Zu seinem eigenen Bedauern war es nicht Tim Harford selber, dem die Idee zur Erfolgskolumne "Dear Economist" in den Sinn kam. Aber seit 2003 ist er ihr Held und gibt den Lesern vom Financial Times Magazine Antworten auf merkwürdige, einige neue, viele altbekannte und mit britischem Humor gewürzte Fragen. Obwohl Harford Wirtschaftsjournalist und zweifellos sehr belesen ist, stimmt der deutsche Untertitel nicht. Denn mit ökonomischen Fakten und Theorien sind längst nicht alle Fragen beantwortet. Vor allem im ersten Teil, in dem es um Liebe, Sex und Partnerschaft geht, weiß der Ökonom meist nichts Klügeres zu berichten als seine Konkurrenten anderer Berufsgattungen. Und lustiger sind seine Ratschläge auch nicht immer. Im Gegenteil: Im Playboy werden unmögliche Antworten vielfach geschickter und selbstironischer verpackt als bei Hartford. Ob eine Jungfrau Anfang dreißig sich falsch verhält oder ein vorgetäuschter Orgasmus richtig ist, lässt sich mit Astrologie ebenso gut beantworten wie mit wirtschaftswissenschaftlichen Diagrammen von Kosten-Nutzen-Verhältnissen.
Mehr mit seinem Gebiet hat das Thema Arbeit, Ausbildung und Geld zu tun. Aber auch hierzu gibt es natürlich so dumme Fragen, dass die Antworten ebenso dumm sind. Der Leserbrief "Effiziente Regelung für den Umgang mit dem Toilettensitz" gab die Kapitelüberschrift der Abteilung "Familienleben". Und die Frage, wie man einen Weinsnob hinters Licht führt, diejenige zum Gebiet "Essen, Trinken und Unterhaltung". Was unter "Vermischtes" eingeordnet wurde, durften Leser einleiten, die etwas über betrügerische E-Mails, verschwundene Socken und die Existenz Gottes wissen wollten.
Mein Fazit: Kenner ähnlicher Frage-Antwort-Bücher werden bei der Lektüre feststellen, dass diese auch auf Tim Harfords Schreibtisch stehen. Aber wer nach Antworten der Ökonomen dürstet und sich ein Leben ohne deren Ratschläge nicht mehr vorstellen kann, wird sich an gewissen inhaltlichen Überschneidungen nicht stören. Und britischer Humor ist es noch immer wert, auch außerhalb der Insel wahrgenommen zu werden. Eine Einführung in die Welt der Ökonomie, wie es uns der Klappentexter verspricht, ist das Buch von Harford allerdings nicht.