Im Buch "Was heilt. Vom Menschsein in der Medizin" geht es um weit mehr, als lediglich den Körper zu reparieren und Symptome verschwinden zu lassen. Essentiell ist es für den Autor, den Menschen in seiner Gesamtheit in die Behandlung einzubeziehen, mit seinem körperlichen Befinden, seiner Lebensgeschichte, seinem Umfeld, seinen Vorstellungen und Überzeugungen und seinem spirituellen Erleben. Für den Arzt kommt es darauf an, den Patienten ernst zu nehmen, ihm zuzuhören, eine Beziehung zu ermöglichen, in der sich der Patient vertrauensvoll zu öffnen vermag. Es gilt für den Arzt, seinen Fokus auf den ganzen Menschen zu richten, den er vor sich hat, auf dessen innewohnendes Potenzial zur Heilung und nicht vordergründig auf die zu behandelnde Krankheit.
Dabei hat, gemäß Platsch, jede bewährte therapeutische Vorgehensweise das Potenzial, Heilung zu bewirken. Er würdigt dabei sowohl die der Schulmedizin, als auch die der vielen Verfahren der Komplementärmedizin und der traditionellen Methoden der Heilung, von denen viele auch das Gebet einbeziehen. Eine Fülle von Ergebnissen aus der Forschung, wie auch Fallbeispiele aus der Praxis des Autors selbst, einfach und für jeden verständlich beschrieben, machen den Text auf lehrreiche Weise unterhaltsam.
Platsch weist daraufhin, dass Heilen und geheilt werden sich nicht gezielt bewirken oder erzwingen lassen; selbst, wenn man augenscheinlich "alles richtig macht" gibt es keine Garantie. Es ist eine Gnade, die geschieht oder auch nicht geschieht. In den Worten des Autors: ,Heilung ist möglich, aber nicht machbar'. Das Loslassen der Vorstellung, Kontrolle über den Ausgang einer Krankheit zu haben, bedeutet für den Arzt jedoch nicht ein Loslassen seiner professionellen Kompetenz und Urteilsfähigkeit. Es ist vielmehr ein Hin- und Hergehen zwischen erlerntem professionellen Wissen und der annehmenden Haltung des Offen-Seins für ein tieferes, ursprünglicheres Wissen, jenseits aller Konzepte und Überzeugungen - je nachdem, was der Moment erfordert. Der Arzt integriert dabei Erkenntnisse der Schulmedizin und Möglichkeiten der ganzheitlichen Medizin und geht über beide hinaus.
Platsch sieht die Wurzeln des Heilungsgeschehens im NonDualen. In Analogie zur Quantenmechanik bzw. zur Quantenfeldtheorie ist Dr. Platsch eines Bewusstseinsfeldes aller potenziellen Möglichkeiten gewärtig, aus dem heraus sich Heilung manifestieren kann. Er spricht in diesem Zusammenhang von einem "heilenden Feld", in dem Arzt und Patient nondual vereint sind.
Was heilt ist ein wichtiges und ein ergreifendes Buch. Der Autor stellt darin einen Weg vor, der die verschiedenen Ansätze des Heilens integriert und darüber hinaus geht, indem er "hinter die Kulissen blickt" und auf das fokussiert, was Heilung ermöglicht. Es ist eine Haltung, die den Patienten in seiner Gesamtheit, in seinen Bedürfnissen auf allen Ebenen wahrnimmt und annimmt und damit einer tiefen Menschlichkeit und dem, was "heilig" ist im Prozess des "Heilwerdens" wieder den gebührenden Platz einräumt.
(Diese Rezension ist in der Zeitschrift "Integrale Praxis" erschienen und wird mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin hier veröffentlicht)