Durs Grünbeins Aufsätzesammlung Warum schriftlos leben fragt, was Schriftsteller antreibt zu sein, wie sie scheinen: gewandt und erfolgreich, selbstbewusst und zielstrebig, extrovertiert und eloquent und alles, wozu es bedarf, dass man Bücher verfasst, verlegt und gelesen wird; um dann in Lesungen mit Fragen traktiert zu werden wie: Kann man denn davon leben? (S.34ff) und Sagen Sie, seit wann schreiben Sie eigentlich schon? (S. 40f) und Warum schreiben Sie? (S.48ff). Was zuletzt dazu führt, dass einen diejenigen bewundern, die gerne so wären, wie sie es scheinen. Aber es treibt sie nach Durs Grünbeins These die unaufhörliche Angst vor dem Nichts, das geschichtslose, aber Geschichten suchende Gesicht, diese heimtückische, alles verzehrende Wiederkehr des immer gleichen Alltäglichen, gegen das sie das kleine Fenster in ihre Biographie schneiden, das man Gedicht oder Prosa nennt, durch das sie noch später, wenn das Nichts alltäglicher Verrichtungen sie mit dem Tode schlägt, immer noch sichtbar sind. Denn diese sind Pausen im Sterben ihres Verfassers, scheinbar dem Nihilismus Entrückte. Denn was bleibt, möchte man sagen, stiften die Bücher und fast noch, wenn es statthaft wäre, hinzufügen: fiat ars pereat mundus; obgleich ihre Bedeutung am Blatt klebt wie die Fliege an Musils Fliegenpapier wenn es ihnen mitunter gleich der Philosophie auch Flügel verleiht.