Glücklicherweise bekam ich es von einem Bekannten zusammen mit der "Seele des Hundes" in die Hand gedrückt, nachdem ich mir meine Hündin gekauft hatte. (Anmerkung meinerseits: Die Querverweise - hab sie nachgelesen - hätte er sich wirklich schenken können: im "Hund" fasst er seine Erkenntnisse kurz und prägnant zusammen und die "Seele" ist doch schon arg dröge).
Ich habe es genossen, es zu lesen. Es ist, da stimme ich mit vielen überein, sehr anschaulich geschrieben, der Autor hat eine gute "Schreibe" und ich nehme es immer wieder zur Hand, um darin zu lesen. Aber natürlich ist es keine "Bibel" es gibt Vor- und Nachteile, die ich im folgenden etwas beleuchten möchte...
nun zum Inhalt:
der dritte Teil ist der mit den praktischen Anleitungen, ich empfehle, das Buch hier zu beginnen und dann Teil 1 und 2 zu lesen, die beide sehr unterhaltsam und durch Beispielgeschichten reich illustriert sind.
Kernaussage von Teil 1 und 2: "Jeder Hundehalter hat den Hund, den er verdient (zwinker) und den er sich entsprechend herangezogen hat. (Dazu durch anschauliche Beispiele illustriert) Problemhunde werden erst durch die falsche Behandlung dazu gemacht"
Thema "an der Leine ziehen"
Deshalb gibt er auch Tips für den Alltag, die leicht zu beherzigen sind: Dem Hund erst nach dem Herrchen bzw. der Familie das Fressen geben (2 x pro Tag füttern), immer v o r dem Hund durch die Tür gehen, v o r dem Hund die Treppen runtergehen (d.h. die Treppenstufen betreten)!
Ich habs probiert und es hat gewirkt! - Ist mir letztendlich auch egal, ob das was mit Dominanz zu tun hat oder mit schlichter Gewohnheit: Mein Hund zieht nicht mehr im Treppenhaus, geht auf allen Treppen sogar ohne Leine neben mir ohne an mir vorbeizuschießen bzw. an der Leine zu zerren.
Um der Polemik gegen das Würgehalsband die Spitze abzubrechen:
Erstmal sagt er, dass man einfach konsequent stehen bleiben soll und "nicht ziehen" sagen soll, erst dann weitergehen, wenn der Hund von selbst auf einen zukommt und somit die Leine lockert. (Und das macht eigentlich jeder Hund). Meinen Hund kann ich inzwischen mit meiner Stimme wieder korrigieren, wenn er seine Erziehung mal wieder vergisst ;-)
Die Grundlage jeglicher Erziehung sei: 100 mal loben, 10 mal korrigieren und Strafen nur in Ausnahmefällen. Strafen unterbinden unerwünschtes Verhalten, aber man muss dem Hund viel eher zeigen, was erwünscht ist (Motivation). Eine weitere Methode ist, die Richtung zu wechseln, bevor die Leine straff wird. Ich wende beide in Kombination an, letzte vorwiegend beim "Feintouning", wo es eher ums "bei Fuß" gehen geht...
Das Würgehalsband empfielt er nur als äußerste Notmaßnahme und auch auf gar keinen Fall zum Dauergebrauch, sondern für kurze, gezielte Einsätze, also als eine mögliche und auch nur äußerst sparsam einzusetzende Methode! Und dann auch mit dem deutlichen Verweis, es s o f o r t wieder zu lockern, damit der Hund gar nicht erst in das Dauerziehen verfällt. Bei Hunden, die man kräftemäßig halten kann, ist das sowieso nicht nötig. Außerdem - und hier ist er zugegebenermaßen nicht mehr auf dem neuesten Stand - sind Geschirre wohl besser zu verwenden als Halsbänder.
(Ich selber habe allerdings keine Erfahrung mit ausrastenden Schäferhunden und Rottweilern und weiß nicht, ob die mit Geschirr zu halten wären ;-))
Aber seine positiven Empfehlungen:
Eine tägliche Routine zum Üben (10 Min.), der Aufbau der Befehle "Sitz" und "Platz" "Bleib" - super!
fürs "Komm" immer lobend und aufbauend zu arbeiten: einfach toll - und es klappt! Die empfohlene 20 m Schleppleine konnte ich mir (gottseidank) schenken, aber ich hab auch keinen Welpen ;-)
Auch seine Staffelung der vom Hund empfundenen Belohnungen fand ich sehr hilfreich (also was wirkt wann am besten? Stimme, Streicheln, Leckerlis)
Die "3-Wochen-Kur" (es sind nicht zwei oder vier mit allem Respekt meinen Vorrednern gegenüber, sondern drei) hab ich als Grundlage genommen, was mein Hund alles vorab können muss -- sollte diese Kur mal notwendig werden ;-). Aber auch zum ersten Trainingsaufbau war es sehr hilfreich : tägliches Bürsten nach dem Spaziergang, tägl. 10 Min. üben. Der Aufbau der Kommandos in der angegebenen Reihenfolge. Bei uns hats gut geklappt ;-)
Alles in allem: Ein sehr lesenswertes Buch!!!
Man sollte seine Bibliothek vielleicht auch noch durch Bücher von
Dorit Feddersen-Petersen (Hundepsychologie), Sabine Winkler (Trainingsaufbau) und Turid Rugaas u. Clarissa von Reinhardt (beide über Beschwichtigungssignale) ergänzen
Ich hoffe, meine Rezension hat nicht nur Meinung, sondern auch zum Inhalt etwas wiedergegeben, das dem Interessenten ein bißchen hilft, sich eine eigene Meinung zu bilden ;-)