Ich kann das Buch absolut empfehlen. Leider ist, wie schon in einer anderen Rezension erwähnt, der Haupt-Titel völlig falsch gewählt. Dieser klingt so nach Hinsetzen, etwas Schönes essen und ausspannen. Darum geht es nicht. Es geht auf ärztlicher Basis, mit jahrzehntelanger Erfahrung, auch mit eigener Klinik, um Ernährung und Ergänzung von Mikronährstoffen bei echten Krankheitssymptomen, wie Depressionen, Stress, Suchtproblemen, Reizbarkeit, Ängsten, AD(H)S, Schlafstörungen, PMS usw. Sehr klein geschrieben ist dies auch auf der Buchvorderseite erwähnt. Es heiß weiter: Wissenschaftlich fundiert - wirkt innerhalb von 24 Stunden. Nun gut, bei mir waren es zwei Tage, nach 5 Wochen Pillen schlucken ohne Ergebnis.
Dieses Buch kann man nicht in 5 Minuten lesen und verstehen. Man sich damit beschäftigen, um auch zwischen den Zeilen und in Halbsätzen das umfangreiche Wissen erkennen zu können.
Alle Behandlungsvorschläge enthalten genaue Dosierungsangaben und Zeitabläufe. Es wird zu einem Ernährungs- und Ergänzungsmittel-Masterplan hingeführt, den man sich selbst aufstellt. Alle Wirkstoffe sind in Deutschland problemlos erhältlich, im Sport(Bodybuilder)-Shop oder der Apotheke. Grundlage aller Überlegungen ist eine moderne Ernährung, wie sie auch von Dr. Strunz empfohlen wird, mit viel Eiweiß, gesunden Fetten und wenig schlechten Kohlenhydraten. Es wird umfangreich auf Nahrungsmittelprobleme- und Allergien eingegangen und, inwieweit sie zu den behandelten Krankheiten beitragen können. Das reicht von Getreide, über Soja bis Schokolade.
Hier der Text einer Rezension, die beim ersten Versuch einer Veröffentlichung wegen eingestellter Internetadressen von Amazon abgewiesen wurde. Es wäre schade, dies nicht noch einmal einzustellen, auch wenn ein paar Einschätzungen somit doppelt sind.
Meine erste Rezension:
Gesunde Ernährung, also "normale Nahrung", wird ergiebig unter dem Tenor des Buches erklärt. Dabei geht es um Kohlenhydrate (Zucker, Getreide), Fette (gute schlechte Öle, Butter, Milch), Eiweiß (Milchprodukte, Fleisch), ungesunde Lebensmittel wie Kaffee, Schokolade usw. usf..
Ausführlich sind dann Nahrungsergänzungsmittel wie Aminosäuren (Eiweißbausteine), essentielle Fette (Fisch), andere Fette und Vitamine und Mineralien (zum Beispiel Magnesium) aufgeführt. Diese sollen für begrenzte Zeit zusätzlich aufgenommen werden, um die in den Fragebögen ermittelten individuellen Probleme zu lösen (Stress, Gene, PMS, Depression).
Derartiges Wissen kann man auch in Fachbüchern wie Gröber "Mikronährstoffe" oder "Burgersteins Handbuch Nährstoffe" nachlesen, allerdings nicht so ausführlich auf die spezielle Symptomatik abgestimmt.
Bei Julia Ross ist die gesamte Ernährungssituation in Hinsicht auf psychisches Wohlbefinden genau erklärt. Es wird stets auf Kooperation mit anderen behandelnden Ärzten, wie Psychologen hingewiesen, da beispielsweise bei Depressionen die einer Störung zugrunde liegenden psychischen Probleme nicht bloß durch Korrektur der "Körperchemie" in Griff bekommen werden können.
Zusätzlich wird darauf eingegangen, dass mit den vorgeschlagenen Nahrungsergänzungsmitteln nicht in jedem Fall befriedigende Ergebnisse erzielt werden, so dass der Einsatz von SSRI oder anderen Medikamenten erforderlich werden kann.
Weitere Zusammenhänge von psychischen Befindlichkeiten bei Problemen mit der Schilddrüse, den Nebennieren und den Sexualhormonen werden ausführlich dargestellt, dass Anhaltspunkte findet, ob hier Probleme vorliegen könnten. Des Weiteren wird auf die entsprechenden Laborprüfungen eingegangen. Das alles ist so genau erklärt, wie es wahrscheinlich vielen Ärzten nicht klar ist.
Man sollte "interessierter Laie" sein und das Buch mehrfach lesen, um alles untereinander zuordnen zu können. Dann begreift man beispielsweise, weshalb die Stärkung von Serotonin -durch SSRI und/oder 5-HTP oder Tryptophan - verschiedene, sich teils widersprechende Ergebnisse haben kann. Bei weiterem Lesen findet man dann geeignete Handlungsvorschläge, die in einigen Fällen durch mehrfache Veränderung und Anpassung der Strategie zu den gewünschten Ergebnissen führen können.
Jeder mit Depressionen, Schlafstörungen, Erschöpfungszuständen, Suchtproblemen (Essen, Tabak, Alkohol, Drogen) sollte dieses Buch lesen und eventuell zu seinem Arzt mitnehmen. Es sind jeweils genaue Dosierungsvorschläge und Einnahmetageszeiten aufgeführt. Mit Hilfe des Buches kann ein Ernährungs- und Nahrungsergänzungsmittel-Plan aufgestellt werden.
Mir selbst hat eine der aufgeführten Aminosäuren in Ergänzung zu einem SSRI, welcher nur schwach geholfen hat, den Durchbruch gebracht.
Wie im echten Leben sollte man alles kritisch prüfen. So sollte man seinem Arzt nicht bedingungslos vertrauen und auch keinem Buch. Ich denke aber, dass keine gefährlichen Tipps gegeben werden, so dass nichts passieren kann, außer man behält (leider) seine Depression.
Auf ein Problem, welches ich nicht genau lösen konnte und das nur kurz in einem Satz erwähnt wird, bin ich jedoch gestoßen. In dem Buch wird die Aminosäurenkombination D-L-Phenylalanin für verschiedene Indikationen, wie beispielsweise Steigerung der Endorphine, vorgeschlagen. Es gibt Studien, in denen dargestellt wird, dass möglicherweise bei vorhandenem Krebs, speziell Melanom, die Zellteilungsgeschwindigkeit erhöht werden kann. Ein Produkt, wo ich diesen Hinweis gefunden habe, gibt es bei der Life Extension Foundation, einer amerikanischen, gemeinnützigen Organisation mit NEM-Verkauf . Beim dort angebotenen Phenylalanin und Tyrosin werden die Risiko-Hinweise gegeben.
Die Begeisterung von Julia Ross für Eier als Eiweißquelle, kann ich nur bedingt nachvollziehen. Zum Einen wird Omega3-Fettsäure als nützlich dargestellt, zum Anderen aber Eier empfohlen. Im Eigelb ist reichlich Arachidonsäure (AA) enthalten, die ein Gegenspieler der Omega3-Fettsäure ist. Somit würde der Vorteil des Fisches oder von Fischölkapseln wieder zunichte gemacht. Arachidonsäure ist ebenfalls, in unterschiedlicher Menge, in Fleisch und Milchprodukten enthalten. In Büchern von Dr. Strunz wird die Verwendung von hochwertigem Eiweißpulver vorgeschlagen. Dieses könnte man ergänzend als gesunde Nahrungsquelle nutzen, da darin, in verbesserter Zusammenstellung, alle wichtigen Aminosäuren enthalten sind, praktisch ohne Kohlenhydrate und Fette.
Im Folgenden noch Auszüge aus drei E-Mails, die ich an Freunde und Bekannte geschrieben habe.
Viel Spaß mit dem Buch
W. Hoffmann
Auszüge aus E-Mails:
Der Serotonin-Wideraufnahmehemmer (SSRI) hat nach meiner Aufzeichnung bei mir nicht gewirkt. Das wird sich genauer zeigen, wenn ich ihn komplett ausgeschlichen habe. Da das Zeug meinen Zustand nur unwesentlich verbessert hat, habe ich mich mit dem ganzen Thema noch einmal intensiv auseinander gesetzt und bin durch Zufall auf ein sehr interessantes Buch gestoßen, welches wahrscheinlich die Lösung gebracht hat. Es ist geschrieben von einer amerikanischen Ärztin, mit jetzt eigener Klinik und jahrelangen Erfahrungen. Beim Lesen ist mir klar geworden, dass die Ansätze der (meisten) Psychiater, zumindest im ersten Versuch, unzureichend bis falsch sind. Als ich meinen zweiten, für mich abschließenden, Termin hatte, ist mir das beim Gespräch klar geworden, als ich dem Arzt meine "Aminosäurenüberlegungen" aus dem Buch vorgestellt habe. Er hat es als fast wirkungslos verworfen. Er meinte, die normal Ernährung in unserer westlichen Gesellschaft wäre ausreichend. Das ist natürlich Unsinn. Im Buch ist erklärt, wieso das nicht stimmt, weil eben in unserer westlichen Gesellschaft Fehlernährung alltäglich ist (Fastfood, Zucker, Alkohol usw.) Am gleichen Tag war zu diesem Thema im Spiegel ein Artikel mit Kritik an der Arbeit der Psychiater.
So wie auf der Vorderseite des Buches angegeben "wissenschaftlich fundiert - wirkt in 24 Stunden -" war es bei mir. Im Buch selbst wird das natürlich relativiert, weil es kein Zauberbuch ist. Es sind alle Zusammenhänge bis zu erschöpften Nebennieren und schlecht arbeitender Schilddrüse, inkl. empfohlene Laborteste, erklärt. Die Themenbreite reicht von Erschöpfung, Depression, AD(H)S, Schlafproblemen bis zur Suchtüberwindung (Alkohol, Rauschgifte). Behandelt wird vorrangig mit Aminosäuren auf der Basis einer eiweißreichen, kohlenhydratarmen (fast ohne Zucker, Weiß-Mehl, Alkohol e.c.t.) und gesunde Fette (Fisch und gesättigte Fettsäuren) enthaltenden Kost. Entzündlich wirkende Fette, wie alle Pflanzenöle, außer Olivenöl, Leinöl und teilweise Rapsöl, müssen vermieden werden. Somit sind Sonnenblumenöl, Margarine usw. weitgehend verboten. Zum Braten werden Butterfett und Kokosfett genommen.
Nach Abschluss der Behandlung bleibt die Ernährung "übrig", die zusätzlichen Aminosäuren können weggelassen werden. Es wird auch auf Zusammenhänge mit Medikamenten wie SSRI, MAO-Hemmern usw. eingegangen, die nicht verteufelt werden und im Zweifelsfall eingesetzt.
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