Der Kurzgeschichtenband des ehemaligen "Tempo"-Autors Eckhart Nickel stellt in erster Linie ein Buch über das Reisen, über das Gefühl des Sich-Fortbewegens an sich dar. Dabei steht für Nickel jedoch nicht Chatwins romantische Idee des Reisens als Rückkehr zu unseren nomadischen Wurzeln im Mittelpunkt. Die hilflose Suche nach Verbindlichkeit, die Nickels Figuren in entlegene Orte treibt, mündet eben nicht, wie noch bei Chatwin, in die Erlösung, sondern in Verzweiflung und Tod. Das erinnert an Paul Bowles: Nickels Helden glauben an Neuanfang, doch die Vergangenheit holt sie überall ein; es gibt für sie kein Entkommen. Aufgrund ihrer absurden Komik stehen die Geschichten jedoch auch in der Tradition von Evelyn Waugh oder Robert Byron. Formal fällt ein starker Experimentierwille auf; zudem arbeitet Nickel viel mit Zitaten aus der Popkultur der 80er und 90er Jahre. Dass man das alles gern liest, liegt wohl am leichten, aber doch sehr überlegenen und anspruchsvollen Erzählton. Zwar versteht Nickel es zu unterhalten, jedoch tut sich hinter der glitzernden Oberfläche zumeist ein tiefer Abgrund auf. In den oft traurigen, manchmal humorvollen Episoden übt Nickel subtile Kritik an den Verhältnissen: Nickel ist kein Zyniker, sondern ein Ästhet.