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Sport ist Mord Sport ist aber auch "in" und sexy. Sport ist neben vielem Anderen vor allem arttypisch für den Menschen. Eine Laune der Kultur oder Ausdruck einer wesentlichen Anpassung während der Evolution? Josef Reichholf, Evolutionsbiologe und Leiter der Zoologischen Staatssammlung München, argumentiert in seinem neuen Buch, dass Siegen wollen einer der wesentlichen Antriebskräfte der Hominidenevolution gewesen ist und deshalb auch heute noch so ausgeprägt vorkommt und praktiziert wird. Dieser Ansatz einer Ausweitung der Evolutionstheorie auf Themengebiete, die ursprünglich jenseits der Biologie zu liegen schienen, erfreut sich inzwischen großem Zuspruch und dies aus gutem Grund. Der Mensch mit seinen komplexen Verhaltensweisen ist natürlich auch durch sein biologisches Erbe gekennzeichnet und hier kann die Evolutionsbiologie neue, schlüssige Erklärungsansätze bieten. Reichholf zufolge entstand der Siegeswille der Frühmenschen durch die Notwendigkeit, in der afrikanischen Savanne schnell zu einem Tierkadaver zu gelangen, um das hochwertige tierische Protein zu nutzen. Ein Vergleich zu unseren nächsten lebenden Verwandten, den Schimpansen, zeigt, wie wichtig Fleisch als hochwertige Nahrung ist. Da zudem im Tierreich generell das Recht des Ersten anerkannt wird, lohnt es sich also, schnell zu sein. Dies umso mehr für Männchen, die neben der Nahrung für sich selbst auch Weibchen mit Fleisch versorgen konnten, die sich vielleicht mit Sex bedankten. Kam diese Maschine erst einmal in Gang, war das Siegen wollen nicht mehr aufzuhalten und hat neben dem schnellen Laufen auch die zunehmend kriegerische Auseinandersetzung zwischen Gruppen entstehen lassen. Als kleiner Kritikpunkt wäre anzuführen, dass Reichholf eine mögliche Alternativerklärung nicht erwähnt: Das Siegen wollen könnte reines männliches Imponiergehabe sein. Weibchen müssen die Qualität ihres Partners einschätzen können, um den "richtigen" zu finden; was wäre da besser geeignet als ein Wettrennen? Mogeln ist kaum möglich und der Sieger muss fit und in guter Kondition sein. Das Buch beeindruckt durch seine Aktualität und die Originalität des Gedankengangs. Es ist allgemein verständlich geschrieben, und der Autor beherrscht seine Materie wie in vorherigen Werken. Vom sprintenden Sieger der Savanne bis zum Krieg führenden Menschen der Moderne ist der Siegeswille immer durch die Selektion belohnt worden, ein Teufelskreis? Reichholf bietet einen Ausweg an: Neben schnellen Beinen hat das Fleisch der Savanne dem Menschen auch ein Gehirn mit rationalen Fähigkeiten mitgegeben. Diese anzuwenden kann uns helfen, den in uns lodernden Siegeswillen zu kanalisieren und produktiv zu nutzen. Rezensent: Dr. Oliver Krüger
Kurzbeschreibung
Wieviel wir mit den uns entwicklungsgeschichtlich nahestehenden Tierarten gemeinsam haben, ist inzwischen allgemein bekannt. Doch es gibt auch wesentliche Unterschiede. Einer davon: Wir Menschen haben einen merkwürdigen Drang zu gewinnen nur um des Gewinnens willen. Kein Tier käme je auf den Gedanken, einen Wettlauf nur zu diesem Zweck zu machen, ohne direkten Vorteil für Nahrung, Fortpflanzung oder Lebensraum. Jede Ratte gibt das Spiel am Futterautomaten auf, wenn die Erfolgsaussichten zu niedrig sind. Den spielenden Menschen reizt oft gerade dies und fesselt ihn manchmal bis zur Sucht. Der Drang, zunächst zweckfrei Erste/r, Beste/r, Schönste/r oder Größte/r zu sein, ist offenbar nur den Menschen zu eigen.
Die evolutionsbiologische Antwort auf dieses Phänomen ist verblüffend: Spiel und Sport sind die natürliche Fortsetzung der biologischen Evolution. Der international renommierte Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf zeigt Entstehung und Folgen dieses Phänomens und vermittelt grundlegend neue Einsichten hierzu wie auch zu unserem Umgang miteinander.