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Was vom Tage übrigblieb
 
 
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Was vom Tage übrigblieb [Taschenbuch]

Kazuo Ishiguro
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (16 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: Rowohlt Tb. (2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499232944
  • ISBN-13: 978-3499232947
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 11,6 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (16 Kundenrezensionen)
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Kazuo Ishiguro
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Was vom Tage übrig blieb
OT The Remains of the DayOA 1989 DE 1992 Form Roman Epoche Moderne
Im Zentrum des Roman Was vom Tage übrig blieb von Kazuo Ishiguro steht die Reise eines alten Butlers durch England, die zur quälenden Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit wird.
Inhalt: Im Jahr 1956 begibt sich der auf Schloss Darlington Hall dienende alte Butler Stevens mit dem Auto seines Arbeitgebers auf eine Reise nach Cornwall, um seine ehemalige Arbeitskollegin Miss Kenton zu besuchen, die er zur Rückkehr nach Darlington Hall zu bewegen hofft. Diese Fahrt ans Meer wird zu einer Reise in seine eigene Vergangenheit und allmählich treten in Rückblenden die Erinnerungen an sein bisheriges Leben zu Tage.
Vor dem Krieg war Stevens Chefbutler auf dem Landsitz des von ihm verehrten Lord Darlington, in dessen Dienst er vollkommen aufging. Würde und Pflicht sind seit jeher seine zentralen Glaubensgrundsätze. Dass sie einhergehen mit Selbstverleugnung und Selbstbetrug, erkennt Stevens jedoch zu spät. Die völlige Zurücknahme seiner selbst macht ihm zwischenmenschliche Beziehungen unmöglich. Obgleich er sich im tiefsten Inneren von der Haushälterin Miss Kenton angezogen fühlt, mit der er harmonische Stunden bei gemeinsamen ›Kakao-Abenden‹ verbrachte, hat Stevens ihre vorsichtigen Annäherungsversuche stets brüsk zurückgestoßen und sich ihr gegenüber förmlich verhalten, bis sie schließlich Darlington Hall verließ, um zu heiraten.
Als ebenso problematisch stellt sich in den Rückblenden die Beziehung des Butlers zu seinem Herrn heraus. Stevens wollte nicht sehen, dass Lord Darlington enge Kontakte mit den Nationalsozialisten pflegte und sich von ihnen instrumentalisieren ließ. Darlington Hall wurde zu jener Zeit zum Ort geheimer Treffen, führende Politiker gingen dort ein und aus. Stevens hinterfragte aus unbedingter Loyalität gegenüber seines Herrn niemals dessen Motive, ihn erfüllte sogar mit Stolz, am Schauplatz großer Weltpolitik gedient zu haben. Mit dem Krieg und dem Tod des Lords ist die alte Welt von Darlington Hall zerfallen, deren Mikrokosmos das Zentrum von Stevens’ Dasein war.
Auf seiner Reise erkennt Stevens die möglichen Wendepunkte, die er ungenutzt hat verstreichen lassen. Ungesagte Worte haben nach seiner Erkenntnis zu einem ungelebten Leben geführt. Als Miss Kenton ihm am Ende der Reise gesteht, dass sie sich ein gemeinsames Leben mit ihm hätte vorstellen können, trifft ihn das zutiefst. Auf dem Pier von Weymouth erkennt er angesichts des hereinbrechenden Abends, dass ihm nur der Versuch bleibt, das Beste aus dem zu machen, »was vom Tage übrig bleibt«.
Aufbau: Der Roman gliedert sich in einen Prolog und sieben Kapitel, die tagebuchartig die sechs Tage der Reise umfassen. Der Prolog spielt im Jahr 1956 auf Darlington Hall. Das äußere Geschehen tritt in den folgenden handlungsarmen Kapiteln nahezu völlig hinter die Reflexionen und Erinnerungen des Butlers zurück. Es wird im Verlauf der Digressionen deutlich, dass es Stevens um die Wahrung seiner Selbstachtung, um die Rechtfertigung seines Lebens und schließlich um die moralische Frage, was ihm von der Überzeugung, ein sinnvolles Leben geführt zu haben, geblieben ist.
Wirkung: Die Bekanntheit des mit dem Booker Prize ausgezeichneten Romans wurde vor allem durch James Ivorys sehr erfolgreiche Verfilmung gesteigert. In dem eng an die literarische Vorlage angelehnten Kinofilm von 1993 verkörpert Anthony Hopkins grandios den alternden Butler, der seiner versäumten Liebe zu Miss Kenton (Emma Thompson) nachreist. E. H.

Pressestimmen

"Kazuo Ishiguros Romane gehören zum Eindrucksvollsten der neueren deutschen Literatur." (DIE ZEIT ) -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

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Kundenrezensionen

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24 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Toller Film, wundervolles Buch, 15. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Was vom Tage übrigblieb (Taschenbuch)
Nach dem Studium des Buches wurde mir erst recht bewußt, wie unglaublich gut der Film ist, der zu meinen absoluten Lieblingen gehört. In jedem Wort konnte ich Antony Hopkins, steif, unnahbar und würdevoll als Stevens wiedererkennen. Auch Emma Thompson spielte die zartfühlende, agile Miss Kenton mit traumhafter Präzision.
Die Protagonisten umkreisen sicht mit Platitüden ihrer jeweiligen Stellung als Butler und Hausdame, meistern große Gesellschaften und kleine Mißverständnisse im altehrwürdigen Darlington Hall.
Und wie im Film wartete ich mit jeder Seite darauf, Mr. Stevens Herz möge endlich erweichen, möge dasjenige von Miss Kenton endlich erkennen, aber auch im Buch bleibt der Leser mit gläsernen Augen zurück und resümiert: Zu spät, Mr. Stevens, nun schau, was vom Rest des Lebens übrigbleibt.
Ein wunderschönes, feinsinniges Buch, sehr sensibel schildert Ishiguro Stevens Odysee in die Vergangenheit bzw. nach Cornwall, wo er Miss Kenton als "Haushälterin" zurückgewinnen will. Im Verlauf der Reise beschwört er die gemeinsamen Erlebnisse herauf und bleibt doch allein.
Tragisch, kurzweilig, sprachgewaltig!
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52 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein Buch, das den Wert des gelebten Moments verdeutlicht, 10. Oktober 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Was vom Tage übrigblieb (Taschenbuch)
In den letzten drei Tagen, als ich diesen Roman von 1989 las, habe ich oft genug während der Lektüre ungläubig innegehalten und mir das Bild des Autors auf der Rückseite meiner Ausgabe angesehen. Es zeigt das lachende Gesicht eines Mittdreißigers, unverkennbar japanischer Abstammung. Sobald ich mich aber erneut auf das Buch konzentrierte und den Faden der Geschichte wieder aufnahm, sah ich ein völlig anderes Gesicht vor mir, aus einer anderen Zeit, einer anderen Schicht, einer anderen Kultur: das Gesicht eines Mittsechzigers, nobel, vornehm und sehr sehr zurückhaltend - der Erzähler des Romans, Stevens, ein engli-scher First-Class-Butler. Das Buch ist in der ersten Person geschrieben, und die Täuschung ist perfekt: Bis in die subtilsten sprachlichen Nuancen hinein hat der Autor es geschafft, das altmodische Englisch eines nicht nur gesellschaftlich feinstgeschliffenen Menschen zu kopieren, sondern auch noch durch die Wörter hindurch einen Menschen zu porträtieren, der der Sprache entspricht, die er spricht: kultiviert, streng, extrem zurückgenommen, unlebendig in erschreckendem Ausmaß. Wie so viele Romane, handelt auch dieser von einer Reise, und wie bei den meisten Reisen, die die Literatur schildert, ist die tatsächliche Reise nur ein Bild dafür, daß jemand einen inneren Weg geht, hin zu Erinnerungen, Sehnsüchten, Träumen und Gefahren. Und oft ist der Reisende am Ende der Reise ein anderer geworden, meist gegen seine eigene Intention. So auch in diesem Fall. Der Erzähler will überhaupt nicht reisen (ebenfalls ein sehr häufiges literarisches Motiv), vielleicht, weil er ahnt, daß in der Unterbrechung seines Alltags Schmerzhaftes auf ihn wartet. Dem Butler Stevens, der da gegen Ende seiner Laufbahn und weit im Leben stehend, an der Schwelle des Alters, durch England fährt, ergeht es nicht anders: gegen seinen Willen kommt er in den Notaten, die den Roman bilden, zur (dauernden? verändernden?) Erkenntnis, daß er sein Leben einer Berufsauffassung gewidmet hat, die ihn zum Gefühlsautisten machte und ihm eine mögliche Liebe verwehrte. In einer erschreckenden Passage stirbt Stevens' Vater, Hilfsbutler unter seinem Sohn, gerade in dem Moment, als ein großes gesellschaftliches Ereignis zu organisieren ist. Stevens zeigt das, was er "Würde" nennt: er verläßt das Lager des Sterbenden und geht seiner Pflicht nach - und er fühlt inneren Triumph dabei, weil er bewiesen hat, daß er ein "großer Butler" ist, der seinem Herrn auch dann unter Verleugnung aller Gefühlsregung dient, wenn in ihm eine Welt zusammenbricht. Das ist ein seltsam anrührender Roman, auch ein anstrengender. Man wird während des Lesens in die innere Welt eines Menschen gezogen, den man nicht mag, nicht mögen kann, der mit seiner gefühlsverneinenden Rolle eins geworden ist. Dennoch beginnt man diesen Menschen, der mit anderen immer äußerst korrekt und gerade deswegen äußerst unmenschlich umgeht, zu verstehen. Und es zerreißt einem das Herz, wie dieser Mann ohne merkliches Aufbäumen die Liebe seines Lebens durch seine wahnsinnige Berufsauffassung verhindert. Dieses Buch ist nicht nur wegen seiner literarischen Qualitäten lesenswert. Es ist eines jener Bücher, die Augen öffnen können, die wieder aufmerksam machen auf die Bedeutung des heutigen Tages und auf die Bedeutung des Mutes zur Nähe. Wir sind sterbliche Wesen - etwas, was wir gerne verdrängen und vergessen. Aber das Bewußtsein von Altern und Tod kann etwas anderes, viel Schöneres und Wertvolleres bewirken als Angst, Ungeduld und Erschrecken: es kann bewirken, daß wir im Angesicht der Tatsache, daß unsere Zeit kostbar ist, den Auftrag des Lebens annehmen, Freude und Schwere eines jeden Tages zu leben und für uns und andere das oft genug mühsame und leidvolle Dasein des Menschen zu erleichtern und schöner zu machen. Stevens steht vor der Tür zum Zimmer der Haushälterin, Miss Kenton. Er weiß, daß sie da drinnen ist, daß sie einsam ist, daß sie weint. Er weiß es, weil er sie liebt. Und er geht nicht zu ihr, um sie zu trösten. Jahrzehnte später erinnert er diese Szene, und das ist sein todtrauriger, immer noch das eigene Versäumnis mühsam überspielender Kommentar: "[...] man hatte doch das Gefühl, eine nieendende Anzahl von Tagen, Monaten, Jahren verfügbar zu haben, in denen man mit den Kapricen in der Beziehung zu Miss Kenton ins Reine kommen könnte; eine unendliche Anzahl von zukünftigen Gelegenheiten, bei denen man die Wirkung dieses oder jenes Mißverständnisses lindern könnte. Sicherlich gab es nichts, was damals anzeigte, daß solch offensichtlich kleine Ereignisse ganze Träume unrettbar und für immer zerstörten." Carpe diem, wieder einmal und immer wieder.
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23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Aber was ist der Rest?, 21. April 2005
Von 
marielan - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Was vom Tage übrigblieb (Taschenbuch)
Stevens, ein alternder Butler, dient seit 30 Jahren auf Darlington Hall. Seinen Dienst hat er von jeher über alle privaten Wünsche und persönlichen Gefühle gestellt. Loyalität geht ihm über alles, und so verteidigt er seinen ehemaligen Dienstherren, Lord Darlington, trotz dessen politischer Unterstützung der Faschisten. Sein neuer Dienstherr, ein Amerikaner, verordnet Stevens eine Urlaubsfahrt, die den Butler zu Miss Kenton führt, die früher Hausdame auf Darlington Hall war.
Für Stevens hat sein Leben vor allem einen Sinn: Er will der perfekte Butler sein, ein Butler mit Würde, dessen Persönlichkeit sich so darstellt: Er hat keine; er ordnet alles seiner Position und seiner Funktion des Dienens unter. Obwohl er sich in gespielter Bescheidenheit noch von seinem Ideal entfernt sieht, erkennt man als Leser, dass er sich bereits selbst überholt hat, beispielweise als sein Vater in einer Dienstbotenkammer des Hauses stirbt, während der Sohn die Mitglieder einer Gesellschaft bedient. Um aber - ein wenig verschämt - die Wichtigkeit seines Dienens zu betonen, erzählt Stevens z.B., wieso das von ihm polierte Silberbesteck verantwortlich für den Gang der Weltgeschichte war.
Das äußerste, was er sich an Bindung zugesteht, sind "Kakaoabende" mit Miss Kenton. Aber selbst dabei geht es vor allem um die Belange des Hauses. Dass Liebe im Spiel sein könnte, verbietet sich Stevens zu denken.
Die Figur des Stevens trägt alle Merkmale in sich, die ihn zum Klischee des englischen Butlers machen könnten, zur Karrikatur seiner selbst, angefangen vom steifen Äußeren bis zum kleinsten Gedanken, der sich immer um die Wirkung auf andere dreht, aber nie um eigene Wünsche und Bedürfnisse. Sogar Antworten, die der Butler seinem Dienstherrn gibt, sind vorgefertigte Sätze, Floskeln ohne Individualität.
Wie der Autor es aber fertig bringt, dass das Klischee des Butlers zu einem lebendigen Protagonisten wird, ist meisterhaft. Aus einem Mann, über den man eigentlich lachen oder den Kopf schütteln müsste, wird eine tragische Gestalt, die aus einem selbstgezimmerten Gefängnis nicht herauskommt. Aus dem Unverständnis für dieses Leben wird Mitleid für ein Leben, das sich aufbäumt, um noch einen Sinn zu finden, aber ohne zu resignieren daran festhält, dass es lebenswert war und unter allen Umständen so fortgesetzt werden muss.
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