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Warum ich meine demente Mutter belüge
 
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Warum ich meine demente Mutter belüge [Gebundene Ausgabe]

Cyrille Offermans , Walter Kumpmann
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 124 Seiten
  • Verlag: Kunstmann; Auflage: 1., Aufl. (8. September 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3888974852
  • ISBN-13: 978-3888974854
  • Originaltitel: Waarom ik moet liegen tegen mijn demente moeder
  • Größe und/oder Gewicht: 19,6 x 12,6 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 156.856 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Cyrille Offermans
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ein ungewöhnliches, entwaffnend ehrliches, wohltuend kluges Buch über das Altern, »ein kleines Juwel, persönlich, aber weit über das Private hinausreichend«. (NRC Handelsblad)

»Meine Mutter glaubte, es sei Krieg, nicht im übertragenen, sondern im blutig-ernsten Sinn des Wortes. Man habe sie gefangengenommen, und sie werde nun vom Feind bewacht. Es war ihr ein Rätsel, wie wir unbehelligt durch die feindlichen Linien gelangt seien und sie gefunden hätten.« Aus nächster Nähe, mit der Genauigkeit der Liebe beschreibt Cyrille Offermans das Schicksal seiner alten, dement werdenden Mutter: Die ersten Anzeichen wie Vergesslichkeit, Verwirrung und Misstrauen, und wie schwer die plötzliche Distanz zu ertragen ist. Wie die Aufnahme ins Heim unvermeidlich wurde, weil es keine gemeinsame Realität mehr gibt, wenn die innere Welt eines Menschen sich auflöst. Die eigene Scham und die Schuldgefühle, die ständigen Zweifel, ob man als nächster Angehöriger, als Sohn das Richtige tut. Und wie es dennoch möglich ist, mit den Schwächen des Alters und den eigenen zu leben: in Würde, achtsam, liebevoll.

»Ein ebenso integres wie anrührendes Buch, in dem Offermans sich als starker Erzähler zeigt.« (Literair Nederland).

Über den Autor

Cyrille Offermans, geboren 1945, ist einer der originellsten und vielseitigsten niederländischen Essayisten im Grenzgebiet von Literatur, Philosophie, Kulturgeschichte und Politik. Anfang der 1970er Jahre machte er Adorno und Walter Benjamin in den Niederlanden bekannt. Offermans ist Autor von Theaterstücken, Jugendbüchern und Künstlermonographien (u.a. über Paul Klee), die mehrfach mit wichtigen Preisen ausgezeichnet wurden.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Lügen aus Liebe 17. Oktober 2007
Von Salome
Format:Gebundene Ausgabe
In Warum ich meine demente Mutter Belüge verarbeitet der niederländische Essayist Cyrille Offermanns, schonungslos und berührend, seine Erfahrungen mit seiner demenzkranken Mutter.

Em Offermanns ist Mutter von sechs erwachsenen Kindern, eine liebenswerte Seele, die ihr ganzes Leben lang dem Wohlergehen ihrer Lieben gewidmet hat und ihre Wünsche beiseite schob, Ruhepol und Zentrum ihrer Familie - und Em ist demenzkrank.
Bis zu dieser Erkenntnis allein ist es jedoch ein langer Weg. Ein Weg der die Kinder der alten Dame durch Verdrängung, Ängste, Verzweiflung, Wut und Trauer führt.

Zunächst gelingt es Offermanns Mutter noch den schleichenden Prozess des Vergessens geheim zu halten. Als dies nicht mehr klappt und sie immer häufiger durch Gedächtnislücken, zusammenhangloses Reden und Konzentrationsunfähigkeit auffällt, wird dies zunächst von den Kindern als normale altersbedingte Senilität abgetan. Dann die Diagnose: Demenz.
Cyrille Offermanns schildert eingehend den Alltag mit seiner Mutter, die Höhen und Tiefen des Zusammenlebens mit seiner kranken Mutter, deren Prozess der Entfremdung vom ihrem Leben, den Kampf gegen die Krankheit, die immer schwerer werdende Pflege und schließlich ihre Einweisung in ein Pflegeheim.

In jeder Zeile liest man die große Liebe Offermanns zu seiner Mutter heraus, seine Emotionen und seine Eindrücke schildert er mit beeindruckender Ehrlichkeit, ohne Schnörkel. Schlicht und einfach das Leben und der natürliche Gang der Dinge ist aus seinem Buch herauszulesen. Es berührt, wie nur die Realität berühren kann. Es ist ein Buch, dass Klarheit schafft und Wege für den würdevollen Umgang mit Demenzkranken aufzeigt.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Cyrille Offermans Warum ich meine demente Mutter belüge
Kunstmann ISBN 3888974852

Demenz ist eine Gehirnkrankheit, die nicht heilbar ist, und von der zunehmend ältere Menschen betroffen sind. Veränderungen in Charakter und Verhalten sind erste Merkmale, mit denen sich die Erkrankung schleichend bemerkbar macht.
Cyrille Offermans hat den Prozess der Veränderung, den er bei seiner Mutter miterlebt hat, einer kritischen Analyse und Beschreibung unterzogen.
Mit seinen fünf Geschwistern gemeinsam traf er Entscheidungen zur Versorgung der Mutter. Zuletzt mussten sie die Mutter im Pflegeheim unterbringen. Es war ein weiter Weg bis dahin.

Beklemmend lesen sich seine Erinnerungen, in denen er nach langen Jahren des Abstands aufschreibt, wie alles begann.
Unmerkliche Vergesslichkeiten, Misstrauen und eine stete Unrast waren die untrüglichen Anzeichen der beginnenden Charakterveränderungen. Niemand aus dem Geschwisterkreis konnte so recht verstehen, warum die einst liebevolle Mutter grantig und launisch wurde. Man bemühte sich um Konsens und liebevolles Verstehen. Doch alle Geduld hat auch einmal ein Ende, wenn sich so gar keine Besserung zeigt, im Gegenteil: die Geschwätzigkeit und mangelnde Konzentration wurden immer auffälliger.
Als die Mutter schließlich mehr und mehr dem Alkohol zuspricht, auch vergisst, wie viel sie davon pro Tag konsumiert, was häufige Stürze zur Folge hatte, griffen die Kinder zur List und Lüge, um ihren Alkoholkonsum zu reduzieren.

Offermans geht in Details, die dem Unwissenden die Augen öffnen. Da gibt es kleine Nachlässigkeiten, unsinnige Aktivitäten und zuletzt ein immer deutlicher werdendes Missverstehen, das gelegentlich zu ernsten Zerwürfnissen zwischen den Angehörigen und der Kranken führen. Mit klarem Blick und ehrlicher Einsicht kann Offermans sich selbst eingestehen, dass er und seine Familie die Zeichen der Auffälligkeiten zunächst nicht erkannten oder wahrhaben wollten, mit denen sich der Prozess der Demenz ankündigte. Ungeduld und Ärger blieben nicht aus, und mit dem Abstand der Jahre empfindet Offermans Schuldgefühle darüber, dass er mit seinen Reaktionen seiner Mutter nicht immer gerecht geworden ist. Erst allmählich begann er zu begreifen, dass ihr Benehmen ja Ausdruck des geistigen Abbaus war.
Offermans hat mit seinem reflektierten kleinen Büchlein über das Altern seiner Mutter einen blinden Fleck aufgespürt, den viele an der Stelle haben, wo es um den Umgang mit Demenz und alternden Verwandten geht. Niemand will das Vergehen der zwischenmenschlichen Beziehungen zu den nächsten Angehörigen wahrhaben; und tatsächlich ist der Umgang nur sehr schwer zu ertragen, wenn das Nachlassen des Geistes und des Verstehens eine Distanz schafft, mit der man auch die einstmals geliebte Mutter/ den Ehemann oder Vater nur noch schwer erträgt. Die Entfremdung und das Sterben vor dem körperlichen Tod muss bewältigt werden, und das gehört zu einer der schwersten Aufgaben, denen sich unsere moderne Zivilisation zu stellen hat. Offermans hat einen ganz bewussten und eindringlichen Blick hinter die Kulisse familiärer Scham und Ausgegrenztheit zugelassen. Da sich die Entwicklungen hin zur Entpersönlichung in der Regel schleichend vollziehen, ist sein Beitrag umso verdienstvoller und kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Cyrille Offermans, Jahrgang 1945, gilt als vielseitiger und erfolgreicher Essayist auf vielen geisteswissenschaftlichen Gebieten in den Niederlanden.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Der 1945 geborene Cyrille Offermans ist in den Niederlanden bekannt für seine Essays, Theaterstücke, Jugendbücher und Künstlermonographien. Ihm ist es auch zu verdanken, dass Theodor W. Adorno und Walter Benjamin in Holland einem größeren Publikum bekannt wurden.

In diesem kleinen Buch mit dem Titel "Warum ich meine demente Mutter belüge" geht er persönlichen Erfahrungen nach, die er mit der Demenz seiner Mutter gemacht hat. Es ist das erste Buch von Offermans, das auch Deutsch vorliegt, und man ist kein Prophet , wenn man vermutet, dass weitere Übersetzungen folgen werden. Denn wie er hier sensibel, ganz persönlich, aber ohne jemals rührselig zu werden, den Leidensweg seiner Mutter nachzeichnet, wie er die Stationen der Krankheit beschreibt, die zunächst gar nicht als solche erkannt wird, ist große sprachliche Kunst.

Zunächst wird die Mutter immer rücksichtloser gegenüber den Familienangehörigen und ein "direkter und persönlicher Zusammenhang zwischen ihren Tarnversuchen und unserer Fürsorge" ist offensichtlich.
Die Mutter wird übertrieben betriebsam, verstärkt ihre Religiosität und ihre Kritik, beißend zuweilen, an anderen Frauen, trinkt viel Alkohol und wähnt sich im Krieg. Leserinnen und Lesern die es erlebt haben, mit einem dementen Menschen zusammen zu leben, werden trotz der absolut singulären Situation vieles wieder erkennen.

Schlussendlich muss die Familie von Cyrille Offermans die demente Mutter in ein Pflegeheim geben, ein traumatischer Schritt für die Angehörigen nicht weniger als für den betroffenen Menschen.
Besonders betroffen macht die Schilderung einer polnischen Pflegerin, die nur zwei Wochen mit der Mutter verbringt, der es aber auf eine eigene, unverwechselbare Art gelingt zu der dementen Frau einen Kontakt herzustellen.
Offermans Buch zeugt von große Liebe und Respekt Es ist aber auch ein ehrliches Eingeständnis der Erkenntnis, dass man einen Menschen nicht verstehen kann, der sich selbst nicht mehr versteht.

Seltene Minuten des Gefühls, daheim zu sein, die er seiner Mutter schenken kann, er weiß selbst nicht genau wie, sind der einzige Trost, den Offermanns spürt.
Ein ehrliches Buch über ein Thema, das erst zu einem richtigen Thema zu werden beginnt in unserer Gesellschaft.
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