Dieser Beitrag war überfällig: Endlich ein allgemeinverständliches Buch zum Abendmahl aus evangelischer Sicht, das die ökumenischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts präzise in den Blick nimmt, indem es etwa sämtliche Dokumente des ökumenischen Dialogs von 1931 bis 1990 einbezieht '- von den Gesprächen der Anglikanern mit den Altkatholiken oder Orthodoxen, über die Gespräche der Baptisten mit den Lutheranern, bis zu denen der Reformierten mit den römischen Katholiken.
Endlich ein deutlich positioniertes Buch zum Abendmahl, das anderen Haltungen mit Respekt und Lernbereitschaft begegnet, sogar der katholischen Marienfrömmigkeit, ohne den eigenen evangelischen, an der Bibel orientierten Standpunkt zu verleugnen, und ohne Rückschritte im Dialog nicht konsequent und präzise beim Namen zu nennen wie das päpstliche Rundschreiben "Ecclesia de Eurachistia" von Johannes-Paul II.
Endlich ein theologisches Buch zum Abendmahl, das auch die rituelle und spirituelle Praxis ernst nimmt und dazu etwas zu sagen hat, statt sich in theologischen Spitzfindigkeiten ohne Praxisbezug zu verlieren, wenn etwa die typisch protestantische, ziemlich leibfeindliche Unsitte bemängelt wird, beim Orgelnachspiel sitzen zu bleiben, statt festlich gestimmt zur Musik (!) sich bewegend (!) das im Abendmahl Erlebte aus der Kirche hinaus zu tragen. Oder stärker noch, wenn der tiefere Sinn von Essen und Trinken im Abendmahl durchdacht wird.
Endlich ein reflektiertes Buch zum Abendmahl, das sich nicht zu schade ist, auch auf die kleinen Feinheiten einer Abendmahlsfeier einzugehen und daraus bedeutsame Gedanken zu entwickeln, seien es oft übersehene aber starke Details wie der Friedensgruß, seien es gedankenlose Schlampereien wie der respektlose Umgang mit den Elementen, der auch evangelisch gesehen der Bedeutung der Feier nicht gerecht wird.
Endlich ein höchst wissenschaftliches Buch zum Abendmahl, das gut lesbar ist, auch weil es persönliche Erlebnisse und Erfahrungen nicht ohne Humor mit einstreut und eigene Emotionen mit Erkenntnisgewinn weiter gibt. So menschlich nahe wünschte ich mir manch anderen Beitrag zur Theologie!
Endlich ein die Tradition ernst nehmendes Buch zum Abendmahl, das dennoch zeitgenössisch und modern argumentiert und sogar tapfer zeigen kann, dass Augustinus und Martin Luther im Verbund geirrt hätten, das aber an keiner Stelle sich dem Zeitgeist anbiedert oder Zuflucht in gegenwärtigen Banalitäten wie "Wir meinen doch irgendwie alle dasselbe" sucht.
So war der Beitrag von Welker überfällig. Denn er bietet den Feiernden einen Schlüssel für den Sinn des Abendmahls, damit sie es reflektierter und emotional tiefer genießen können und wieder wissen, welchen Schatz sie im Abendmahl haben. Er bietet den Praktikern wertvolle Tipps zur Gestaltung und den vertieften Blick für Schönheit, Tragweite und Würde dessen, was sie da tun. Er bietet den ökumenisch interessierten Christen aller Konfessionen einen durchdachten Überblick über das Gespräch der Kirchen zum Abendmahl, aktuell, gründlich und weiterführend. Und nicht zuletzt lässt er evangelische Christinnen und Christen besser verstehen, was typisch evangelisch ist und wie wertvoll der evangelische Beitrag zur Diskussion um das Abendmahl ist - und wo die Protestanten tunlichst und mit Gewinn von anderen zu lernen haben:
Hochkultur des Dialogs.