Klar, Japaner sind schon irgendwie anders als wir. Sie kleiden sich entweder uniform oder verrückt, sind Karaoke-besessen und sind auch sonst ziemlich seltsam. Dennoch sind sie eine vielseitig verwestlichte (oder besser: amerikanisierte) Kultur. Doch auch wenn ihnen "McDonalds" ein Begriff ist, so sind sie trotzdem zumeist schlank und sehen selbst mit vierzig noch aus wie Anfang zwanzig. In dem Buch "Warum japanische Frauen länger jung bleiben" geht die in Tokyo geborene, in New York lebende Autorin Moriyama Naomi auf die Gründe ein. Und vor allem: Gibt Tips, wie man auch außerhalb des Landes der aufgehenden Sonne den Tokyo-Style leben kann.
Zugegebenermaßen, nachdem ich die Einleitung gelesen hatte, da war ich ein bisschen genervt von der Herumwunderei der Autorin über den Gesundheitszustand japanischer Menschen und deren Esskultur. Aber bald merkt man, dass diese Herumwunderei einer ehrlichen Verbundenheit zu ihrem Mutterland entspringt. Und ganz Unrecht scheint sie ja nicht zu haben. Japaner haben im Ländervergleich den niedrigsten durchschnittlichen bmi, den niedrigsten Kalorienverbrauch pro Tag, dafür aber die höchste Lebenserwartung. Und nicht etwa knapp, sondern oft weit abgeschlagen. Da ist es dann auch kein Trost mehr, dass wir Deutschen immernoch gesünder leben als die Amerikaner. Aber was machen die Japaner richtig, was wir falsch? Die Antworten in diesem Buch kennt eigentlich jeder, der sich einmal oberflächlich mit Diäten befasst hat: gute Kohlenhydrate, gute Fette, kaum Zucker, viel Trinken. Was aber ist anders an diesem Buch? Ganz klar: Essen mit Genuss! Man lernt dank der Autorin gesundes Essen nicht nur zu schätzen, sondern zu lieben. Denn im Gegensatz zu uns sehen Japaner selbst alltägliche Nahrung nicht als Selbstverständlichkeit an, sondern als ein Fest. Und deswegen sind japanische Portionen zwar kleiner, aber ästhetisch ansprechender präsentiert. Die Rezepte für japanische Hausmannskost und die Kindheitserinnerungen der Autorin, die Ausflüge in die Exotik der japanischen Kultur runden das Ganze ab. Man lernt das neujährliche Mochi-Stampfen kennen, reist gedanklich auf eine Mandarinen-Plantage und erfährt, welch wichtige Rolle Reis in der japanischen Geschichte gespielt hat.
Einige wenige Stellen wirken zwar etwas zäh - besonders wenn es um Gerätschaften, Zutaten, etc. geht -, einige Dinge werden wiederholt, dann jedoch überrascht die Autorin mit unerwartetem Humor und einem verschmitzten Augenzwinkern. Ich habe beim Lesen mehr als einmal laut aufgegelacht und unzählige Male gegrinst.
Fazit: Da dieses Buch tatsächlich zu einem gesünderen Lebensstil inspiriert und kurzweilig zu lesen ist, kann ich es nur jedem empfehlen, der seine Essgewohnheiten einmal überdenken möchte. Ich zumindest brühe mir jetzt erst einmal eine schöne Tasse grünen Tee.