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Mehr als nur Zielgruppe, 29. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Was heißt hier alt?: Anstiftung zum Eigensinn (Gebundene Ausgabe)
Die Werbung hat sie längst als Zielgruppe entdeckt - unsere Alten. Der Buchhandel folgt. Scheinbar ist es Zeit, dass zwischen den Klischees des in einem Seniorenheim dem Verfall preisgegebenen Menschen und den konsumierenden fitten Supergroßeltern eine realistische Sicht auf das Alter festzuhalten. Die Journalistin, Autorin und Moderation Lo von Gienanth erzählt deshalb von persönlichen Erfahrungen sowie von Erlebnissen ihrer Freunde und Verwandten und macht in erster Linie der Generation 60+, welcher sie selbst angehört, Mut, anhand der gebotenen Beispiele einen positiven Entwurf von Alter zu entwickeln und abseits von allen propagierten Trends oder Schreckensmeldungen einen eigenen Weg durch die letzte Lebensphase zu finden.
Altern wird weniger dargestellt als Verschleiß des Körpers sondern vor allem als eine Frage der inneren Einstellung. Die Generation 60+ hat ihr ganzes Leben lang in einer sich schnell verändernden Gesellschaft Erfahrungen darin gesammelt, mit neuartigen komplexen Konzepten im Leben umzugehen. Diese Erfahrungen machen flexibler, offener und selbständiger im Hinblick auf neue Formen des Lebens und damit auch des Alters. Die unbewusste Wut auf den körperlichen Verfall führe dabei zu Vitalität, zu einem trotzigen Aufbegehren, wie es der Untertitel des Buches als '"Anstiftung zum Eigensinn"' zusammenfasst. Es geht darum, wenigstens in besonders intensiven Momenten die Angst vor dem Tod zu verlieren, die Angst vor der Schwäche des Alters zu überwinden und zu einem Selbstbewusstsein zu finden, das es ermöglicht, die verbliebenen Jahre so zu nutzen, wie es dem individuellen Menschen am sinnvollsten erscheint. Ziel sei es, wach und lebendig zu bleiben sowie sich auf das Leben zu freuen. Dass Frau Gienanth ihre eigenen Ratschläge beherzt, wird in den geschilderten Episoden ihres Lebens deutlich.
Der größte Verdienst dieses Werkes ist es, den Lesern vor Augen zu führen, dass die 'Alten' sehr individuelle Menschen mit eigenen Erwartungen und Ansprüchen an das Leben sind, welche wie die anderen Generationen auch ihren Platz in einer Umwelt neu definieren müssen, die viele Möglichkeiten und wenig Orientierung bietet. Geprägt von Zuversicht und Vertrauen, weckt sie damit Verständnis und schafft eine Basis auf der sich die Generationen weiter verständigen können. 'Was heisst hier alt' ist damit nicht nur ein Buch für Alte sondern für alle diejenigen, die alt werden wollen.
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4.0 von 5 Sternen
Was heisst hier alt?, 21. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Was heißt hier alt?: Anstiftung zum Eigensinn (Gebundene Ausgabe)
Es gibt keine Vorbilder fürs Alter, nur Schreckensbilder. Doch die Klischees vom Alter stimmen nicht mehr, seit die meisten Menschen älter als 70 werden - und lebendig bleiben wollen bis zuletzt. Für sie ist dieses Buch: eine Streitschrift für alle, die sich das Leben nicht aus der Hand nehmen lassen. So hoch die Zahl der Jahre auch sein mag - die Wut ist jung. Wut angesichts der Zumutungen, mit denen alte Menschen konfrontiert werden. Das fängt mit harmlos wirkenden Sätzen an wie: »Kochen Sie noch alleine? Lohnt sich das denn noch?« Als traute man den Alten nichts mehr zu. Dabei haben sie allen Grund, sich etwas zuzutrauen. Lo von Gienanth erzählt von eigenen Erfahrungen, von Erlebnissen von Freunden und Verwandten, die wie Brechts »unwürdige Greisin« den Mut hatten, den eigenen, anderen Weg zu gehen. Und es zeigt sich: Gerade die Generation der 60- und 70-Jährigen hat ihr Leben selbst gestaltet - und damit eine Kraft bewiesen, die sich nun auch fürs Alter aktivieren lässt.
Ihr ganzes Leben lang hat sich die Generation 60+ in einer sich schnell verändernden Gesellschaft Erfahrungen darin gesammelt, mit neuartigen komplexen Konzepten im Leben umzugehen. Dabei wird das Altern weniger als Verschleiß der Körpers dargestellt. Viel mehr als eine Frage der Inneren Einstellung. Diese Erfahrungen machen flexibler, offener und selbständiger im Hinblick auf neue Formen des Lebens und damit auch des Alters. Die unbewusste Wut auf den körperlichen Verfall führe dabei zu Vitalität, zu einem trotzigen Aufbegehren, wie es der Untertitel des Buches als "Anstiftung zum Eigensinn" zusammenfasst. Es geht darum, wenigstens in besonders intensiven Momenten die Angst vor dem Tod zu verlieren, die Angst vor der Schwäche des Alters zu überwinden und zu einem Selbstbewusstsein zu finden.
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