Wie so oft bei amerikanischen Schriftstellern fasziniert in "Was am Ende bleibt" die treffende Darstellung einer dekadenten saturierten Gesellschaft, in der die Menschen, materiellen Nöten enthoben, nur noch an sich selbst scheitern können. Das Leben des Ehepaares Bentwood gerät aus den Fugen. Sie leben miteinander, haben sich aneinander gewöhnt, in etwa so lieb gewonnen, wie ein altes Sofa. An einem Scheidepunkt in ihrem Leben stellt sich die Frage einer möglichen Trennung. Sie sind sich so fremd geblieben wie Menschen sich eben nur in einem gewissen Maß kennen lernen können. Der Biß der Katze ist dabei im Grunde nur ein die Symptome eskalieren lassender Anlaß, er gibt der Beziehung wie dem Leben den Geschmack der Vergänglichkeit.
Die Schilderung der inneren Zerwürfnisse und deren äußerer Ausbruch geschieht dabei sehr subtil. Es sind Reaktionen auf Begegnungen mit der Umwelt, wie die voyeuristische Beobachtung eines Penners, es sind Sophies Stimmungsschwankungen, die so schnell abebben, wie sie scheinbar grundlos explodierten, es ist Ottos pure Verzweiflung am Leben, dessen unzweifelhafte Rechtschaffenheit von seinem moralisierenden Unterbewußtsein untergraben wird, das wundersame getrieben sein, in dem von Paula Fox weder Fragen gestellt noch Antworten gegeben werden, sondern deren Fähigkeit im Verschweigen liegt. Otto und Sophie als Figuren wird man im Grunde nur emotional gewahr, es formt sich ein Bild vom Entstehen und Vergehen menschlicher Beziehungen, vom Leben, in dem es nie ein richtig oder falsch geben kann. Es gibt nur Entscheidungen, die so oder so getroffen werden.
"Was am Ende bleibt" ähnelt auf der Gefühlsebene (wenn auch kaum im Stil) sehr den Kurzgeschichten von Raymond Carver, da auch dort viel mehr gesagt wird, indem es unterbleibt.
Die Geschichte ist wunderschön, melancholisch und flüssig lesbar. Wahrscheinlich ist sie am besten beschreibbar mit Sophies Katzenbiß. Die süß schmerzhafte Verletzung von einem zarten Wesen, die zu eitern anfängt, Ängste verursacht und Wahrheiten belebt, und dennoch irgendwann abklingt. Zurück bleibt ein Kratzer und eine verschwimmende Erinnerung. So wie bei jeder menschlichen Beziehung auch.