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Warum wurden die Stanislaws erschossen?: Reportagen
 
 
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Warum wurden die Stanislaws erschossen?: Reportagen [Gebundene Ausgabe]

Martin Pollack
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 232 Seiten
  • Verlag: Paul Zsolnay Verlag Ges. m.b.H. (9. Februar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3552054324
  • ISBN-13: 978-3552054325
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,4 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 304.557 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Martin Pollack
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Pollacks Texte lassen den Leser eher en passant von einem profunden Wissen profitieren, das sich auf Flora und Fauna ebenso erstreckt wie auf historische Zusammenhänge.... ein Reporter, der im deutschsprachigen Raum seinesgleichen sucht." Stefanie Peter, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2008

"Was immer Martin Pollack unternimmt, in welche europäische Gegenden er auch reist, es ist eine Suche nach den Spuren der Menschen. ( ...) (Sein) Stil hat eine erzählerische Klarheit, die nie mit dem Ernst seiner Stoffe konkurriert." Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung 11.03.08 "Pollacks Spürsinn für verborgene Zeugnisse einer verleugneten Vergangenheit ist bewundernswert. (...) Wie Pollack indes familiäre NS-Verstrickungen freilegt, ohne dabei seine Zuneigung und Dankbarkeit einzelnen Menschen gegenüber zu verraten, solches Feingefühl sichert ihm, neben der peniblen Tatsachensicherung, jene erzählerische Glaubwürdigkeit, die schon seine vorangegangenen Bücher auszeichnete." Oliver vom Hove, Die Presse, 23.02.08 "Pollack verbindet unaufdringliche Neugier mit profundem Wissen, Empathie mit der unerlässlichen Distanz des um Gerechtigkeit bemühten Journalisten." Die Welt, 03.05.08 "Es sind Schlaglichter auf Gesellschaften, die sich seit dem Zusammenbruch des Kommunismus im Umbruch befinden. Sie holen Verborgenes ans Licht und widmen sich Spuren vergangen Lebens. Martin Pollacks besondere Begabung liegt darin, Widersprüche und Unklarheiten nebeneinander stehen lassen zu können. (...) Eine faszinierende Bilderrätsel-Entschlüsselung, eingebettet in historisches Wissen über jüdisches Leben in der polnischen Provinz unmittelbar vor dessen Zerstörung durch die Nationalsozialisten." Julia Kospach, Österreich, 09.02.08 "Es sind einzelne Stimmungsbilder, Begegnungen und Erlebnisse, die in Umbruchzeiten die grossen Transformationslinien sichtbar machen. Beharrlich und genau schreibt der vielfach ausgezeichnete österreichische Publizist, Schriftsteller und Übersetzer Martin Pollack Reportagen, die dieser Überzeugung Rechnung tragen." Julia Kospach, Der Bund, 26.02.08 "Pollacks Texte lassen den Leser eher en passant von einem profunden Wissen profitieren, das sich auf Flora und Fauna ebenso erstreckt wie auf historische Zusa

Kurzbeschreibung

"Für mich begann der Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa am 18. August 1980. Ja, genau an diesem Tag." Martin Pollack, einem damals nahezu unbekannten Reporter, der über die Streiks der Solidarnosc in der Danziger Leninwerft berichten wollte, wurde die Einreise nach Polen verweigert. Doch die bislang so selbstbewusst-arroganten Beamten am Flughafen von Warschau wirkten ganz anders als gewohnt, verunsichert, ja beinahe ängstlich. Irgendetwas war aus dem Gleichgewicht geraten. Für den vielfach ausgezeichneten Autor, Übersetzer und Reporter Martin Pollack waren es von Anfang an einzelne Erlebnisse und persönliche Begegnungen, die große Zusammenhänge und Entwicklungen besser verständlich machen. In seinen Reportagen versteht er es, ein vielgestaltiges Panorama des Übergangs zu schaffen - und ein Manifest gegen das Diktum vom Ende der Geschichte.

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Der Buch-Vorleser TOP 1000 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Seit vielen Jahren widmet sich der österreichische Journalist und Slawist Martin Pollack in seinen Reportagen der Aufarbeitung des Dritten Reiches, den Menschen, die in den Zeiten des Zweiten Weltkrieges lebten, diesen überlebten und nach schweren Zeiten wieder einen Platz im Leben suchten und manchmal auch fanden. In dem beim Zsolnay Verlag erschienen Reportageband Warum wurden die Stanislaws erschossen?" spürt Martin Pollack in der Titelreportage zwei Todesfällen polnischer Arbeiter im österreichischen Bocksdorf nach, erschossen von russischen Soldaten in den letzten Tagen des Krieges. Zeitzeugen läßt Pollack zu Wort kommen, Erinnerungen werden hervorgekramt, die Ereignisse in den gesellschaftlichen Kontext der damaligen Zeit eingeordnet und doch weiß bis heute niemand, warum die beiden jungen Männer mit Namen Stanislaw, einer an seinem 18. Geburtstag, wirklich sterben mussten. In seiner Reportage Jäger und Gejagte" spürt Pollack einem überlebenden SS-Schergen nach und bringt interessante Einblicke in die damalige und die heutige Gedankenwelt der Betroffenen, die ob des latent fehlenden Unrechtsbewußtseins erschüttern. Und erschütternd sind sie alle, die über viele Jahre hinweg entstandenen Reportagen und die Zeitzeugenberichte und die Erzählungen aus längst vergangenen Zeiten, die zu vergessen aber die Geschichte verbietet. Ehrlich und ungeschminkt, mit zurückhaltender eigener Bewertung und manchmal wegen der Thematik eng an der Grenze zur Unerträglichkeit agierend gelingt es Martin Pollack bravourös, Geschichte wieder auferstehen zu lassen, lebendig zu halten und den nachgewachsenen Generationen auch etwas begreifbarer zu machen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Unbedingt lesenswert 10. Oktober 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Europa hat sich in den vergangenen Jahren beständig nach Osten erweitert; 2004 traten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien der Europäischen Union bei, 2007 Bulgarien und Rumänien. Martin Pollack, der Autor, Übersetzer und Journalist ist, setzt sich mit dieser neuen Peripherie Europas literarisch auseinander, mit deren Geschichte und den Umwälzungen der Wendezeit um 1990. In seinem aktuellen Buch "Warum wurden die Stanislaws erschossen?" werden jene Regionen und Bewohner aus den Randbereichen Europas in die Mitte gerückt, wo sie noch lange nicht angekommen sind, von der sie noch durch Geschichte und Lebensbedingungen getrennt sind. Das Ergebnis ist jene Pollack eigene Mischung aus Realität und Fiktion, aus betroffener Nähe und beobachtender Distanz.

Damit ist auch schon ein Grundimpuls angesprochen, der in Pollacks Reportagen immer wieder erkennbar wird: die Geschichte, die Vergangenheit und die Verhältnisse zu erklären, das Schweigen zu brechen und das Unausgesprochene auszusprechen, wie es beispielsweise in "Zigeunerangelegenheit I-IV" geschieht. Dort werden jeweils die Gemeindechroniken von Goeberling, Grafenschachen, Loipersdorf i.B. und Neustift a.d.L. im Bezirk Oberwart im Burgenland zitiert und dabei das Verschwinden der Zigeuner aus der Geschichtsschreibung und damit aus der Gesellschaft dokumentiert. Es wird dargestellt, woran man sich statt der Zigeuner erinnert, das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges, an die russischen Besatzungstruppen, an Schweine und Rinder, die durch Plünderungen verloren gingen. Über die Zigeuner wird lediglich vermerkt, dass viele von ihnen in Konzentrationslagern starben, andere aus den Gemeinden weggemobbt wurden. Immer wieder ist Martin Pollack in seinen Reportagen bemüht, Geschichte aufzubrechen. Die Figur Jacques Tüverlin in Lion Feuchtwangers Roman "Erfolg" spricht aus, was den Reportagen Martin Pollacks zugrunde liegt: Ein großer Mann, [...] er heißt Karl Marx, meinte: "die Philosophen haben die Welt erklärt, es komme darauf an sie zu ändern. Ich für meine Person glaube, das einzige Mittel die Welt zu ändern, ist, sie zu erklären." Auch Martin Pollack versucht zu erklären, um die geographisch periphär gelegenen Staaten auch aus ihrer Bedeutungsperipherie führen.

Dieses Vorgehen könnte nun ziemlich leicht in eine platte Auffassung von Geschichte und Gesellschaft führen, doch besitzen die Texte eine hohen Grad an Reflektiertheit. Beispielsweise wird in der Reportage "Jäger und Gejagter. Das Überleben der SS-Nr. 107 136" der ehemalige SS-Offiziers Rolf-Heinz Höppner erzählerisch seinem erbitterten Jägers Julian Leszcyñski gegenüber gestellt. Es erfolgt keine explizite Wertung, und je mehr die Besessenheit Leszcyñskis deutlich wird, umso mehr verschwimmt die Zuordnung von Jäger und Gejagtem. Noch deutlicher wird Pollacks Vorgehen in der "Bildergeschichte. Fotografische Fundstücke". Ausgehend von einigen Fotografien unbekannter Herkunft aus einem Wiener Antiquariat (die auch im Buch enthalten sind) wird über die Fotografien und das Schicksal der darauf abgebildeten Menschen" spekuliert, nach und nach wird versucht, hinter die Bilder und zu deren Geschichte zu gelangen, doch scheitern die Erklärungsversuche. Immer sind es nur Mutmaßungen, Mutmaßungen über die abgebildeten Personen und Mutmaßungen über den Menschen, der diese Fotografien gemacht hat. Wie schon von Walter Benjamin, Siegfried Kracauer oder Bertolt Brecht festgestellt haben, ist auch die Fotographie ein ungenügendes Darstellungsmittel.

Die Titel gebende Reportage über die beiden Stanislaws, zwei polnische Gastarbeiter, beide mit dem Namen Stanislaw, versucht zu ergründen, unter welchen Umständen die beiden von russischen Soldaten erschossen wurden. Doch auch Interviews mit Zeitzeugen bringen keine endgültige Klarheit und so bleibt am Ende wieder nur die Spekulation. Die Geschichte ist nicht rekonstruierbar, sie ist nur eine ungenügende Konstruktion. Doch immer wieder steht das Fragen am Anfang, eine neugierige Suche und auch wenn keine ,Wahrheit' ans Licht kommt, so wird doch ein Verstehen befördert, ein Verstehen, das Voraussetzung dafür ist, dass die ehemaligen Ostblockstaaten irgendwann auch in der Mitte Europas ankommen. Martin Pollack hat nach seinem bemerkenswerten Roman "Der Tote im Bunker - Bericht über meinen Vater" und der Sammlung polnischer Reportagen mit dem Titel "Von Minsk nach Manhattan" eine großartige Sammlung von Reportagen aus beinahe drei Jahrzehnten vorgelegt, die unbedingt lesenswert sind.
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