Listen sind in, Listen sind modern. So finden wir auch im neuen Buch von Benjamin von Stuckrad-Barre Listen: Gesammelte Aussagen aus dem Internet, grob sortiert unter Titeln wie „Was weiß heutzutage jedes Kind? “ oder „Was hat immer Saison?“ Formulierungen, mehr oder weniger tiefgründig und oft auch witzig, aber leider stets ohne Quellenangabe.
Und das ist ein springender Punkt bei diesem Buch: Sind die Aussagen authentisch? Steckt dahinter ein Sinn? Oder verbirgt sich vielleicht hinter den fett gedruckten Anfangsbuchstaben der Zeilen eine geheime Nachricht? Etwas ziellos schweift der Blick über die 270 Seiten, und manchmal scheint es fast, als stünde der Autor genauso ratlos und fasziniert vor dem Netz, wie wir vor seinem Werk.
Sicher ist es lobenswert, sich mit dem wichtigsten Medium unserer Zeit auseinanderzusetzen und es literarisch zu verarbeiten, ohne wieder nur einen Cyberspace-Krimi zu schreiben. Und auch der Versuch einer linearen, gleichberechtigten Darstellung von Wissen ist durchaus reizvoll – auch im Internet sind die Suchergebnisse schließlich nur so gehaltvoll, wie die Qualität der Recherche.
Aber letztendlich bleibt auch bei diesem Buch die Frage nach dem Gehalt. Vor ein paar Jahren hätten Stuckrad-Barres Fundstücke sicher noch Überraschendes offenbart – heute wissen wir, was es im Netz zu wissen gibt. Oder?