Jesper Juul ist seit vielen Jahren einer der bedeutendsten Familientherapeuten Europas. Seine absolut undogmatischen und durch viel eigene, auch erlittene Erfahrung geprägten Bücher sind vielen Menschen, die sich mit dem schwierigen Geschäft der Erziehung von Kindern befassen und ein gutes Zusammenleben in einer Familie als den Grundstein für das spätere Glück ihrer Kinder sehen, zu wichtigen Eckpfeilern ihrer Orientierung geworden.
Dabei weist Juul immer wieder auf die eigene Erfahrung der Leser als unerschöpfliche Quelle der Inspiration hin und ermutigt seine Leser, sie ernst zu nehmen.
In diesem Buch spricht Juul von den Werten in der Erziehung und er Partnerschaft und er stellt fünf ins Zentrum seiner Überlegungen:
· Gleichwürdigkeit
· Integrität
· Authentizität
· Verantwortung
· Gemeinschaft
Er erläutert diese für ihn zentralen Werte an Hand zahlreicher Beispiele aus seinem eigenen Familienalltag und aus seiner therapeutischen Praxis und grenzt sie eindrucksvoll ab gegen vermeintliche Fehlinterpretationen.
Er schließt das Buch ab mit sehr deutlichen Worten zu einem in den letzten Jahrzehnten völlig aus dem Blick geratenen Wert, der Führungsrolle der Erwachsenen:
Wie zuvor bereits erwähnt, gibt es eine relativ neue Form der Vernachlässigung der Fürsorgepflicht. Sie findet dort statt, wo sich Eltern aus unterschiedlichen Gründen scheuen, ihre persönliche Macht und Autorität wahrzunehmen und stattdessen beides den Kindern überlassen. Eine von Natur aus defensive Strategie, die auf lange Sicht genau die individuellen und familiären Probleme schafft, die man vermeiden wollte. Sie wird oft von sehr sensiblen, engagierten und liebevollen Eltern angewandt, die ihren Kindern nur selten Schaden zufügen würden, wenn sie sich nur trauten, die Verantwortung für ihre Macht und Autorität zu übernehmen.
Kinder können nicht immer verstehen, warum die Eltern dieses und jenes für sie entscheiden, und das ist auch nicht notwendig. Solange die Eltern ihre Macht in weitgehender Übereinstimmung mit den Werten in diesem Buch ausüben, werden die Kinder sich bei ihnen sicher fühlen - und das ist viel wichtiger als die Einsicht in jedes Detail. Als Eltern treffen wir oft Entscheidungen, für die wir erst Tage, Monate oder Jahre später eine vernünftige Erklärung finden. Manchmal bereuen wir unsere Entscheidungen auch, und beides ist in Ordnung. Das Wahrnehmen von Führungsaufgaben ist ein kontinuierlicher Lernprozess, der sich gemeinsam mit denjenigen vollzieht, die geführt werden sollen - das gilt in Familien wie in Unternehmen. Es geht darum, sich seiner Werte und Ziele bewusst zu werden und seine Führungsrolle in Übereinstimmung mit ihnen auszuüben. Die Problemlösung ist ein Teil der Führungsaufgabe."
Von elementarer Bedeutung, sagt Juul, sei , dass Erwachsene in einer Familie überhaupt Wertvorstellungen besitzen - etwas woran sie glauben, Überzeugungen, für die sie eintreten. Aber sie dürfen nie wichtiger sein als der Mensch. Sonst dienen dieses Werte dem Machtmissbrauch, und haben mit echten Familienwerten nichts zu tun.
Familie entwickeln sich dann am besten, wenn ihre Mitglieder voneinander lernen, anstatt sich zu belehren."
Juuls Ansatz ist eine wichtige Stimme in einer Zeit, in der Kinder in ihren Familien auf der einen Seite gar keine Orientierung mehr haben, weil sie den Erwachsenen fehlt, und auf der anderen Seite erfahrene Pädagogen wie zum Beispiel Bernhard Bueb nach einer Renaissance der Disziplin und Ordnung rufen. Juul zeigt, es gibt noch lohnenswerte und demokratische Wege dazwischen. Das macht sein Buch so absolut wertvoll und lesenswert.