Was am See geschah wird einem erst richtig klar, wenn man das Ende gelesen hat, das Buch zuschlägt und die Geschichte Revue passieren läßt. Wir werden mit (hauptsächlich) drei Personen bekannt gemacht, die alle in ihren "Irrungen und Wirrungen" miteinander verbunden sind, es aber eigentlich gar nicht sein wollen. Maud - die selbständige und einsame, ängstliche und provokative - verlassene Mutter, die mit ihrem Dickkopf und ihrem Irrealismus verwirrt, nervt und einen anrührt. Der Sheriff, der nicht aus einer zerbrochenen Ehe ausbrechen und in ein Abenteuer eintauchen kann. Und Mauds Sohn, der doppelköpfige Janus, der uns durch ein absurdes Wechselbad der Gefühle schickt.
Diese drei Personen verwebt Martha Grimes zu einem dichten Stoff, der als festes Netz einen brutale Kriminalfall umspannt. Frauen werden getötet - der Täter ist gefasst (oder nicht?) Der Sheriff glaubt es nicht und hat recht. Soweit so unspannend. Spannend sind die Gespräche zwischen Maud und dem Sheriff auf dem Pier, die Probleme ihres Sohnes und die Methoden des Sheriffs den Täter zu finden.
Keine klassischer Krimi á la Jury - eher eine Mischung aus "Warten auf Godot" und einer männlichen Miss Marple.
Nichts für Schnell-Konsumierer - eher etwas für Genießer der feinen Töne.