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Warum wir kooperieren (edition unseld)
 
 
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Warum wir kooperieren (edition unseld) [Taschenbuch]

Michael Tomasello , Henriette Zeidler
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Warum wir kooperieren (edition unseld) + Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) + Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens: Zur Evolution der Kognition (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 141 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (20. September 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518260367
  • ISBN-13: 978-3518260364
  • Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 10,8 x 1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 118.601 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Tomasellos Kombination vielfältiger Theorieansätze mit einfallsreichen Versuchsdesigns bietet reichhaltigen Stoff für Diskussionen über menschliches und tierisches Verhalten, ontogenetische und phylogenetische Entwicklungsverläufe bei Menschen und die kulturelle Evolution.«

(Rolf Wiggershaus Frankfurter Rundschau )

»Es ist ein faszinierendes Panorama, das Tomasello so auf knappem Raum skizziert. Was den vorliegenden Band aber besonders auszeichnet, das ist der Umstand, dass ziemlich tief zielende Einwände gleich auf dem Fuß folgen. In Form von knappen Stellungnahmen von Forschern, auf die Tomasello sich bezieht.«

(Helmut Mayer Frankfurter Allgemeine Zeitung )

»Tomasello veranschaulicht durch seine vergleichende Analyse des Sozialverhaltens von Kindern und Schimpansen aus unterschiedlichen methodischen Blickrichtungen, dass beim Menschen offenbar von einer biologisch bedingten Kooperationsfähigkeit auszugehen ist. Altruismus entsteht dabei aber nicht aus der Annahme der natürlichen Güte von Homo sapiens, sondern aus der Einsicht in den evolutionären Vorteil von Kooperation. So wurden demnach soziale Erfahrungen letztlich wieder Bestandteil einer biologischen Ausstattung des Menschen. Dies wird argumentativ und empirisch überzeugend begründet.«

(Armin Pfahl-Traughber hpd.de )

»Das schmale Bändchen, dessen Haupttext kaum siebzig Seiten umfasst, bietet einen glänzenden Forschungsbericht aus dem Feld der evolutionären Anthropologie. … ein anregendes und nachdenklich stimmendes Büchlein. erschienen.«

(Hans-Georg Deggau Neue Zürcher Zeitung )

»Meister...,der in einem kleinen Bändchen von 80 Seiten die entscheidenen Antworten verdichtet. Michael Tomasello vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, dessen bestechende Studien schon jetzt Legende sind.«

(Christian Schüle Die Zeit )

»Eigentlich sind weder Beobachtung noch Deutung überraschend — aber Glanzleistung von Tomasellos Arbeitsgruppe ist es, in Weiterführung der Arbeiten gewitzter Experimentalforscher wie beispielsweise Wolfgang Köhler, zur Beantwortung ihrer Fragen die konkreten Testsituationen zu ersinnen und herbeizuführen und damit unser empraktisches vorwissenschaftliches ›Wissen‹ über das Verhalten von Tieren systematisch zu unterfüttern. Darin hat Tomasellos Arbeitsgruppe schon vielfach große Expetrise unter Beweis gestellt und bemerkenswerte Ergebnisse erzielen können.«

(Willem Warnecke literaturkritik.de )

Kurzbeschreibung

Seit vielen Jahrhunderten wird die Frage nach der Natur des Menschen von zwei grundsätzlichen Positionen bestimmt: Hobbes’ Meinung, daß die Menschen egoistisch zur Welt kommen und die Gesellschaft sie zur Kooperation erziehen muß, und Rousseaus Darstellung, nach der die Menschen von Natur aus kooperativ sind und später von ihrem Umfeld zu Egoisten gemacht werden. In "Warum wir kooperieren" berichtet Tomasello von wegweisenden Studien mit Kindern und Schimpansen, die neues Licht auf diese uralte Frage werfen. Kinder sind von Geburt an hilfsbereit und kooperativ, lernen aber im Laufe ihres Heranwachsens, eher selektiv zu kooperieren und beginnen den sozialen Normen ihrer Gruppe zu folgen.

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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Lena Waider TOP 100 REZENSENT
In seinem Buch präsentiert Michael Tomasello eigene Thesen zur Entstehung der menschlichen Kooperation, wobei sein Begriff der Kooperation sowohl den Altruismus als auch die Kollaboration umfasst.

Grundlage seiner Thesen sind in erster Linie Ergebnisse diverser Studien, die mit Kleinkindern und Primaten durchgeführt wurden.

Tomasello untergliedert Altruismus in die folgenden drei Unterformen:
1. Helfen (bei der Lösung eines Problems)
2. Informieren (über etwas, was für den anderen wichtig sein könnte)
3. Teilen (z. B. Nahrung)

Ein solcher Altruismus darf nicht mit dem sog. biologischen Altruismus (Reduzierung des eigenen Fortpflanzungserfolges zugunsten anderer) verwechselt werden.

Die Studien zeigten, dass sich Menschen bereits im Kleinkindalter bezüglich allen drei Unterformen altruistisch verhalten, Schimpansen dagegen nur beim Helfen. Beim Teilen von Nahrung waren die Ergebnisse jedoch nicht ganz so eindeutig wie beim Informieren. Tomasello spricht hier von graduellen Unterschieden und weist darauf hin, dass hungernde Menschen sich gleichfalls mit dem Teilen schwer tun.

Der Autor merkt dann an, dass sich die Annahme, der Altruismus von Kleinkindern sei das Ergebnis einer kulturellen Prägung, kaum begründen lasse. Seine These ist, dass Kinder von klein an eine Art soziale Rationalität besitzen. Allerdings würden die altruistischen Tendenzen mit zunehmendem Alter immer stärker durch die Sozialisation bestimmt. So würde der generelle Altruismus der Kleinkinder später einem eher selektiven Altruismus weichen. Gleichzeitig lernten die Kinder ihren sozialen Status (ihren Eindruck auf andere) zu gestalten.

Im zweiten Teil von Tomasellos Artikel geht es um die Schaffung sozialer Institutionen. Dabei betont der Autor, dass er den Altruismus keineswegs für die Grundlage menschlichen Zusammenlebens hält, sondern den Mutualismus (alle profitieren von den gemeinsamen Handlungen). Als wesentliche psychologische Prozesse, die ein Zusammenleben in kleinen und großen Gruppen ermöglichen, nennt er
- Koordination und Kommunkation
- Toleranz und Vertrauen
- Normen und Institutionen

Zwar glaubt er nicht (74f.), "völlig neue Antworten auf die grundlegende Frage der Sozialwissenschaften - die Suche nach dem Ursprung und der Funktionsweise dieser Kooperationsnormen - zu haben", schlägt aber vor, "die heute bei Kindern zu beobachtenden kollektiven Handlungen" als "die natürliche Wiege gesellschaftlicher Kooperationsnormen" in Betracht zu ziehen.

Seine Hauptthese für das Entstehen der für Menschen typischen Lebensform ist, dass sie mit kollektiven Handlungen begonnen hat (81), die "durch ein gemeinsames Ziel und verschiedene, allgemein anerkannte Rollen gekennzeichnet" sind, und bei denen allen Beteiligten bewusst ist, "dass ihr Erfolg von ihrem gegenseitigen Einsatz abhängt". Für Tomasello haben hierin auch der Altruismus und die spezifisch menschliche Form der kooperativen Kommunikation ihren Ursprung. Sein Fazit ist (81): "Die menschliche Kultur entstand somit, indem sich Menschen zu gemeinsamen Aktivitäten zusammenschlossen. (...) Man könnte (...) spekulieren, dass die Menschen im Zuge der gemeinsamen Nahrungssuche (...) zunehmend zur Zusammenarbeit gezwungen waren - anders als alle anderen Primaten."

Dem Artikel von Tomasello schließt sich noch ein Forum mit kürzeren Beiträgen (jeder ca. 5-15 Seiten) von Joan B. Silk, Carol S. Dweck, Brian Skyrms und Elisabeth S. Spelke an, die seine Thesen zum Teil unterstützen, stellenweise jedoch auch zu anderen Ergebnissen kommen.

Das Buch ist insgesamt sehr informativ und lesenswert, zumal es sehr dicht verfasst ist. Es bietet eine Fülle an interessanten Informationen auf engstem Raum. Beispielsweise ist Tomasellos Artikel nur ca. 80 Seiten lang.

Dennoch haben mich seine Hypothesen letztlich nicht wirklich überzeugen können, da sie meiner Meinung nach auf einem viel zu hohen Level ansetzen.

Kultur ist auch im Tierreich anzutreffen, allerdings ausschließlich bei sexueller Selektion. Charakteristisch für die sexuelle Selektion ist das Recht des Besitzenden (bzw. die Gefallen-wollen-Kommunikation), wie es die Systemische Evolutionstheorie ausdrückt. Anders gesagt: Alle Beteiligten akzeptieren, dass die weiblichen Fortpflanzungsressourcen den Weibchen gehören, und sie allein darüber bestimmen können, wer ihre Ressource bekommt. In Populationen, in denen die Weibchen im Besitz einzelner Männchen sind (Haremsbildung) oder sonstwie regelmäßig vergewaltigt werden, kann Kultur nicht gedeihen.

Erste Voraussetzung für die Entstehung von Kultur scheinen also allseits anerkannte Besitzrechte zu sein. Tomasello macht dies an verschiedenen Stellen auch indirekt deutlich (34): "Ihr [gemeint sind an dieser Stelle Schimpansen] natürliches Verhalten ist aber, sich bei der Nahrungsaufnahme einige Meter weit von anderen zu entfernen und Futter nur dann abzugeben, wenn sie direkt angebettelt oder belästigt werden. Kinder wiederum geben gern Dinge an andere ab - sie bieten sie sogar an -, und bei diesen Dingen handelt es sich oft um Nahrungsmittel. Gleichzeitig hängen sie aber auch an bestimmten Gegenständen und weigern sich dann hartnäckig loszulassen."

Menschen haben einen Begriff von Eigentum und Eigentumsrechten und setzen diese Rechte auch durch. Aus diesem Grund können sie sich zusammensetzen und in Ruhe gemeinsam speisen. Wer etwas von einem Menschen will, muss ihn normalerweise fragen und ihn überzeugen (ihm gefallen), so wie es bei der sexuellen Selektion in Hinblick auf die weiblichen Fortpflanzungsressourcen gehandhabt wird. Das schafft Sicherheit, Toleranz und Vertrauen, und damit eine der Grundvorraussetzungen für Kooperation, die Tomasello anführt.

Bei der Frage, wie sich kooperatives und altruistisches Verhalten in menschlichen Gesellschaften durchgesetzt haben könnte, sollte man sich meiner Meinung nach gleichfalls stärker auf die sexuelle Selektion fokussieren. Altruismus stellt - biologisch betrachtet - ein Handicap dar. Und von solchen Handicaps wissen wir, dass sie Fitnessindikatoren im Rahmen der sexuellen Selektion sein können. Wenn die Weibchen in der Natur schon in der Lage sind, ihren Männchen traumhaft schöne Schweife zu verpassen oder gar das Singen beizubringen, warum sollten frühmenschliche Frauen den Männern dann nicht Kooperation und altruistisches Verhalten "angezüchtet" haben? Bei der Dauerschwellung der Brüste oder der Verdeckung des Eisprungs gelang dies umkehrt ja auch.

Beim Thema Kooperation schließlich geht es maßgeblich um Zusammenarbeit und Arbeitsteilung. Michael Tomasello konzentriert sich in seinem Artikel nach meinem Dafürhalten zu stark auf die Arbeitsteilung bei der Jagd. Bei ursprünglich lebenden menschlichen Populationen ist aber auch eine in der Natur äußerst ungewöhnliche und intensive sexuelle Arbeitsteilung zu beobachten. Bevor man sich an eine Erklärung für alle anderen Arbeitsteilungen heranwagt, sollte man sich erst einmal um eine Erklärung für die spezifische menschliche Geschlechterkooperation bemühen.

Auch darüber wird intensiv geforscht. Beispielsweise gehen Bienenforscher der Frage nach, wie den Bienen die Arbeitsteilung zwischen Arbeiterinnen und Königinnen gelingen konnte. Eine besonders provokante These fand ich in einer Arbeit von Rebecca Basile in Emergenz: Zur Analyse und Erklärung komplexer Strukturen (384): "Bei der sozialen Wespenart Polybia occidentalis sind Konflikte sogar ein wichtiger Teil der Arbeitsteilung. In ritualisierten aggressiven Verhaltensweisen werden Tiere aus dem Zentrum des Stockes vertrieben und so zur Sammeltätigkeit angeregt, während die verbleibende dominante Partei im bzw. auf dem Nest zurückbleibt. In einem Modell der holländischen Forscher Hogeweg und Hesper wurde dominant-submissives Verhalten von Hummeln simuliert. Die Konflikte führten dazu, dass sich die dominanten Tiere eher im Zentrum des Nestes und in der Nähe der Brut aufhielten, während sich die Verlierer an der Peripherie des Nestes bzw. außerhalb des Nestes auf Sammelflügen bewegten."

Auf den Frühmenschen übertragen hieße das: Dominante (Haus-)Frauen verblieben mit ihren Kindern in der geschützten Höhle dicht am Feuer. Ihre unterdrückten Männer trieben sie hinaus in die Kälte und den Regen, um für sie und ihre Kinder Nahrung zu beschaffen. Das wäre nun also meine These für die Entstehung der ersten menschlichen Arbeitsteilung, mit der dringlichen Bitte, davon niemals etwas Alice Schwarzer zu verraten...
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Umwerfend 25. Oktober 2010
Von Grutzpalk
"Ich will nicht den Anschein erwecken, völlig neue Antworten auf die grundlegendste Frage der Sozialwissenschaften - die Suche nach dem Ursprung und der Funktionsweise (der) Kooperationsnormen - zu haben," (S. 75) schreibt Tomasello. Nun, das ist wohl, was man Bescheidenheit nennt. Denn in Wirklichkeit stellt der kleine Band Ergebnisse aus der vergleichenden anthropologischen Forschung zusammen, die folgende Schlussfolgerung mehr als nachvollziehbar machen: "Die Menschen sind biologisch daran angepasst, in einem kulturellen Kontext heranzuwachsen. Durch unsere gemeinsamen Bemühungen haben wir unsere eigenen kulturellen Welten geschaffen, und wir passen uns ihnen an." (S. 83)
Im Vergleich zum sozialen Handeln unserer nächsten Verwandten im Tierreich stellt Tomasello fest, dass 1. Schimpansen nur dann kooperieren, wenn für sie etwas dabei herausspringt, 2. sie das vorzugsweise dann tun, wenn sie sich mit ihren Partnern nicht um Anteile streiten müssen (was bei Menschen schon ganz anders aussieht) und 3. schon Kleinkinder dazu angelegt sind, als geltend anerkannte Normen auch gegenüber Dritten durchzusetzen; eine Idee, auf die ein Schimpanse nie käme.
Es liegt also offenbar in der Natur des Menschen, ein kulturelles Wesen zu sein, Normen (und damit verbundene Rollenvorstellungen etc.) aufzustellen und sich daran zu halten. Mit seinen Entdeckungen wirft Tomasello in all seiner Bescheidenheit so manches soziologisches Konstrukt über den Haufen. Aber wahrscheinlich sagt ihm seine Kultur, dass Bescheidenheit eine Zier sei ...
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ich persönlich finde das Büchlein recht anregend und interessant. Es ist eine schriftliche Zusammenfassung einer Vorlesung (Tanner Lectures) an der Stanford University und bietet Einblick in die Forschungsergebnisse des Autors. Es ist auch so gehalten, dass ein Fachfremder (so wie ich) die wesentlichen Inhalte ohne große Schwierigkeiten erfassen kann.

Als besonders wertvoll betrachte ich die ausführlichen Kommentare durch angesehene Fachkollegen des Autors im Unfang von etwa 30 Seiten, die auch teilweise - auf kollegiale Art und Weise - recht kritisch ausfallen und den wissenschaftlichen Anspruch des Buches damit betonen. Zusätzlich bekommt man auch ein umfangreiches Literaturverzeichnis, das sicher nützlich ist, wenn man sich weiter mit dem Thema beschäftigen möchte.

Als Kritikpunkt von meiner Seite ist anzuführen, dass der Autor keinerlei Hintegrund- bzw. Kontextinformation bietet, sodass es kaum möglich ist, die Ergebnisse eigenständig kritisch zu bewerten. Durch die Kommentare wird dieser Mangel allerdings doch deutlich gemildert. Ein insgesamt empfehlenswertes Buch.
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