25 Jahre nach seinem Schulabschluss geht Pieter Vink zum ersten mal zu einem der regelmäßig stattfindenden Klassentreffen. Es gibt einen guten Grund, warum er sich all die Jahre vor dem Wiedersehen mit seinen alten Schulfreunden gedrückt hat: Der Selbstmord seines damaligen Mitschülers Siggi am Abend vor den Abiturprüfungen. Pieter hat seitdem versucht, diese Erinnerungen zu verdrängen, erkennt jetzt aber, dass kein Weg daran vorbeiführt, das Thema auf dem Klassentreffen zur Sprache zu bringen. Die Wiedersehensfreude seiner alten Schulfreunde und Lehrer lässt sehr bald nach, als Pieter den Namen Siggi erwähnt, hatte man doch in all den Jahren erfolgreich über das Ereignis von damals geschwiegen. Denn insgeheim wissen alle, was Siggi in den Selbstmord trieb. Siggi war immer der Außenseiter, von niemandem akzeptiert, dafür umso mehr von allen gehänselt, gestichelt und mit Worten gequält. Von seinen Mitschülern wie auch von seinen Lehrern. Bis er sein Leben irgendwann nicht mehr ertragen konnte. Pieter spricht diese unbequeme Tatsache auf dem Klassentreffen aus und führt allen vor Augen, welche Mitschuld ein jeder von ihnen an Siggis Selbstmord hatte. Jan de Zanger spricht in seinem Buch ein Problem an, das leider heutzutage an den Schulen zur Tagesordnung gehört. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht in den Nachrichten von neuen Fällen derartiger Gewalt unter Schülern berichtet wird. Ganze Klassen stürzen sich auf einen einzelnen Mitschüler, um an ihm durch körperliche und seelische Misshandlungen, oft sogar noch festgehalten auf Videokameras, ihre unvorstellbar große Aggressivität auszulassen. Zwar schreibt Jan de Zanger in einer manchmal etwas langweilig wirkenden Sprache, die der Spannung des Themas nicht ganz gerecht wird. Aber dennoch sollte das Buch „Warum haben wir nichts gesagt?" aufgrund seiner Aktualität zur Pflichtlektüre an Schulen gehören. Zwar kann das den Erziehungsnotstand kaum ändern, aber vielleicht könnte es zumindest den einen oder anderen zum Nachdenken anregen.