Pressestimmen
»Die Geschichte der ganzen Menschheit auf nur 370 Seiten erzählen? Wahrlich kein leichtes Unterfangen! Doch Loel Zwecker meistert diese Herausforderung mit Bravour und bietet kompakten Überblick über die Weltgeschichte. Anstatt nur historisches Faktenwissen aneinanderzureihen, entführt der Autor den Leser auf eine kurzweilige Reise in faszinierende Epochen.« (Geschichte )
»Eine unbedingte Empfehlung - nicht nur für jene, die ihr Geschichtswissen auffrischen möchten.« (Profil )
»Die geschichtlichen Ereignisse werden herangezoomt und sind uns plötzlich ganz nah. Wer nach der Lektüre dieses Buches nicht anfängt, sich näher mit Geschichte zu befassen, ist selbst schuld.« (buchblinzler.blogspot.com, 21.09.2010 )
»Eine unbedingte Empfehlung - nicht nur für jene, die ihr Geschichtswissen auffrischen möchten.« (Profil )
»Die geschichtlichen Ereignisse werden herangezoomt und sind uns plötzlich ganz nah. Wer nach der Lektüre dieses Buches nicht anfängt, sich näher mit Geschichte zu befassen, ist selbst schuld.« (buchblinzler.blogspot.com, 21.09.2010 )
Kurzbeschreibung
Ein Roadmovie durch die Geschichte der Menschheit
Loel Zwecker nimmt uns mit auf eine rasante Reise durch die Menschheitsgeschichte – von den ersten Schriftkulturen in Ägypten, Mesopotamien und Palästina über die europäische Antike, die Hochkulturen Asiens, das Mittelalter bis in die Welt unserer Tage. Originell, klug und überaus unterhaltsam beleuchtet er dabei die vergangenen Epochen rund um den Erdball. Es gibt viel zu entdecken!
In seiner kleinen Weltgeschichte blickt Loel Zwecker zurück auf die letzten fünf Jahrtausende, in denen die Menschen umwälzende Erfindungen machten, riesige Reiche aufbauten und wieder zerstörten, verschiedensten Religionen und Göttern anhingen, brutale Kriege führten und beeindruckende Kunstwerke schufen.
Durch Vergleiche mit unserem Leben heute gelingt es Zwecker, Geschichte gegenwärtig und verständlich zu machen. So widmet er sich unter anderem dem Siegeszug des jüdischen Monotheismus – nur ein Gott, keine Bilder, dafür eine tolle Story –, erklärt, wie das Neue Testament zum Bestseller werden konnte, wie Basisdemokratie bei den Indianern Nordamerikas funktionierte, wie Maria Theresia die Doppelbelastung als Mutter von 16 Kindern und Herrscherin eines Vielvölkerstaats meisterte, indem sie in Österreich eine moderne Verwaltung schuf, und wie die Propaganda und damit die Urmutter der Werbung erfunden wurde.
Zweckers Buch ist nicht nur überaus lehrreich, es katapultiert den Leser auch direkt in eine manchmal bekannte, manchmal völlig fremde, faszinierende Vergangenheit.
Loel Zwecker nimmt uns mit auf eine rasante Reise durch die Menschheitsgeschichte – von den ersten Schriftkulturen in Ägypten, Mesopotamien und Palästina über die europäische Antike, die Hochkulturen Asiens, das Mittelalter bis in die Welt unserer Tage. Originell, klug und überaus unterhaltsam beleuchtet er dabei die vergangenen Epochen rund um den Erdball. Es gibt viel zu entdecken!
In seiner kleinen Weltgeschichte blickt Loel Zwecker zurück auf die letzten fünf Jahrtausende, in denen die Menschen umwälzende Erfindungen machten, riesige Reiche aufbauten und wieder zerstörten, verschiedensten Religionen und Göttern anhingen, brutale Kriege führten und beeindruckende Kunstwerke schufen.
Durch Vergleiche mit unserem Leben heute gelingt es Zwecker, Geschichte gegenwärtig und verständlich zu machen. So widmet er sich unter anderem dem Siegeszug des jüdischen Monotheismus – nur ein Gott, keine Bilder, dafür eine tolle Story –, erklärt, wie das Neue Testament zum Bestseller werden konnte, wie Basisdemokratie bei den Indianern Nordamerikas funktionierte, wie Maria Theresia die Doppelbelastung als Mutter von 16 Kindern und Herrscherin eines Vielvölkerstaats meisterte, indem sie in Österreich eine moderne Verwaltung schuf, und wie die Propaganda und damit die Urmutter der Werbung erfunden wurde.
Zweckers Buch ist nicht nur überaus lehrreich, es katapultiert den Leser auch direkt in eine manchmal bekannte, manchmal völlig fremde, faszinierende Vergangenheit.
Über den Autor
Loel Zwecker, geboren 1968, ist Autor und Übersetzer. Er hat über das Thema Kunst und Politik promoviert und war Dozent für Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Er schreibt für verschiedene Zeitungen, u.a. die Süddeutsche Zeitung, Le Monde und die Neue Zürcher Zeitung. Zuletzt erschien von ihm das Buch Picassos Purpur-Periode (2006) über das kommunistische Engagement des Künstlers.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
2,5 Millionen Jahren Vorgeschichte
Rund 200 Kilometer westlich von Windhuk in Namibia steht ein Berg namens Spitzkoppe in der Wüste, der wegen seiner markanten Form bekannt ist. In der Nähe war ich vor einigen Jahren mit ein paar Freunden zelten. Gegen Abend setzte ich mich etwas abseits von den anderen auf einen Felsen. Als die Sonne hinter dem Berg verschwand, herrschten auf einen Schlag absolute Finsternis, Stille und die Kälte der nächtlichen Wüste.
Ich stellte mir vor, wie hier, wo ich jetzt saß, vor langer Zeit Buschmänner als Jäger und Sammler gelebt haben. Wie sie vielleicht tags in der Hitze nach Wurzeln suchten und abends mit dürren Sträuchern Feuer machten, zusammenrückten, um einander zu wärmen. Nach einer Weile fühlte ich die Einsamkeit der Wüstennacht und war zugleich begeistert über die Weite, Intensität und Klarheit der Eindrücke. Ich konnte nachvollziehen, warum die Entstehung der monotheistischen Religionen immer wieder - unwissenschaftlicherweise - mit der Wüstenlandschaft in Verbindung gebracht wurde. Ist man dem Nichts, der Einsamkeit dieser kargen Natur ausgesetzt, sucht man nach Orientierung, einem großen Gegenüber und möchte es vielleicht im göttlichen Sternenhimmel finden, der in der Wüste besonders klar leuchtet. So entstanden womöglich auch Geschichten wie jene aus dem Alten Testament, der zufolge der biblische Gott Jahwe Moses im Sinai auf dem Gottesberg Horeb als brennender Dornbusch erschien (Exodus 3,2-4,17).
Zwar gibt es an der Spitzkoppe keine brennenden Dornbüsche, doch gilt das Massiv als eine Art heiliger Berg der Buschmänner. Tagsüber hatte ich in der Nähe Felsmalereien gesehen, vermutlich jahrtausendealte Zeugnisse magischkultischen Denkens. Als ich dann abends auf dem Felsen saß, fühlte ich mich als Teil einer längeren Geschichte und meinte, ihre Gegenwart zu spüren.
Als ich Ende 2008 die Idee hatte, eine kleine Weltgeschichte zu schreiben, die einen Überblick bietet und zugleich lebendige Eindrücke und verschiedene Perspektiven vermittelt, erinnerte ich mich an mein Erlebnis. Ich fragte mich, welche Momente persönlich erlebter Geschichte wohl für andere wichtig sind. Ich machte eine kleine Privatumfrage. Bei Treffen, Abendessen und auf Partys wollte ich von insgesamt rund 60 Freunden und Bekannten wissen: »Wann hast du dich zum ersten Mal als Teil der Geschichte gefühlt?« Ich erklärte, dass es kein historisches Ereignis wie der Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 sein müsse, das man in Geschichtsbüchern findet. Es dürfe auch ein persönlicher Moment sein, in dem man sich vergegenwärtigen konnte, wie Menschen früher gelebt haben oder in dem man schlicht historische Bedeutung gespürt habe.
Der Mauerfall am 9. November 1989 wurde tatsächlich am häufigsten genannt. Am zweithäufigsten wurden die Terroranschläge der Roten Armee Fraktion (RAF) in den siebziger Jahren angeführt. Insgesamt war die Bandbreite der Antworten aber groß. Ein Freund nannte den Moment, als er Mitte der achtziger Jahre Mitglied bei Greenpeace geworden war, in der Hoffnung, mal bei einer Schlauchboot-
Aktion gegen die Meeresverschmutzung mitmachen zu können. Für einen Chemiker war der Tag historisch, an dem er im Rahmen seiner Doktorarbeit eine Verbindung mischte, die es vorher nicht gegeben hatte. Für eine 40-Jährige war es die Geburt ihres ersten Kindes. Eine andere dachte an ihre Jugendlektüre Das kurze Leben der Sophie Scholl. Einige Befragte, die bereits über 70 waren, sprachen über ihre Kindheitserlebnisse im Zweiten Weltkrieg. Ein 60-Jähriger erinnerte sich an den Moment, in dem er im Radio eines Linienbusses die Nachricht von der Ermordung John F. Kennedys am 22. November 1963 hörte. Ein Ereignis, bei dem alle wissen, wo sie zum Zeitpunkt des Geschehens waren, die Anschläge vom 11. September 2001, nannten vor allem Leute in ihren Zwanzigern.
Manche sahen sich in Sachen Geschichtsträchtigkeit eher als Beobachter, andere als aktiv an der Gestaltung der Geschichte beteiligt. Einige jüngere Befragte hatten allerdings gar keinen historischen Moment parat. Und eine Engländerin wunderte sich über sich selbst, weil ihr als Erstes der dramatische Sieg mit zwei Toren in der Nachspielzeit von Manchester United gegen den FC Bayern München im Champions-League-Finale von i999 einfiel. Die Antwort ist insofern bezeichnend, als sie zeigt, dass meine Generation im Allgemeinen nicht durch schwerwiegende historische Ereignisse geprägt ist, die das eigene Leben fortan in andere Bahnen gelenkt oder es gar gefährdet hätten. Die Ausnahme war eine Vietnamesin, die in den USA aufgewachsen ist: Sie nannte die Flucht ihrer Familie vor den Kommunisten aus Vietnam im Jahr i979. Bei der Bootsfahrt über das Chinesische Meer verdurstete ihr dreijähriger Bruder.
Natürlich sind noch heute historisch bedeutende Momente für viele Menschen direkt mit Krieg, Flucht und Armut verknüpft. Eine Milliarde Menschen - jeder siebte - hungern zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Für sie, die täglich neu ums Überleben kämpfen, scheinen selbst weltweit wahrgenommene historische Ereignisse wie die Wahl Barack Obamas zum ersten schwarzen US-Präsidenten im November 2008 weniger wichtig.
Meine Umfrage ist natürlich nicht repräsentativ, und schon in unserem Nachbarland Frankreich hätte es wohl weder der Mauerfall noch die RAF auf die ersten Plätze geschafft. Doch zeigt sie beispielhaft, an welch unterschiedlichen Punkten für verschiedene Menschen Geschichte anfängt, wo die Geschichte aus den Geschichtsbüchern im Alltag auf das eigene Leben trifft.
Derartige Überlegungen sind in das vorliegende Buch mit eingeflossen. Es enthält in 15 Kapiteln die wichtigsten Fakten, Ereignisse, Personen und Theorien vom alten Ägypten bis heute. Doch erst wenn man zwischendurch auf persönliche Augenblicke bekannter und weniger bekannter Personen zoomt und damit auf ihre jeweils zeitgenössische Sicht auf unterschiedlichste Themen wie Religion, Terror, Krieg, Sport, Kinderkriegen oder Heldentum, wird die Geschichte lebendig und gegenwärtig. So kann man die Geschichte großer Ereignisse mit der Geschichte des Alltags verbinden, der Kultur, der Mentalitäten und Weltbilder. Der alte, seit der Antike gültige Anspruch der Geschichtsschreibung, magistra vitae (Cicero), eine »Lehrerin fürs Leben«, zu sein, lässt sich immer wieder neu umsetzen. Dabei kann auch ein vergleichender Blick auf andere Weltregionen erstaunliche Ergebnisse liefern - zum Beispiel ein Blick auf das mittelalterliche Amerika, Afrika und Australien vor der Entdeckung durch Europäer im 16. Jahrhundert.
Natürlich kann man, wenn man die Weltgeschichte in einem vergleichsweise schmalen Buch darstellen will, nicht auf alles gleichermaßen ausführlich eingehen, sondern muss gelegentlich etwas bündeln, verkürzen oder auch Beispielhaftes herausstellen. Ist man gezwungen, Schwerpunkte zu setzen, kann das aber, so hoffe ich, auch hilfreich sein, weil man immer wieder die größeren Entwicklungen und Zusammenhänge im Blick hat. So kann man Vergleiche ziehen, sich zum Beispiel bewusst machen, auf welche je unterschiedliche Weise Systeme wie der Kommunismus und Kapitalismus, Katholizismus und Konfuzianismus zu verschiedenen Zeiten Vorstellungen über Individualismus und beruflichen Erfolg verändert haben.
Allerdings ist der Teil der Geschichte, in dem solche Vorstellungen überhaupt eine Rolle spielen, extrem kurz im Vergleich zur sogenannten Vorgeschichte des Menschen. Diese wiederum reicht von den Anfängen des Werkzeuggebrauchs vor etwa 2,5 Millionen Jahren bis zur Frühgeschichte, die man mit der Erfindung der Schrift um 3000 v. Chr. beginnen lässt. Aus der Vorgeschichte und der noch viel längeren Erdgeschichte kann man sich in einer kleinen Weltgeschichte in groben Zügen die Dinge vergegenwärtigen, die für das Verständnis der späteren und aktuellen Menschheitsgeschichte besonders hilfreich sind.
Von der Entstehung der Erde zur Sesshaftwerdung des Menschen -...
Rund 200 Kilometer westlich von Windhuk in Namibia steht ein Berg namens Spitzkoppe in der Wüste, der wegen seiner markanten Form bekannt ist. In der Nähe war ich vor einigen Jahren mit ein paar Freunden zelten. Gegen Abend setzte ich mich etwas abseits von den anderen auf einen Felsen. Als die Sonne hinter dem Berg verschwand, herrschten auf einen Schlag absolute Finsternis, Stille und die Kälte der nächtlichen Wüste.
Ich stellte mir vor, wie hier, wo ich jetzt saß, vor langer Zeit Buschmänner als Jäger und Sammler gelebt haben. Wie sie vielleicht tags in der Hitze nach Wurzeln suchten und abends mit dürren Sträuchern Feuer machten, zusammenrückten, um einander zu wärmen. Nach einer Weile fühlte ich die Einsamkeit der Wüstennacht und war zugleich begeistert über die Weite, Intensität und Klarheit der Eindrücke. Ich konnte nachvollziehen, warum die Entstehung der monotheistischen Religionen immer wieder - unwissenschaftlicherweise - mit der Wüstenlandschaft in Verbindung gebracht wurde. Ist man dem Nichts, der Einsamkeit dieser kargen Natur ausgesetzt, sucht man nach Orientierung, einem großen Gegenüber und möchte es vielleicht im göttlichen Sternenhimmel finden, der in der Wüste besonders klar leuchtet. So entstanden womöglich auch Geschichten wie jene aus dem Alten Testament, der zufolge der biblische Gott Jahwe Moses im Sinai auf dem Gottesberg Horeb als brennender Dornbusch erschien (Exodus 3,2-4,17).
Zwar gibt es an der Spitzkoppe keine brennenden Dornbüsche, doch gilt das Massiv als eine Art heiliger Berg der Buschmänner. Tagsüber hatte ich in der Nähe Felsmalereien gesehen, vermutlich jahrtausendealte Zeugnisse magischkultischen Denkens. Als ich dann abends auf dem Felsen saß, fühlte ich mich als Teil einer längeren Geschichte und meinte, ihre Gegenwart zu spüren.
Als ich Ende 2008 die Idee hatte, eine kleine Weltgeschichte zu schreiben, die einen Überblick bietet und zugleich lebendige Eindrücke und verschiedene Perspektiven vermittelt, erinnerte ich mich an mein Erlebnis. Ich fragte mich, welche Momente persönlich erlebter Geschichte wohl für andere wichtig sind. Ich machte eine kleine Privatumfrage. Bei Treffen, Abendessen und auf Partys wollte ich von insgesamt rund 60 Freunden und Bekannten wissen: »Wann hast du dich zum ersten Mal als Teil der Geschichte gefühlt?« Ich erklärte, dass es kein historisches Ereignis wie der Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 sein müsse, das man in Geschichtsbüchern findet. Es dürfe auch ein persönlicher Moment sein, in dem man sich vergegenwärtigen konnte, wie Menschen früher gelebt haben oder in dem man schlicht historische Bedeutung gespürt habe.
Der Mauerfall am 9. November 1989 wurde tatsächlich am häufigsten genannt. Am zweithäufigsten wurden die Terroranschläge der Roten Armee Fraktion (RAF) in den siebziger Jahren angeführt. Insgesamt war die Bandbreite der Antworten aber groß. Ein Freund nannte den Moment, als er Mitte der achtziger Jahre Mitglied bei Greenpeace geworden war, in der Hoffnung, mal bei einer Schlauchboot-
Aktion gegen die Meeresverschmutzung mitmachen zu können. Für einen Chemiker war der Tag historisch, an dem er im Rahmen seiner Doktorarbeit eine Verbindung mischte, die es vorher nicht gegeben hatte. Für eine 40-Jährige war es die Geburt ihres ersten Kindes. Eine andere dachte an ihre Jugendlektüre Das kurze Leben der Sophie Scholl. Einige Befragte, die bereits über 70 waren, sprachen über ihre Kindheitserlebnisse im Zweiten Weltkrieg. Ein 60-Jähriger erinnerte sich an den Moment, in dem er im Radio eines Linienbusses die Nachricht von der Ermordung John F. Kennedys am 22. November 1963 hörte. Ein Ereignis, bei dem alle wissen, wo sie zum Zeitpunkt des Geschehens waren, die Anschläge vom 11. September 2001, nannten vor allem Leute in ihren Zwanzigern.
Manche sahen sich in Sachen Geschichtsträchtigkeit eher als Beobachter, andere als aktiv an der Gestaltung der Geschichte beteiligt. Einige jüngere Befragte hatten allerdings gar keinen historischen Moment parat. Und eine Engländerin wunderte sich über sich selbst, weil ihr als Erstes der dramatische Sieg mit zwei Toren in der Nachspielzeit von Manchester United gegen den FC Bayern München im Champions-League-Finale von i999 einfiel. Die Antwort ist insofern bezeichnend, als sie zeigt, dass meine Generation im Allgemeinen nicht durch schwerwiegende historische Ereignisse geprägt ist, die das eigene Leben fortan in andere Bahnen gelenkt oder es gar gefährdet hätten. Die Ausnahme war eine Vietnamesin, die in den USA aufgewachsen ist: Sie nannte die Flucht ihrer Familie vor den Kommunisten aus Vietnam im Jahr i979. Bei der Bootsfahrt über das Chinesische Meer verdurstete ihr dreijähriger Bruder.
Natürlich sind noch heute historisch bedeutende Momente für viele Menschen direkt mit Krieg, Flucht und Armut verknüpft. Eine Milliarde Menschen - jeder siebte - hungern zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Für sie, die täglich neu ums Überleben kämpfen, scheinen selbst weltweit wahrgenommene historische Ereignisse wie die Wahl Barack Obamas zum ersten schwarzen US-Präsidenten im November 2008 weniger wichtig.
Meine Umfrage ist natürlich nicht repräsentativ, und schon in unserem Nachbarland Frankreich hätte es wohl weder der Mauerfall noch die RAF auf die ersten Plätze geschafft. Doch zeigt sie beispielhaft, an welch unterschiedlichen Punkten für verschiedene Menschen Geschichte anfängt, wo die Geschichte aus den Geschichtsbüchern im Alltag auf das eigene Leben trifft.
Derartige Überlegungen sind in das vorliegende Buch mit eingeflossen. Es enthält in 15 Kapiteln die wichtigsten Fakten, Ereignisse, Personen und Theorien vom alten Ägypten bis heute. Doch erst wenn man zwischendurch auf persönliche Augenblicke bekannter und weniger bekannter Personen zoomt und damit auf ihre jeweils zeitgenössische Sicht auf unterschiedlichste Themen wie Religion, Terror, Krieg, Sport, Kinderkriegen oder Heldentum, wird die Geschichte lebendig und gegenwärtig. So kann man die Geschichte großer Ereignisse mit der Geschichte des Alltags verbinden, der Kultur, der Mentalitäten und Weltbilder. Der alte, seit der Antike gültige Anspruch der Geschichtsschreibung, magistra vitae (Cicero), eine »Lehrerin fürs Leben«, zu sein, lässt sich immer wieder neu umsetzen. Dabei kann auch ein vergleichender Blick auf andere Weltregionen erstaunliche Ergebnisse liefern - zum Beispiel ein Blick auf das mittelalterliche Amerika, Afrika und Australien vor der Entdeckung durch Europäer im 16. Jahrhundert.
Natürlich kann man, wenn man die Weltgeschichte in einem vergleichsweise schmalen Buch darstellen will, nicht auf alles gleichermaßen ausführlich eingehen, sondern muss gelegentlich etwas bündeln, verkürzen oder auch Beispielhaftes herausstellen. Ist man gezwungen, Schwerpunkte zu setzen, kann das aber, so hoffe ich, auch hilfreich sein, weil man immer wieder die größeren Entwicklungen und Zusammenhänge im Blick hat. So kann man Vergleiche ziehen, sich zum Beispiel bewusst machen, auf welche je unterschiedliche Weise Systeme wie der Kommunismus und Kapitalismus, Katholizismus und Konfuzianismus zu verschiedenen Zeiten Vorstellungen über Individualismus und beruflichen Erfolg verändert haben.
Allerdings ist der Teil der Geschichte, in dem solche Vorstellungen überhaupt eine Rolle spielen, extrem kurz im Vergleich zur sogenannten Vorgeschichte des Menschen. Diese wiederum reicht von den Anfängen des Werkzeuggebrauchs vor etwa 2,5 Millionen Jahren bis zur Frühgeschichte, die man mit der Erfindung der Schrift um 3000 v. Chr. beginnen lässt. Aus der Vorgeschichte und der noch viel längeren Erdgeschichte kann man sich in einer kleinen Weltgeschichte in groben Zügen die Dinge vergegenwärtigen, die für das Verständnis der späteren und aktuellen Menschheitsgeschichte besonders hilfreich sind.
Von der Entstehung der Erde zur Sesshaftwerdung des Menschen -...