"Schulschwierigkeiten gelassen meistern": so lautet der Untertitel zum Buch und macht damit deutlich, dass es nicht um die Ignoranz von Problemen der Kinder in der Schule geht. Vielmehr möchte Heidemarie Brosche erreichen, dass man mit dem notwendigen Maß an Gelassenheit immer das eigene Kind in den Mittelpunkt stellt. Schließlich ist das Kind bzw. der Jugendliche in erster Linie ein Mensch, dessen Entwicklungspotentiale sich noch entwickeln können. Schlechte Noten, unpassendes Verhalten im schulischen Kontext und Lernmüdigkeit müssen nicht notwendigerweise zur Katastrophe führen. Die Autorin führt als Lehrerin und Mutter heraus aus dem Stress, welcher so manche Familie zermürben kann. Ihr gelingt es als Autorin immer wieder, den Blickwinkel zu erweitern und unterschiedliche Aspekte, die zur Verursachung oder Behebung schulischer Schwierigkeiten beitragen können, in den Fokus zu bringen. Ob nun LRS, AD(H)S, die falsche Schulart, Prüfungsangst, o.ä.: bei alledem wird deutlich, dass man aus der (Schul-)Kindzentrierung heraus muss und schauen muss, welche anderen Bereiche verantwortlich sein können für schulisches Versagen.
Daneben schafft es die Autorin genauso, erst einmal zu ermutigen, Schulversagen nicht zu dramatisieren und daraus sogleich ein Drama zu machen. Der Dreh liegt wohl darin, verschiedene Drehbücher parat zu haben, wenn man bedenkt, wie der (Lebens-) Film weiterlaufen könnte.
Zitate und persönliche Stellungnahmen ergänzen die Ausführungen von Heidemarie Brosche. Leider verwendet sie dennoch zu oft DIE Schule, was leider zu wenig zu einer differenzierteren Auseinandersetzung führt. Hier vernachlässigt Frau Brosche, dass jede Schule wieder anders ist, sogar jedes Schuljahr und genauso auch jede Klasse anders gesehen werden muss.
Dennoch kommt ihr zugute, dass sie entgegen dem mainstream auch mal deutlich macht, dass Eltern nicht immer mehr und mehr machen müssen (wie z.B. private Übungen, Nachhilfe) und die Schule das Familienleben ganz beherrscht. Ihre Informationen helfen auf jeden Fall, ein Stück weit gelassener die Schullaufbahn der Kinder zu sehen. Mögen alle, die sich übermäßig engagieren, sich hierdurch ermuntert fühlen, mal einen Gang zurückzuschalten. Und mögen genauso die weniger engagierten Eltern sich aufgefordert fühlen, die Kinder mehr zu unterstützen, ohne hierbei in Aktionismus zu verfallen.
Das Literaturverzeichnis und die Angaben zu weiterführenden Informationen verhelfen zusätzlich zu einem adäquaten Umgang mit Problemen in der Schule. So kann der Lernort der Kinder weiter ein Lebensort bleiben - und hoffentlich die Familie genauso!