"Warum gibt es alles und nicht nichts" ist das neue, gerade einmal rund 200 Seiten starke Buch von Richard David Precht und dieser "Ausflug in die Philosophie" ist meiner Meinung nach wirklich nur für Kinder geeignet und daher werde ich es auch so bewerten: Als Kinderbuch...
Kurz zu Struktur und Inhalt:
Precht schreibt dieses Buch neben einer kurzen Einleitung über drei Kapitel ("Ich & Ich", "Das Gute & ich", "Mein Glück & ich") mit mehreren Unterkapiteln auf der Basis von Diskussionen mit seinem eigenen Sohn Oskar. Sein Ziel dabei ist es, die neugierigen "Kinderfragen" zu philosophischen Themen, wie dem Sinn des Lebens, der Moral oder des Glücks, kindgerecht und verständlich zu beantworten.
Jede dieser Fragen - darunter zum Beispiel als erste die Titelfrage des Buches, die, wie Precht findet, "wahrscheinlich [...] die älteste Frage der Philosophie überhaupt" ist, wird an einem Ort in Berlin diskutiert - dem Zoo, einem Museum oder einem Park - und jedes Unterkapitel wird eingeleitet durch eine kleine Beschreibung dieses Ortes. Anschließend folgt die Diskussion mit seinem Sohn, die durch einige Hintergrundinformationen aus der Geschichte oder aus Verhaltensstudien unterbrochen wird, und jedes Unterkaptiel endet mit einer kurz zusammengefassten philosophischen Erkenntnis und einer neuen Frage, die dann im Folgekapitel behandelt wird.
Ortsbeschreibung, Dialog mit dem Sohn, Hintergrundinformation und Erkenntnis sind jeweils durch unterschiedliche Schriftarten von einander abgegrenzt, was ich bei einem Sachbuch für Kinder durch die Wiedererkennbarkeit eines immer wiederkehrenden inhaltlichen Elements ganz ansprechend finde.
Auch die Sprache ist kindgerecht einfach gehalten. Leichter Satzbau, wenige Fachbegriffe. Allerdings sind gerade die teilweise doch etwas ausladender geratenen Ortsbeschreibungen zu den Berliner Ausflugszielen manchmal wirklich trocken und selbst für mich als junge Erwachsene langweilig - und ich habe keinen Grund zu der Annahme, dass ich es als Kind interessanter gefunden hätte.
Durch die manchmal auch recht anschaulichen, aber nicht immer für Kinderphantasien tauglichen Hintergrundinformationen (zum Beispiel die Geschichte von Phineas Gage, wie bei einer Explosion eine lange Eisenstange durch seinen Kopf schoss samt Schilderung der Gewebereste an besagter Stange) machen es für mich zusätzlich schwerer, dieses Buch als gutes Sachbuch für Kinder zu sehen. Unter 10 Jahren ist es sicher nicht geeignet, manche der Studien, die geschildert werden, wären wahrscheinlich auch noch nicht verständlich, aber für junge Teenager, sagen wir über 14 Jahren, sind die philosophischen Erkenntnisse dann auch schon wieder zu banal (von Erwachsenen ganz zu schweigen).
Daher lautet mein Fazit, dass Precht hier versucht hat, ein philosophisches Kinderbuch zu schreiben, aber dabei ein wenig an der Gratwanderung zwischen banalen, aber kindgerechten Erkenntnissen auf der einen Seite und detailierten Hintergrundinformationen zu Handlungsorten und wissenschaftlichen Erkenntnissen auf der anderen Seite gescheitert ist. Für ein Kinderbuch fehlt manchmal einfach die Spannung, das Interessante, für ein Jugend- oder Erwachsenenbuch reichen auf mehrere Seiten ausgewalzte Kinderdiskussionen mit Klein-Oskar zu solch einfachen Dingen wie "Schönheit liegt im Auge des Betrachters" einfach nicht aus.
Für den Anspruch als Kinderbuch daher 3 Sterne, für Erwachsene ein klares FINGER WEG!