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Gemeinsam ist ihnen das unterschwellig bohrende Gefühl verpasster Chancen und eine große Sehnsucht: nach anderen Orten, anderen Lebensentwürfen und, ein großes Wort, nach Glück. Da ist die erfolgreiche Bankfrau in mittleren Jahren, die im Flugzeug durch die Begegnung mit einem Aussteiger aus ihrer Alltagsroutine geworfen wird ("Lange Wellen"). Der Lebensmittelgroßhändler, Ex-Söldner in Portugals schmutzigen Kolonialkriegen, der gern Archäologe geworden wäre und mit seiner Tochter, einer Architektin, nicht über seine Vergangenheit reden kann ("Käse aus Deutschland"). Die Tochter, die nach dem Krebstod der Mutter nur noch für ihren Vater lebt ("Gefrorene Vollmilch"). Der Immobilienmakler, den es wie von Zauberhand ins Leben einer allein erziehenden Mutter weht und der sich dort eigentlich recht fremd, ja überflüssig vorkommt ("Die blautransparente Wasserpistole"). Am Ende steht ein fern an Botho Strauß erinnernder szenischer Text, der Motive voran gegangener Geschichten noch einmal, gleichsam im O-Ton, aufnimmt: Paare, Passanten im Party-Dauerrauschen. Vielleicht kein Zufall, dass Lesers Blick einmal für Sekunden auf die leuchtenden Zwillingstürme gelenkt wird. Der große Kater nach dem 11. September und dem Zusammenbruch der New Economy hat Wagners Welt noch nicht erreicht.
David Wagner, dessen Debüt Meine nachtblaue Hose vor zwei Jahren bei Kritikern für Furore sorgte, ist ein Meister der Ökonomie; mit wenigen elegant-federnden Satzperioden erzeugt er eine Atmosphäre der Beunruhigung im Alltäglichen, Momentaufnahmen wortreicher Sprachlosigkeit. Mit unbestechlichem Blick führt er uns an die Sollbruchstellen unseres eigenen Lebens. Gespiegelt in seinen Figuren erkennen wir uns selbst: Kleine Ich-Ags, die mit besorgtem Blick auf Soll und Haben umeinander kreisen: "Jeder will halt so viel, wie er wert ist. Und lieber noch ein bißchen mehr." --Niklas Feldtkamp
Das ausgezeichnete Sprachgefühl von Wagner läßt den Leser eintauchen und mitgehen, meist ins Scheitern. Und am Ende jeder Geschichte spürt man etwas von der Leere der meist weiblichen Protagonisten, und bleibt bei den offenen Enden immer mit einer Frage zurück. Antworten und Lösungen gibt uns Wagner nicht, wie auch? Aber dafür ein athmospärisch-dichtes Leseerlebnis.
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